Ursprünglich war es das Stammland der Pruzzen (sog. Preußenland) an der Ostseeküste, nördlich des späteren Polen und westlich von Litauen; die südwestliche Grenze war westlich der Weichsel, nordöstlich etwa die Stadt Memel nördlich des Flusses Memel. Das Stammgebiet der Pruzzen ging auch südlich über die Grenzen des Ordensstaates Preußen oder Ostpreußen hinaus.
Archäologische Funde bezeugen menschliche Besiedlung an der Südküste der Ostsee seit 2000 v. Chr.
98 n. Chr. berichtete Tacitus in seiner Germania über die Aesti gentes. Allerdings hatte Tacitus diese Gebiete selber nie besucht, und fasste auch alle an der Ostsee (Mare Suebicum) lebenden Stämme (u.a. Lombarden, Burgunder, Semnonen, Wandalen, Lugier, Silinger, Goten) als Suebi zusammen, so dass man wenige Einzelheiten zur frühen Geschichte findet. 550 n. Chr. zählt der gotische Geschichtsschreiber Jordanes die Aesti zum gotischen Reich.
Etwa um 850 n. Chr. spricht ein bajuwarischer Geograf von den Brus.
Wulfstan von Haithabu (Schleswig) berichtete in seinen Reiseberichten über das Land und die Leute jener Gegend. Die ostbaltischen Litauer wurden im 11. Jahrhundert erstmals beschrieben, während die Prussen Westbalten waren. Doch erst mit der Zeit der Christianisierung und des damit verbundenen Kirchenbaues fing man lokal an, schriftliche Dokumente zu führen, die detaillierte Informationen enthalten.
Die englische Bezeichnung Spruce (Fichte) wird etymologisch auch von Pruce (Preußen) abgeleitet und als Hinweis auf Handel mit Preußen gesehen. Die älteste Verwendung dieses Wortes findet sich vor 1400 in der altenglischen Sprache.
Staatenbildung
Das von baltischen Stämmen an der Ostseeküste besiedelte Gebiet wurde seit dem 10. Jahrhundert zur Interessensphäre der entstehenden und expandierenden deutschen und polnischen Staaten.
Mieszko I., ein polnischer Fürst aus dem Hause der Piasten, gab Markgraf Gero und Kaiser Otto I. im zehnten Jahrhundert den Lehnseid und erhielt vom Kaiser und dessen Nachfolger Otto II. und Otto III. Landlehen. Sein Sohn Boleslaw I. gewann zeitweise Gebiete an der Oder.
Die Piasten versuchten nach dem Tode der Kaiser, das kaiserliche Lehen für sich zu behalten und weiteres Land zu erobern. 997 n. Chr. kam Vojtech Adalbert von Prag mit Soldaten des Boleslaw I. Chrobry nach Preußen um die Preußen zu unterwerfen. Sie drangen in der Gegend um Danzig bis zur Ostsee vor. Die Preußen konnten sich jedoch wehren. Und Adalbert wurde St. Adalbert, berichtet in der Vita Sankt Adalbert.
In der Folgezeit versuchte Polen mehrmals, das Siedlungsgebiet der Pruzzen und der Pomeranen (Pommern) zu erobern, um damit einen Zugang zur Ostsee zu gewinnen. Pomeranen und Prussen konnten sich immer wieder erfolgreich wehren. Die von Konrad von Masowien ebenfalls unter dem Vorwand der Missionierung durchgeführten Kriegszüge scheiterten jedoch am Widerstand der Pruzzen; Teile des eroberten Kulmerlandes konnte er nur kurzzeitig halten. Um eine sichere Nordgrenze zu erreichen, bot Konrad von Masowien dem Deutschen Ritterorden Landrechte im Gegenzug für militärische Unterstützung an. Diese Landrechte wurden dem Orden vom Papst (Goldene Bulle von Rieti) und dem römischen Kaiser (Goldene Bulle von Rimini)formell bestätigt.
Der Ordensstaat
Altpreußen (das spätere Ostpreußen, Ermland und Teile von Westpreußen) bestand im Jahre der Goldenen Bulle von Kaiser Friedrich II. aus den folgenden Gauen.
Nach der Niederlage 1410 bei Tannenberg und dem Krieg von 1454 bis 1466 verlor der Deutsche Orden Westpreußen und musste die polnische Lehnshoheit Ostpreußens anerkennen. Ermland wurde eigenständiges Fürstbistum. 1511 wurde Albrecht von Brandenburg-Ansbach-Preußen Hochmeister des Deutschen Ordens. Wie auch die vorherigen Hochmeister verweigerte er dem polnischen König den Lehnseid.
Albrecht versuchte in einem 4-jahrelangen Reiterkrieg erfolglos und vom Kaiser im Stich gelassen, die Bindung an Litauen-Polen zu verhindern. Albrecht ging ein persönliches Familienbündnis mit seinem Onkel Sigismund I. ein.
Brandenburg-Preußen
1525 wurde Preußen ein Herzogtum unter Albrecht von Brandenburg-Ansbach. 1544 gründete Herzog Albrecht die UniversitätAlbertina in Königsberg. Die kulturellen Leistungen in seiner Amtszeit waren die Prutenischen Tafeln, die Erstellung preußischer Landkarten sowie eine Münzreform unter Leitung Nikolaus Kopernikus. In diese Zeit fielen auch die Aufnahme evangelischer Flüchtlinge und besonders die erstmaligen Übersetzungen religiöser Schriften in verschiedene Sprachen der neuen preußischen Bürger aus den Nachbarländern. Nach dem Tode Herzog Albrechts im Jahre 1568 kam dessen fünfzehnjähriger Sohn Albrecht Friedrich an die Regierung; dessen Geisteskrankheit bedingte, dass seit 1577 an seiner Stelle brandenburgische Kurfürsten aus der Linie der Hohenzollern vom polnischen König als Administratoren eingesetzt wurden. 1618 endete die preußischen Linie der Hohenzollern, als Albrecht II. starb. Das Herzogtum Preußen (ohne das Fürstbistum Ermland) fiel an die brandenburgische Linie der Hohenzollern, zu diesem Zeitpunkt unter Johann Sigismund. Fortan fanden sich beide Regionen in einem Land wieder, dem späteren (ab 1701) Königreich Preußen. Trotz des Namens lag das Kerngebiet dieses Landes in der Mark Brandenburg.
Königreich Preußen
Nachdem im 18. Jahrhundert Polen aufgeteilt wurde (1772 erste Teilung Polens) und westliche Teile Preußens Friedrich II.. huldigten, ordnete der König am 31. Januar1773 an, die Wiedererwerbungen als Westpreußen und das bisherige Herzogtum Preußen als Ostpreußen zu bezeichnen. Ermland mit Allenstein und Braunsberg, bisher Teil von Königspreußen, wurde damals wieder ostpreußisch. Hauptstadt Ostpreußens war bis zum Ende des Zweiten WeltkriegsKönigsberg.
Nach dem Wiener Kongress1815 wurden Ostpreußen und Westpreußen als Provinzen errichtet. Von 1824 bis 1829 waren sie personell und von 1829 bis 1878 real zur "Provinz Preußen" vereinigt.
Die preußische Provinz Ostpreußen entstand 1878 durch Teilung der bisherigen Provinz Preußen in die Provinzen Ostpreußen und Westpreußen.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Westpreußen ohne Volksabstimmung zwischen Polen und der Freien Stadt Danzig aufgeteilt. Der östliche Restteil wurde der Provinz Ostpreußen als "Regierungsbezirk Westpreußen" in Marienwerder angegliedert bzw. der neugebildeten Mark Posen-Westpreußen angeschlossen.
Weimarer Zeit und Drittes Reich
Im südlichen Ostpreußen (Masuren) fand 1920 eine Volksabstimmung über die künftige Gebietszugehörigkeit statt. Die Bewohner konnten zwischen den Alternativen Polen und "Ostpreußen" (nicht: dem Deutschen Reich, wie man oft behauptet) wählen. 97% der Bewohner entschieden sich bei dieser geheimen Abstimmung, weiterhin zu Ostpreußen zu gehören. Nur eine kleine Teil von Ostpreußen mit Soldau wurde an Polen angeschlossen und wurde zum unabhängigen Kreis "Masuren" in Woiwodschaft Pommern.
Nach der gewaltsamen Besetzung Polens 1939 zu Beginn des Zweiten Weltkriegs durch die WehrmachtNazi-Deutschlands wurde ein weiterer Regierungsbezirk Zichenau (Ciechanów) gebildet, der verwaltungsrechtlich ebenfalls zu Ostpreußen gehörte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurde Ostpreußen von der sowjetischen Armee nach blutigen Kämpfen erobert. Die Erlaubnis zu fliehen erging für die Bevölkerung vielfach nicht rechtzeitig, so dass die meisten Bewohner unmittelbar in die Kampfhandlungen verwickelt wurden, zurückkehrende Bewohner wurden von den Soldaten der sowjetischen Armee umgebracht, misshandelt und vielfach zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt. Die verbliebenen Bewohner wurden bis 1947 fast vollständig aus ihrer Heimat nach dem verbliebenen Deutschland vertrieben. Alexander Solschenizyn und Lew Kopelew waren Augenzeugen und haben sich gegen die unmenschlichen Taten der Roten Armee wie z. B. in Nemmersdorf ausgesprochen. Sie kamen beide darauf in Zwangslager (Gulag).
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte gemäß dem Potsdamer Abkommen die Aufteilung Ostpreußens zwischen Polen und der Sowjetunion. Der sowjetische Anteil wurde der RSFSR zugeteilt und vor Allem von Russen und Weißrussen wiederbesiedelt. Der polnische Anteil wurde auf die damaligen Woiwodschaften Gdansk (Danzig), Olsztyn (Allenstein) und Bialystok aufgeteilt und in erster Linie von Polen aus Vorkriegs-Ostpolen wiederbesiedelt. Nach der Verwaltungsreform im Jahre 1975 wurde ehemaliges Ostpreußen in Woiwodschaften Elbląg [Elbing], Olsztyn (Allenstein), Ciechanów [Zichenau] und Suwałki [Sudauen] geteilt.
Die DDR erkannte die Oder-Neiße-Linie als endgültige Grenze zu Polen 1950 an. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung bestätigte die Bundesrepublik im deutsch-polnischen Grenzvertrag vom 14. November1990 die Aufgabe ihrer Ansprüche auf das ehemalige Ostpreußen.
Heutige Situation
Nach einer Neuordnung der Woiwodschaften am 1. Januar1999 im polnischen Südteil bildet dieses Gebiet seither in seiner Gesamtheit die Woiwodschaft Ermland-Masuren mit der Hauptstadt Allenstein (Olsztyn), der nördliche Teil bildet heute die russischeKaliningrader Oblast mit der Hauptstadt Kaliningrad (Königsberg ist 1946 von der sowjetischen Regierung in Kaliningrad umbenannt worden). Nach der Auflösung der Sowjetunion ist diese Oblast nun eine Exklave Russlands.
Regierungsbezirke und Kreise in der Provinz Ostpreußen von 1878 bis 1945
In der Zeit von 1878 bis 1945 hat sich die territoriale Verwaltungsgliederung innerhalb der überwiegend landwirtschaftlich strukturierten Provinz Ostpreußen nur allmählich verändert. Allerdings sind 1920 und 1939 die Außengrenzen erheblich verändert worden.
Regierungsbezirke
Von 1878 bis 1945 bestanden die beiden Regierungsbezirke Gumbinnen und Königsberg.
Aus den südlichen Kreisen dieser Bezirke entstand am 1. November1905 der neue Regierungsbezirk Allenstein.
Der früher westpreußische Regierungsbezirk Marienwerder wurde teilweise, gemeinsam mit einigen Kreise aus ehem. Regierungsbezirk Danzig (Elbing und Marienburg) zum 1. Juli1922 als Regierungsbezirk Westpreußen mit dem Sitz in Marienwerder der Provinz Ostpreußen angegliedert und trat am 26. Oktober1939 zum neuen Reichsgau Danzig-Westpreußen.
Ab 1. August1941 entstand aus sowjetischen (weißrussischen, bis 1939 polnischen) Gebieten der neue Bezirk Bialystok. Dieser wurde vom ostpreußischen Oberpräsidenten und Gauleiter Erich Koch als Chef der Zivilverwaltung mitverwaltet und faktisch wie Reichsgebiet behandelt, allerdings nicht förmlich nach Ostpreußen eingegliedert.
Stadtkreise
Außer dem bereits 1818 bestehenden Stadtkreis Königsberg i. Pr. entstanden im Laufe der Zeit die folgenden weiteren Stadtkreise:
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