Die Vergabe der Spiele nach Athen wurde als Wiedergutmachung verstanden, nachdem sieben Jahre zuvor die Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 1996 gescheitert war. Damals war man davon ausgegangen, dass die Olympische Bewegung zur Feier des 100. Geburtstags der Olympischen Spiele der Neuzeit wieder an ihren Ausgangspunkt zurückkehren würde. In Anlehnung an die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit und die Olympischen Spiele der Antike bekamen die Sieger der Wettbewerbe einen Kranz aus Zweigen des Olivenbaums.
Die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) erwartete Rekordzahl von 202 teilnehmenden Staaten nahm an diesen Spielen teil. Die alte Bestmarke ging auf die Spiele 2000 in Sydney mit 199 Nationalen Olympischen Komitees zurück.
Vom IOC wurde im Vorfeld der Spiele häufig ungewöhnlich deutliche Kritik am Fortschritt der Bauarbeiten für die olympischen Sportstätten geäußert. Das Schwimmstadion wurde entgegen ursprünglicher Planungen wegen Zeitmangel nicht überdacht.
Ebenso steht die mangelhafte Umsetzung des Umwelt- und Klimaschutzes in der Kritik, der ein zentrales Argument der Bewerbung Griechenlands als Austragungsort war. Bis auf den Ausbau des Nahverkehrs in Athen sind die Organisatoren praktisch alle Versprechen schuldig geblieben.
Für die Veranstaltung wurden angesichts der vorangegangenen Terroranschläge in den USA 2001 und in Madrid 2004 erhöhte Sicherheitsmaßnahmen getroffen; an der Sicherung ist auch die NATO beteiligt.
Für die Spiele wurde ein Netzwerk mit über 450 Servern installiert.
Höhepunkte
Am 25. März2004 wurde im Tempel der Hera von Olympia die olympische Fackel entzündet, die in den folgenden Monaten eine Reise durch alle Kontinente unternahm, um zur Eröffnung am 13. August2004 in Athen anzukommen. Dort entzündete der griechische Olympiasieger im Surfen Nikolaos Kaklamanakis mit ihr das olympische Feuer in Form einer 31 Meter hohen Fackel im Olympiastadion. Wohl wegen eines technischen Problems erlosch die Flamme bereits am nächsten Tag, sie wurde jedoch erneut entfacht. Während der Eröffnungsfeier fiel der Strom kurzzeitig aus.
Im Vorfeld der Spiele ereignete sich ein Skandal, der die griechische Sportwelt erschüttern sollte. Nach einem fingierten Motorradunfall hatten sich die griechischenSprinterKostas Kenteris und Ekaterini Thanou zur angeblichen Behandlung in ein Athener Krankenhaus einliefern lassen. Gerade zu dieser Zeit war aber eine Dopingkontrolle angesetzt, der sie so entgingen. Es stellte sich heraus, dass sie sich zuvor zwei weiteren Kontrollen in Chicago und Tel Aviv entzogen hatten. Die Anti-Doping-Regeln besagen, dass die Verweigerung einer Dopingkontrolle automatisch als positive Probe gewertet wird. Bei einer IOC-Anhörung am 18. August kamen sie einem Ausschluss von den Olympischen Spielen in Athen zuvor und gaben den Verzicht auf ihre Teilnahme bekannt. Unterdessen ist Christos Tsekos, ehemaliger Trainer von Kostas Kenteris, in Verdacht geraten, griechische Leichtathleten flächendeckend mit Dopingmitteln versorgt zu haben. Griechische Behörden fanden in seinen Büros rund 1.400 Packungen mit Anabolika und anderen verbotenen Substanzen.
Herausragende Sportler
Erfolgreichster Athlet ist der US-AmerikanerMichael Phelps. Er gewinnt in den Schwimmwettbewerben 8 Medaillen (6 Gold, 2 Bronze). Damit ist er neben Alexander Ditjatin (Turnen, 1980) der einzige Athlet, der an einem Austragungsort so viele Medaillen erringt.
Erfolgreichste Athletin ist die australische Schwimmerin Petria Thomas mit 3 Gold- und einer Silbermedaille.
Die südafrikanische 4x100 Meter-Freistil-Staffel der Männer schwamm eine Zeit von 3:13,17 Minuten.
Die US-amerikanische Männer Staffel schwamm mit 3:30,68 Minuten einen neuen Weltrekord über 4x100 Meter Lagen.
Der US-amerikanische Schwimmer Aaron Peirsol schwamm mit 53,45 Sekunden als Startschwimmer der 4x100 Meter Lagen-Staffel einen neuen Weltrekord über 100 m Rücken.
Die US-Amerikanerinnen schwammen 4x200 Meter Freistil in 7:53,42 Minuten.
Die Australierinnen erreichten über 4x100 Meter Lagen eine Zeit von 3:57,32 Minuten.
Die australische Schwimmerin Jodie Henry stellte im Halbfinale über 100 Meter Freistil mit 53,52 Sekunden einen neuen Weltrekord auf.
Der ChineseLiu Xiang egalisierte im Rennen über 110 Meter Hürden den 11 Jahre alten Weltrekord des BritenColin Jackson. Seine Zeit: 12,91 Sekunden.
Radsport
Anna Meares aus Australien erzielte beim 500-Meter-Zeitfahren eine neue Bestmarke von 33,952 Sekunden.
Sarah Ulmer aus Neuseeland fuhr bei der 3000-Meter-Einzelverfolgung eine Zeit von 3:24,537 Minuten.
Gewichtheben
Die Türkin Nurcan Taylan hob in der Klasse bis 48 kg ein Gesamtgewicht von 210,0 kg.
Die Chinesin Liu Chunhong hob in der Klasse bis 69 kg ein Gesamtgewicht von 275,0 kg in die Höhe.
Die Thailänderin Pawina Thongsuk, in der Klasse bis 75 kg, erzielte ebenfalls einen neuen Weltrekord; sie konnte ein Gesamtgewicht von 272,5 kg heben.
Die ChinesinGonghong Tang schaffte in der Klasse über 75 kg ein Gesamtgewicht von 305,0 kg.
Der Iraner Hossein Rezazedah wiederholte seinen Olympiasieg im Superschwergewicht von Sydney mit 472,5 kg und damit neuem Weltrekord.
Schießen
Manfred Kurzer aus Deutschland verbesserte im Vorkampf des Wettbewerbs Laufende Scheibe den Weltrekord um zwei Ringe auf 590 Ringe.
Kontroverses
Den deutschen Vielseitigkeitsreitern wurde nach einer Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs zwei Goldmedaillen aberkannt, nachdem ihnen das Gold bereits vorher ab- und anschließend wieder zuerkannt worden war. Durch einen Einspruch beim IOC-Präsidenten Jacques Rogge wollen die deutschen Reiter einen Kompromiss erreichen, dass sie mit den Franzosen gemeinsam als Sieger anerkannt werden. IOC-Präsident Jacques Rogge hat inzwischen bekanntgegeben, dass es einen entsprechenden Antrag des NOK gab "und wir haben nein gesagt".
Nach dem Finale des Einzelmehrkampfs im Turnen wurden drei Kampfrichter vom Weltturnverband suspendiert. Es hatte sich herausgestellt, dass dem drittplatzierten Südkoreaner Tae Young Yang ein zu niedriger Anfangswert zugestanden worden war. Statt von einer Basis von 10,0 Punkten startete er mit bloss 9,9 Punkten. Wäre alles korrekt abgelaufen, hätte der Südkoreaner gewonnen und nicht der US-Amerikaner Paul Hamm. Zur Zeit läuft eine Untersuchung des Weltturnverbandes.
Ein bis dahin einmaliger Vorfall ereignete sich beim Turnwettkampf am Reck. Nach der mit Höchstschwierigkeiten geturnten Übung des Russen Alexej Nemow, des Olympiasiegers von Sydney 2000, mit fast perfekter Ausführung, konnte nur ein kleiner Ausfallschritt beim Abgang für einen Abzug in der Benotung sorgen. Statt der 10,0 gab es nur eine 9,725 wegen des kleinen Patzers am Ende der Übung. Im Publikum brach ein lautstarker Proteststurm los, der mehr als 20 Minuten anhielt. Der Wettbewerb wurde unterbrochen und nach etlichen Minuten korrigierte das Kampfgericht die Note auf 9,762, ohne dass sich Nemow in der Platzierung verbesserte (Platz 5). Nachdem der US-Amerikaner Paul Hamm für eine sichtbar weniger gute Übung eine bessere Benotung erhielt, ging der Protest des Publikums weiter. Nemow selbst sorgte mit beschwichtigenden Gesten für eine Beruhigung beim Publikum. Schließlich siegte der Italiener Igor Cassina.
Beim letzten Wettkampf der Spiele, dem Marathonlauf der Männer, ereignete sich ein bedenklicher Zwischenfall. Der bis dahin führende BrasilianerVanderlei de Lima wurde acht Kilometer vor dem Ziel von einem Verrückten von der Straße gezerrt. Zu diesem Zeitpunkt hatte de Lima 48 Sekunden Vorsprung und verlor wegen dieses Zwischenfalls etwa 20 Sekunden. Fünf Kilometer vor dem Ziel wurde er vom Italiener Stefano Baldini und dem US-Amerikaner Mebrahtom Keflezighi überholt. De Lima wurde am Ende Dritter.
Später wurde bekannt, dass es sich bei dem Verrückten um den IrenCornelius Horan handelt, einem religiösen Fanatiker, der immer wieder bei sportlichen Anlässen für Zwischenfälle sorgt. So war er z.B. 2003 beim Formel-1-GP in Silverstone während des Rennens über die Rennstrecke gelaufen. Jacques Rogge, der Präsident des IOC, überreichte de Lima die Pierre de Coubertin-Medaille für exemplarischen Sportsgeist.
Durch die Intensivierung und Verbesserung der Dopingkontrollen wurde bei diesen Olympischen Spielen eine Vielzahl von Athleten positiv getestet. Nach einer Überführung der Athleten wird ihnen die Leistung aberkannt. Es erfolgt eine Disqualifikation von allen weiteren Wettbewerben durch die IOC-Diziplinarkommission und sie müssen mit einer mehrjährigen Wettkampfsperre rechnen.
Schon in den Monaten vor den Olympischen Spielen wurden viele potenzielle Olympia-Teilnehmer postiv getestet. Darunter der SchweizerRadprofi und Ex-Weltmeister Oscar Camenzind (22. Juli, EPO), der irische Langstreckenläufer Cathal Lombard (EPO), die spanische Radfahrerin Janet Puiggrois Miranda (17. Juli, EPO), der spanische EM-Dritte im Kajak-Einer Jovino Gozalez (16. Juli, EPO), US-Sprinter Jerome Young (23. Juli, EPO, wegen früheren Dopings nun für zwei Jahre gesperrt), der belgischeMountainbike-Weltmeister Filip Meirhaeghe (25. Juni, EPO), die australischeGewichtheberin Caroline Pileggi (verweigerter Dopingtest im Juni) und zahlreiche Dopingfälle mit Tetrahydrogestrinon (THG) in der US-Leichtathletik im Zusammenhang mit dem Dopingskandal um das US-amerikanische Dopinganalyselabor BALCO.
9. August: Die ersten offiziellen Dopingfälle der Athener Spiele sind die Baseballspieler Andreas James Brack und Derek Nicholson aus der griechischen Mannschaft. Die für Griechenland startenden Greco-Amerikaner wurden am 5. August nach der Ankunft in Athen getestet. Alle nach der Eröffnung des olympische Dorfes am 30. Juli überführten Olympiateilnehmer sind offiziell Dopingfälle der Spiele. Brack wurde der Einnahme des verbotenen anabolen Mittels Stanozolol, mit dem bereits Ben Johnson1988 gedopt war, überführt. Nicholson wurde positiv auf das Entwässerungsmittel Diuretika getestet, das bei einer Einnahme aus gesundheitlichen Gründen nach IOC-Vorschriften offiziell angegeben werden muss, da es oft zur Verschleierung von Steroid-Doping eingesetzt wird.
10. August: Bei dem kenianischenBoxer David Munyasia wird drei Tage vor dem offiziellen Beginn der Olympischen Spiele die verbotene Stimulanz Cathin nachgewiesen.
17. August: Bei Nan Aye Khine aus Myanmar, Viertplatzierte im Gewichtheben (bis 48 kg) der Frauen, wurden Spuren eines anabolen Steroides nachgewiesen. Sie räumte ein, regelmäßig ein Kräuterextrakt einzunehmen, dessen Zusammensetzung sie aber nicht analysieren lasse. Nan Aye Khine wurde als erste Dopingsünderin, die bereits am Wettkampf teilgenommen hatte, nachträglich von den Spielen ausgeschlossen.
17. August: Die griechische Schwimmerin Tonia Machaira steht ebenfalls wie ihre von den Spielen zurückgetretenen prominenten Landsleute Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou unter Dopingverdacht. Nachdem sie zuvor nach einer unangemeldeten Wada-Kontrolle am 28. Juli aus "gesundheitlichen Gründen" vom griechischen Olympiateam ausgeschlossen worden war, verweigerte sie eine Dopingkontrolle durch den nationalen Schwimmverband (KOE).
19. August: Eine Eingangskontrolle bei den Gewichthebern führte zu 5 positiven Dopingergebnissen. Es handelt sich um Zoltan Kecskes (Ungarn) in der Gewichtsklasse bis 69 kg, Sahbaz Sule (Türkei) in der Klasse bis 75 kg, Viktor Chislean (Moldawien) in der Klasse bis 56 kg, sowie Pramita Kumari Na (Indien) und Wafa Ammouri (Marokko) in der Klasse bis 63 kg.
21. August: Beim griechischen Gewichtheber Leonidas Sabanis, der in der Klasse bis 62 kg Bronze gewonnen hatte, wurden nach einer Kontrolle in der A- und B-Probe stark erhöhte Testosteronwerte festgestellt. Sabanis wurde daraufhin die Bronzemedaille aberkannt. Außerdem wurden bei Trainingskontrollen die Gewichtheber Nital Scharipow aus Kirgisien und die russische Vizeweltmeisterin Albina Tschomitsch positiv getestet. Mit Christoforos Hoidis ist ein weiterer griechischer Sprinter nicht zu einem Dopingtest erschienen. Griechische Medien berichteten, dass Hoidis bereits aus dem Olympischen Dorf abgereist sei.
23. August: Die russische Kugelstoß-Olympiasiegerin Irina Korschanenko ist des Dopings mit dem anabolen Seroid Stanozolol überführt worden. Korschanenko wurde ihre Goldmedaille aberkannt und von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Da sie bereits zum zweiten Mal erwischt wurde, muss sie mit einer lebenslangen Sperre rechnen.
24. August: Der ungarischeDiskuswurf-Olympiasieger Róbert Fazekas verweigerte zunächst nach seinem Olympiasieg die Dopingprobe. Dann versuchte er die Urinproben zu vertauschen. Letztendlich wurde ihm die Goldmedaille aberkannt und Virgilijus Alekna aus Litauen zum Olympiasieger erklärt. Beim Hochsprung wurde Aleksej Lesnitschij aus Weißrußland positiv auf die anabole Substanz Clenbuterol getestet, was aber keinen Einfluss auf die Medaillenvergabe hatte, da er Letzter in der Qualifikation war.
26. August: Der ungarische Gewichtheber Zoltan Kovacs hatte am 25. August nachdem er den Wettkampf in der 105-kg-Klasse vorzeitig beendet hatte, eine Dopingkontrolle verweigert. Er wurden von den Spielen ausgeschlossen. Der ukrainische Doppelvierer der Frauen verliert seine Bronzemedaille, weil der Mannschaftsarzt der Ruderin Olena Olefirenko ein verbotenes Stimulanzmittel verschrieben hatte. Deshalb erfolgte auch nur eine Aberkennung der Medaille aber nicht der Ausschluss von den Olympischen Spielen.
29. August: Dem ungarischen Hammerwerfer Adrian Annus wird die gewonnene Goldmedaille aufgrund von Manipulationen bei der ersten Dopingkontrolle nach dem Wettkampf und der Weigerung der Abgabe einer neuen Dopingprobe aberkannt.
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