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Öffentliche Meinung

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Die Öffentliche Meinung ist - weiter gefasst - der geistige 'Marktplatz' der während eines gewissen Zeitraums in einem größeren, individuell nicht bestimmten Teil der Bevölkerung vorherrschenden, nicht notwendig übereinstimmenden Meinungen, Werturteile bzw. Einstellungen zu Zuständen, Ereignissen oder Personen.


Beispiel: "Bester deutscher Fußballverein ist und bleibt Bayern München".


Zu ihren flüchtigsten Formen gehören die Moden und Hypes.


Beispiel: "Liebesbriefe per Post sind mega-out."


Enger gefasst ist eine "herrschende öffentliche Meinung" allgemeiner Zustimmung sicher; wer von ihr abweicht, kann dies nicht öffentlich äußern, ohne sich sozialem Druck auszusetzen (engl. common sense = allgemeine Ansicht).


Beispiel: "Korruption ist von Übel."


Artikulierte öffentliche Meinung setzt die Existenz von rechtlich gesicherter Meinungsfreiheit und von wirtschaftlich überlebensfähigen Massenmedien voraus und kann daher auch als ein Teilaspekt von Emanzipation und Demokratie gesehen werden.


Inhaltsverzeichnis


1 Zur Geschichte

2 Formen der "öffentlichen Meinung"

3 Wissenschaftliche Behandlung

4 Zitate


Zur Geschichte

Die "öffentliche Meinung" ist älter als der Begriff dafür. In den freien antiken Stadtstaaten Kleinasiens, Griechenlands und in Rom äußerten sich die Meinungen der Vollbürger öffentlich auf dem Marktplatz (griechisch: agorá, lateinisch: forum) in Volksversammlungen und Volksgerichten.


Im nachmittelalterlichen Europa entstand die "öffentliche Meinung" im heutigen Sinn im 18. Jahrhundert, als Meinungsmarkt und dann als eine Waffe des aufsteigenden Bürgertums, als neue Form der politischen Autorität, die letztlich das Meinungsmonopol der absolutistisch regierten Staaten und des in einem Staat jeweils ein Religionsmonopol ausübenden Klerus brachen.


Frühe Massenmedien waren, nach der Erfindung des Buchdrucks mit versetzbaren Lettern, bereits in der Reformation z.B. die Flugblätter. Im 18. und 19. Jahrhundert kamen zumal die Zeitungen ("Intelligenzblätter") und Theater auf, im 20. der Film, der Hörfunk, das Fernsehen und mit der "elektronischen Revolution" das Internet. Die ganze Zeit über bestand und wirkte auch der Buchmarkt.


Formen der "öffentlichen Meinung"

Da die öffentliche Meinung auch durch Meinungsforschung nicht in allen Aspekten zu erkunden ist, kann letztendlich jeder für sich in Anspruch nehmen, die öffentliche Meinung zu kennen und zu vertreten. Politiker und Massenmedien geben gerne vor, eine herrschende öffentliche Meinung zu artikulieren. Bei Beweisschwierigkeiten werden dabei z.B. die ab- oder aufwertenden Bilder vom Stammtisch oder von der Schweigenden Mehrheit benutzt.


Auch wird die "öffentliche" gegen die "veröffentlichte" Meinung ausgespielt. Eine Kritik an der "veröffentlichten" Meinung kann fundiert sein, wenn die renditeorientierte Kommerzialisierung der Massenmedien oder eine 'professionelle Deformation' der dort publizierenden Berufe (Journalisten, Talkmaster usw., die nur noch einander zur Kenntnis nehmen) zur Abschottung gegen neue Meinungen geführt haben.


Unterdrückte Meinungsführer schaffen sich ggf. "Teilöffentlichkeiten" (z.B. durch Broschüren oder im Internet).


Wissenschaftliche Behandlung

Die Soziologie hat in Deutschland bedeutende Analysen vorgelegt, so 1922 (2003) Ferdinand Tönnies (Kritik der öffentlichen Meinung), 1962 (1990) Jürgen Habermas (Strukturwandel der Öffentlichkeit) und 1972 Oskar Negt/Alexander Kluge (Öffentlichkeit und Erfahrung. Zur Organisationsanalyse von bürgerlicher und proletarischer Öffentlichkeit); dazu zahlreiche Einzelstudien im Rahmen der Kommunikationssoziologie, Politischen Soziologie u.a.m.


Auch im Rahmen der Politologie und in der "Absatzforschung" (Werbeforschung) der Betriebswirtschaftslehre, dazu in der Literatur- und Medienwissenschaft finden sich einschlägige Forschungsergebnisse. Auch die Volkskunde erbringt Materialien, da sie sich mit dem verwandten Thema des Volksmundes befasst.


Zitate

"Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition für öffentliche Meinung. Dennoch nimmt der Gebrauch dieses Begriffs immer mehr zu._.. Versuche, den Begriff präzise zu definieren, haben zu solchen frustrierenden Feststellungen geführt wie: Öffentliche Meinung ist keine Bezeichnung für irgend etwas, sondern eine Klassifizierung für mehrere Irgend-etwas".
(Walter Phillips Davison: Public Opinion, in: International Encyclopedia of the Social Sciences, 1968)
"Mit Präzision über öffentliche Meinung zu sprechen, ist mit der Aufgabe vergleichbar, sich mit dem Heiligen Geist auseinander zu setzen".
(V.O. Key: Public Opinion and American Democracy, 1961)

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