Das Stadtgebiet von Nürtingen besteht aus der Kernstadt Nürtingen, dem bereits am 1. Januar1919 eingegliederten Ortsteil Oberensingen sowie den im Rahmen der Gemeindereform1973 und 1974 eingegliederten Stadtteilen Hardt, Neckarhausen, Raidwangen, Reudern und Zizishausen.
Geschichte
Wie zahlreiche archäologische Funde zeigen, war die Gegend des heutigen Nürtingen bereits von den Kelten besiedelt. Während der Römerzeit befand sich auf dem Gebiet unter anderem ein römischer Gutshof, eine Villa und eine bedeutende Töpferei.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Nürtingen im Jahre 1046 ("Niuritingin") und erhielt 1335 die Stadtrechte.
1634 wird Nürtingen im Dreißigjährigen Krieg erobert und stark verwüstet. Der anschliessenden Pest fällt die Hälfte der Einwohnerzahl zum Opfer. Einige Gemeinden im Umkreis verlieren in der Zeit nahezu ihre gesamte Bevölkerung oder sind zum Teil sogar völlig menschenleer.
1750 wurde die Stadt durch einen verheerenden Brand weitestgehend zerstört, jedoch wieder aufgebaut. Dieser alte Stadtkern ist in einigen Teilen bis heute erhalten geblieben.
Das Nürtinger Schloß diente vom 15. bis zum 17. Jahrhundert den Witwen der Württemberger Fürsten als Alterssitz. In den Jahren 1770-1773 wurde es abgerissen. Heute erinnert nur noch der Name "Schlossberg" daran, dass neben der Stadtkirche St. Laurentius einst ein Stadtschloß stand.
Die erste Realschule Württembergs wird im Jahre 1783 in Nürtingen gegründet.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Nürtinger Jüdin Anna Frank 1942 nach Haigerloch ins dortige Getto Haag zwangseingewiesen, nachdem sie zuvor schon ihre Wohnung hatte wechseln müssen. Dort verunglückte sie, wurde als Jüdin vom Krankenhaus Tübingen nicht aufgenommen und kam erst nach Wochen ins Jüdische Krankenhaus Frankfurt am Main, wo sie ihren Verletzungen wegen der fehlenden Versorgung erlag. Während des Nationalsozialismus gab es das Mühlwiesenlager mit Kriegsgefangenen und "Fremdarbeitern". Es gab unter den Pfarrern einen Vertreter der "Deutschen Christen" (Pfarrer Maysenhölder) und einen Vertreter der Bekennenden Kirche (Theo Braun). Die Nürtinger NSDAP (SA, SS, HJ) verübte unter Kreisleiter Eugen Wahler und Bannführer Oskar Riehgraf mit Formationen des NSDAP-Parteikreises Nürtingen die Ausschreitungen gegen Pfarrer Julius von Jan, Oberlenningen. Pfarrer von Jan hatte zuvor gegen die Zerstörung der Synagogen und die Behandlung der Juden bei der Reichspogromnacht 1938 gepredigt.
Bis zum 1. Januar1973 war Nürtingen der Verwaltungssitz des Landkreises Nürtingen. Dieser ging aus den beiden ehemaligen Oberämtern Nürtingen und Kirchheim/Teck hervor. Im Zuge der Kreisreform wurde er mit dem Landkreis Esslingen vereint.
Wirtschaft
Die Industrialisierung begann im Nürtinger Raum in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zunächst war die Textilindustrie bestimmende Branche. So war Nürtingen lange Jahre als "Stadt der Strickwaren" bekannt. Mit der zunehmenden Verlagerung der Textilproduktion in Niedriglohnländer im ausgehenden 20. Jahrhundet nahm die Bedeutung dieses Industriezweiges für den Nürtinger Raum immer mehr ab, so dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Maschinenbauindustrie die wichtigste Branche darstellt. Die Maschinenfabrik Gebr. Heller, 1894 gegründet, und der Elektrowerkzeughersteller Metabo, 1924 gegründet, beschäftigen beide jeweils rund 1.700 Mitarbeiter in Nürtingen.
Nürtingen liegt an der Bahnstrecke von Stuttgart nach Tübingen. Außerdem führt vom Nürtinger Bahnhof die Tälesbahn - eine Nebenbahn der WEG - bis nach Neuffen. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofes befindet sich der zentrale Omnibusbahnhof über den Nürtingen mit den Teilorten und den umliegenden Gemeinden verbunden ist.
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Nürtingen
Persönlichkeiten
Berühmte Persönlichkeiten, die einen Teil ihres Lebens in oder um Nürtingen verbracht haben sind:
Friedrich Hölderlin, (* 20. März1770; † 6. Juni1843); deutscher Lyriker, verbrachte als Stiefsohn des Nürtinger Bürgermeisters Gock seine Kindheit und Jugend in Nürtingen; besuchte die Nürtinger Lateinschule.
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