Das Nicäno-Konstantinopolitanum ist eines der wichtigsten Glaubensbekenntnisse des Christentums, das oft in der Liturgie Verwendung findet, wo es (nicht korrekt) als Nicäisches Glaubensbekenntnis (lateinisch fides Nicaena) bezeichnet wird.
Das Nicäno-Konstantinopolitanum ist dasjenige christliche Bekenntnis, das in der Ökumene am zweitweitesten anerkannt ist (nach dem originalen Bekenntnis von Nicäa). Es wurde von der christlichen Kirche seit 451 autoritativ bezeichnet und ist es seither geblieben. Alle Bekenntniskirchen erkennen es an.
In den Östlich-Orthodoxen Kirchen (Griechenland, Russland...) ist es immer noch in seiner ursprünglichen Form gültig, mit dem Zusatz des Filioque bildet eine Basis des römisch-katholischen, anglikanischen und protestantischen Glaubens.
Seine tatsächliche Entstehungsgeschichte und literarische Grundlage ist jedoch bis heute nicht geklärt.
Der Text ist erstmals überliefert vom Konzil von Chalcedon, wo er öffentlich verlesen und als Glaubensbekenntnis von Konstantinopel ("Bekenntnis der 150 heiligen Väter") bezeichnet wird. Dabei werden sowohl das Bekenntnis von Nicäa als auch das Nicäno-Konstantinopolitanum bestätigt:
Das Konzil hat in erster Linie entschieden, dass das Glaubensbekenntnis der 318 Väter unverändert bleiben soll. Und wegen denen, die gegen den Heiligen Geist streiten, ratifiziert es auch die Lehre, die in der Folge durch die 150 heiligen Väter, die sich in der königlichen Stadt versammelt hatten, aufgesetzt wurde bezüglich des Heiligen Geistes, nicht indem sie behaupteten, etwas fehle am Glauben ihrer Vorgänger, sondern indem sie durch Zeugnisse aus der Schrift deutlich machten, was ihr Begriff bezüglich des Heiligen Geistes ist gegen die, die seine Hoheit beseitigen wollten.
Vom sechsten Jahrhundert an wird das Nicäno-Konstantinopolitanum als eine Revision des Bekenntnisses von Nicäa bezeichnet; dieses wird in den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen bis heute verwendet.
In späteren Zeiten hat die westliche Kirche beim Heiligen Geist den Zusatz "und dem Sohn" (lateinisch: filioque) hinzugesetzt. Dieser Zusatz kam zuerst bei den Goten im frühmittelalterlichen Spanien vor und wurde - nach einer Zeit der Ablehnung - auch vom Papst akzeptiert, ohne dass dieser die übrigen vier Patriarchate konsultierte. Dieser Zusatz war einer der Hauptgründe für das Schisma zwischen der katholischen und orthodoxen Kirche.
Textvergleich
Gewöhnlich wird das Nicäno-Konstantinopolitanum als Erweiterung des nicäischen Bekenntnisses betrachtet. Beim genauen Vergleich findet man jedoch wesentliche Auslassungen und unbedeutende Ergänzungen, die sich bei einer direkten Ableitung schwer erklären lassen.
AuslassungErgänzung
Wir glauben an einen Gott,
den allmächtigen Vater,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,
den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
den Sohn Gottes,
der als einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist vor aller Zeit, d.h. aus dem :Wesen des Vaters
Gott vom Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;
der für uns Menschen und wegen unseres Heils vom Himmel herabgestiegen und Fleisch geworden ist durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria,
Mensch geworden ist,
der für uns gekreuzigt wurde unter Pontius Pilatus
gelitten hat und begraben worden ist,
und am dritten Tage auferstanden ist nach der Schrift
und aufgestiegen ist zum Himmel,
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit um die Lebenden und die Toten zu richten;
und seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Und an den Heiligen Geist.
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Diejenigen aber, die da sagen "es gab eine Zeit, da er nicht war" und "er war nicht, bevor er gezeugt wurde", und er sei aus dem Nichtseienden geworden, oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Person oder Wesenheit, oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar, die verdammt die katholische Kirche.
Text des Nizäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses
und die eine, heilige, katholische2 und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
1Der griechische Originaltext hat durchgängig die Mehrzahl. In der lateinischen Fassung, wie sie sich im Westen eingebürgert hat, steht durchgängig die Einzahl ("Ich glaube..."). Dies deswegen, weil das Bekenntnis im Westen als Taufbekenntnis des Einzelnen gebräuchlich war, während es im griechischen Original als verbindendes Bekenntnis der ganzen Kirche konzipiert ist.
2"Katholisch" ist hier nicht in einem konfessionellen Sinn gemeint, sondern im Sinne von "die umfassende, allgemeine, dem gemeinsamen Glauben gemässe Kirche". Aus diesem Grund übersetzen Kirchen reformatorischer Tradition an dieser Stelle oft "die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche".
Lateinisch
Credo in unum Deum,
Patrem omnipotentem, factorem caeli et terrae,
visibilium omnium et invisibilium.
Et in unum Dominum Iesum Christum,
Filium Dei unigenitum,
et ex Patre natum ante omnia saecula.
Deum de Deo, Lumen de Lumine, Deum verum de Deo vero,
genitum non factum, consubstantialem Patri;
per quem omnia facta sunt.
Qui propter nos homines et propter nostram salutem descendit de caelis.
Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine, et homo factus est.
Crucifixus etiam pro nobis sub Pontio Pilato,
passus et sepultus est,
et resurrexit tertia die, secundum Scripturas,
et ascendit in caelum, sedet ad dexteram Patris.
Et iterum venturus est cum gloria,
iudicare vivos et mortuos,
cuius regni non erit finis.
Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem,
qui ex Patre procedit.
Qui cum Patre et Filio simul adoratur et conglorificatur:
qui locutus est per prophetas.
Et unam, sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam.
Confiteor unum baptisma in remissionem peccatorum.
Et expecto resurrectionem mortuorum, et vitam venturi saeculi. Amen.
Griechisch
Πιστευομεν εις ενα Θεον, Πατερα, παντοκρατορα,
ποιητην ουρανου και γης, ορατων τε παντων και αορατων.
Και εις ενα Κυριον Ιησουν Χριστον,
τον Υιον του Θεου, τον μονογενη,
τον εκ του Πατρος γεννεθεντα προ παντων των αιωνων.
φως εκ φωτος, Θεον αληθινον εκ Θεου αληθινου,
γεννεθεντα ου ποιεθεντα, ομοουσιον τω Πατρι,
δι ου τα παντα εγενετο.
τον δι ημας τους ανθροπους και δια την ημετερας σωτηριαν
κατελθοντα εκ των ουρανων
και σαρκωθεντα εκ Πνευματος Αγιου και Μαριαν της Παρθηνου
και ενανθροπησαντα.
σταυρωθεντα τε υπερ ημων επι Ποντιου Πιλατου
και πανθοντα και ταφεντα.
και ανασταντα τη τριτη ημερα κατα τας Γραφας.
και παλιν ερχομηνον μετα δοξης κριναι ζωντας και νεκρους
ου της Βασιλειας ουκ εσται τελος.
Και εις το Πνευμα το Αγιον, το Ζωονποιον,
το εκ του Πατρος εκπορευομενον,
το συν Πατρι και Υιω συμπροσκυνουμενον και συνδοξαζομενον,
το λαλησαν δια των Προφητων.
εις μιαν, αγιαν, καθολικην και αποστολικην Εκκλησιαν.
ομολογουμεν εν βαπτισμα εις αφεσιν αμαρτιων.
προσδοκωμεν αναστασιν νεκρων, και ζωην του μελλοντος αιωνος.
Josef Wohlmuth (Hrsg.): Dekrete der ökumenischen Konzilien (Concilium Oecumenicum Decreta). Band 1: Konzilien des ersten Jahrtausends: vom Konzil von Nizäa (325) bis zum Vierten Konzil von Konstantinopel (869/870). 2., durchges. Aufl. Paderborn 1998 ISBN_3-506-79806-5 (Dokumente im Wortlaut)
Reinhard Staats: Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Historische und theologische Grundlagen. Darmstadt (Wiss. Buchges.) 1996 ISBN_3-534-01840-0
J.N.D. Kelly: Early Christian Creeds, 3rd edition, 1972, ISBN_058249219X
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