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Neuwied

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Neuwied ist eine große kreisangehörige Stadt und Kreisstadt des Landkreises Neuwied im Norden von Rheinland-Pfalz, etwa 15 km nördlich von Koblenz.



Inhaltsverzeichnis


1 Geographie

2 Geschichte

  2.1 Vorgeschichte und Römerzeit

  2.2 Das Stadtgebiet im Mittelalter

  2.3 Die Stadtgründung

  2.4 Toleranz, Aufklärung und Industrialisierung

      2.5 19. und 20. Jahrhundert

3 Politik

4 Persönlichkeiten

5 Sehenswürdigkeiten

6 Wirtschaft

7 Stadtteile

8 Literatur

9 Weblinks


Geographie

Neuwied liegt am rechten Ufer des Rheins, am Fuß des Westerwalds, in Höhe der Mündung des Flusses Wied.


Im Gegensatz zu den sonst schmalen Tälern des Mittelrheins weichen die Berghänge im Neuwieder Becken einige Kilometer zurück. Das Gebiet der Stadt Neuwied umfasst heute etwa die rechtsrheinische Hälfte des Beckens von der Saynmündung stromabwärts, sowie die ersten Höhenlinien des Westerwalds.


Das Gebiet der Innenstadt ist Teil eines alten Nebenarmes des Rheins, und in höchstem Maße hochwassergefährdet. Im schwersten Hochwasser (1784) stand das Wasser über 4 m hoch in den Straßen. Nach drei schweren Hochwassern 1920, 1924 und 1925/1926 begannen Planungen für einen Deichbau, der den gesamten alten Rheinarm absperren sollte. Bereits 1931 wurde dieser Deich fertiggestellt.


Geschichte

Als barocke Neugründung ist Neuwied im Vergleich zu anderen rheinischen Städten relativ jung, aber sie steht auf geschichtsträchtigem Boden.


Vorgeschichte und Römerzeit

Der älteste Nachweis menschlicher Besiedlung auf dem Gebiet der heutigen Stadt Neuwied ist ein eiszeitliches Jägerlager, das bei Grabungen im Stadtteil Feldkirchen entdeckt und auf das 10. Jahrtausend v. Chr. datiert wurde.


Spätestens seit keltischer und römischer Zeit war das Gebiet permanent besiedelt. Bodenfunde weisen darauf hin, dass Julius Cäsar seinen zweiten Rheinübergang, den er in De Bello Gallico erwähnt, um 55 v. Chr. mit Hilfe einer Pionierbrücke ausführte, deren rechtsrheinischer Brückenkopf auf Neuwieder Gebiet lag. Vom 1. bis zum 3. Jahrhundert bestanden römische Kastelle, die der Sicherung des römisch-germanischen Limes dienten, welcher, den Rheinhöhen folgend, durch das heutige Stadtgebiet verlief. Nach der Rückverlegung der Grenze an den Rhein im Jahr 260 bestand im Stadtteil Engers ein kleines Kastell, das der römischen Rheinflotte als Stützpunkt diente.


Das Stadtgebiet im Mittelalter

Nach dem Abzug der römischen Legionen wurde das Stadtgebiet ab dem 5. Jahrhundert Teil des fränkischen Machtbereichs. Einige Stadtteile Neuwieds sind bereits 773 urkundlich erwähnt. Die Dokumente aus dem 8. Jahrhundert ordnen das Stadtgebiet dem Engersgau zu. Die Gaugrafen nannten sich ab 1129 Grafen von Wied. Später zerfiel der Engersgau. Nach dem Aussterben der ersten Grafen von Wied 1244 und der darauf folgenden Zersplitterung brachte Graf Wilhelm von Isenburg-Braunsberg (später Wied) das spätere Stadtgebiet unter seine Kontrolle. Engers erhielt 1357 Stadtrecht, fiel aber nach kriegerischen Auseinandersetzungen an Kurtrier. Residenz der Grafschaft Wied war die Burg Altwied.


Die Stadtgründung

Die Grafschaft war im Dreißigjährigen Krieg weitgehend verarmt. Von der Teilhabe am Rheinhandel versprach sich Graf Friedrich III. zu Wied 1646 wirtschaftliche Impulse. Daher ließ er an der schmalen, wegen häufiger Überschwemmungen eigentlich ungünstig gelegenen Rheinfront seiner Grafschaft, an der Stelle des zerstörten Weilers Langendorf eine kleine Befestigungsanlage errichten. Für das Haus Newen Wiedt und für die kleine Siedlung, die es umgab, erwirkte er 1653 die Verleihung der Stadtrechte von Kaiser Ferdinand III. Dieses Jahr gilt als Gründungsdatum der Stadt Neuwied. Der Graf verlegte seine Residenz hierher, die aber 1694 während des Pfälzischen Erbfolgekriegs von französischen Truppen zerstört wurde. 1706 wurde mit dem Bau der heutigen dreiflügeligen Schlossanlage begonnen.


Toleranz, Aufklärung und Industrialisierung

Um mehr Bewohner in die nur langsam wachsende Stadt zu locken, verlieh ihr der Graf 1662 ein Stadtrechtsprivileg, das den Einwohnern von Neuwied zahlreiche Freiheiten garantierte, darunter das Recht der Magistratswahl, der niederen Gerichtsbarkeit, der Steuererhebung der Freiheit von Frondiensten und - außergewöhnlich für die damalige Zeit - das Recht auf weitgehende Religionsfreiheit.


Insbesondere die Politik religiöser Toleranz, die auch von den Nachfolgern Friedrichs III. beibehalten wurde, lockte zahlreiche Zuwanderer in die junge Stadt, und sie machte Neuwied im 17. und 18. Jahrhundert zu einer Besonderheit unter den deutschen Städten. In der religiösen Freistatt war der reichsrechtliche Grundsatz "cuius regio eius religio", nach welcher allein der Landesherr das religiöse Bekenntnis seiner Untertanen bestimmte, weitgehend außer Kraft gesetzt. Unter dem Grafen Johann Friedrich Alexander - seit 1784 in den Reichsfürstenstand erhoben und einer der Vetrteter des Aufgeklärten Absolutismus - lebten im 18. Jahrhundert Angehörige von sieben verschiedenen Religionsgemeinschaften in Neuwied: Calvinisten (denen auch das Grafenhaus angehörte), Lutheraner, Katholiken, Mennoniten, Inspirierte (auch Separatisten genannte Freikirchler), Herrnhuter und Juden.


Die an anderen Orten verfolgten Zuwanderer brachten vielfach neue Gewerbezweige und Fertigkeiten mit, die Neuwied eine wirtschaftliche Blüte bescherten und zu einer vergleichsweise frühen Industrialisierung verhalfen. Die Möbel aus der Manufaktur der Herrnhuter Abraham und David Röntgen oder die kunstvollen Uhren von Peter Kinzing waren an den Fürstenhöfen ganz Europas gefragt. Das von Graf Johann Friedrich Alexander 1738 gegründete Hüttenwerk Rasselstein - seit 1784 im Besitz des Unternehmers Wilhelm Remy - entwickelte sich zu einer der führenden deutschen Stahl- und Walzwerke. Dort wurden unter anderem die Schienen für die erste deutsche Eisenbahnstrecke Nürnberg-Fürth hergestellt.



19. und 20. Jahrhundert

Das Ende der Stadt als wiedische Residenz kam mit den Revolutionskriegen: In der Schlacht von Neuwied, die auf dem Arc de Triomphe in Paris vermerkt ist, errangen 1797 französische Revolutionstruppen unter General Lazare Hoche gegen die österreichische Armee, den ersten größeren Sieg in den Koalitionskriegen.


Im Zuge der Säkularisation und der Mediatisierung nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 fiel zunächst der kurtrierische Teil des heutigen Stadtgebiets und 1806 auch das wiedische Gebiet und dessen Residenzstadt an Nassau. 1815 wurde das gesamte Stadtgebiet Preußen zugeschlagen. Neuwied wurde Verwaltungssitz des gleichnamigen preußischen Landkreises innerhalb der Rheinprovinz; die Grafen übten aber noch bis 1848 Rechte als Standesherren aus. Im 19. Jahrhundert war Neuwied nicht nur als Industriestandort sondern auch als Schulstadt mit angesehenen Erziehungsanstalten von überregionaler Bedeutung. Seit 1870 hatte Neuwied Anschluss an die rechtsrheinische Eisenbahnlinie.


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfuhr die Stadt eine deutliche Vergrößerung, als 1904 die Nachbargemeinde Heddesdorf eingemeindet wurde. Deren früherer Bürgermeister Friedrich Wilhelm Raiffeisen hatte zu den Begründern des deutschen Genossenschaftswesens gehört. Um Neuwied vor den fast alljährlichen Hochwasserkatstrophen zu schützen, wurde von 1928-1931 ein 7,5 Kilometer langer Deich angelegt, dessen Bau auch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme während der Weltwirtschaftskrise diente. 1935 folgte der Bau der ersten Brücke, die Neuwied mit dem linken Rheinufer bei Weißenthurm Verband. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden zahlreiche Angehörige der jüdischen Gemeinde deportiert und ermordet und Anhänger der in Neuwied traditionell stark vertretenen Freikirchen verfolgt. Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt zu 18 Prozent von Bomben zerstört.


Seit 1946 gehören die Stadt und der Landkreis Neuwied zum Land Rheinland-Pfalz. In der Nachkriegszeit gewann Neuwied seine Bedeutung als mittlerer Industriestandort zurück. Die Stadt verfügt heute über ausgedehnte Gewerbegebiete mit guter Verkehrsanbindung, unter anderem über einen Rheinhafen. Im Jahr 1969 wurden die Nachbarorte Irlich und Rodenbach eingemeindet, 1970 Engers, Heimbach-Weis, Gladbach, Oberbieber, Niederbieber-Segendorf, Altwied und Feldkirchen.


Politik

  • Oberbürgermeister Nikolaus Roth, SPD
  • Bürgermeister Reiner Kilgen, CDU
  • Stadtrat: 17 SPD, 22 CDU, 4 FWG 2 FDP, 3 Grüne


Persönlichkeiten



Sehenswürdigkeiten

  • Schloss Neuwied und Schlosspark
  • Schloss Monrepos (Museum für die Archäologie des Eiszeitalters)
  • Schloss Engers (Villa Musica)
  • Burgruine Altwied http://www.altwied.de
  • Herrnhuterviertel und Betsaal der Brüdergemeine
  • Alte Mennonitenkirche (heute Kunstgalerie)
  • Ruine der Kreuzkirche
  • Feldkirche
  • Ehemalige Prämonstratenserabtei Rommersdorf
  • Kreismuseum (unter anderem Möbel von Abraham und David Roentgen)
  • Hochwasserschutzdeich
  • Raiffeisenbrücke
  • Zoo Heimbach-Weis


Wirtschaft

Neuwied ist eine industriell geprägte Stadt.


Die herausragende Stellung der Baustoffindustrie des 20. Jahrhundert (Abbau von Bimsstein, Zementherstellung) ist zurückgegangen. Metallverarbeitung, Maschinenbau und Anlagenbau, Druckindustrie,


Verbandmittelherstellung und Chemie haben die größten Anteile.


Handel und Dienstleistungsangebote entsprechen der Stadtgröße (Banken, Groß- und Einzelhandel, Transportdienstleitungen, 2 Krankenhäuser).


Stadtteile

Neben der Innenstadt besteht Neuwied aus den Stadtteilen Altwied, Block, Engers, Feldkirchen, Gladbach, Heddesdorf, Heimbach-Weis, Irlich, Niederbieber-Segendorf, Oberbieber, Rodenbach und Torney.


Literatur

  • Kurt Becker unter anderem , Heimatchronik des Kreises Neuwied, Köln 1966
  • Stadtverwaltung Neuwied (Hg.), 300 Jahre Neuwied. Ein Stadt- und Heimatbuch, Neuwied 1953
  • Wilfried Ströhm, Die Herrnhuter Brüdergemeine im städtischen Gefüge von Neuwied, Boppard 1988


Weblinks



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