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Natur

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Der Begriff Natur (lat.: natura, von nasci = entstehen, geboren werden) wird in verschiedenen Gesellschaften und oft auch innerhalb einer Gesellschaft unterschiedlich und teilweise widersprüchlich verwendet. Natur ist nicht leicht zu definieren.


Inhaltsverzeichnis


1 Natur als Gegenbegriff zur Kultur

2 Probleme der Definition von "Natur"

3 Natur als Nutzgegenstand

4 Integratives Naturverständnis

5 Natur in der Wissenschaft

6 Literatur

7 Weblinks


Natur als Gegenbegriff zur Kultur

Unter Natur wird heute in westlichen Kulturkreisen im Allgemeinen das bezeichnet, was nicht vom Menschen geschaffen wurde. Natur ist bei dieser vorherrschenden Auffassung das Gegenteil von Kultur.


Objekte der Natur sind nach dieser Auffassung z. B. Steine, Pflanzen, Tiere, Landschaft - ob der Mensch selbst zur Natur gehört oder nicht, ist bereits nicht mehr gesellschaftlicher Konsens. Man unterscheidet dabei zwischen belebter Natur (z. B. Tier, Pflanze) und unbelebter Natur, wie z. B. Steine.


Naturereignisse, Naturerscheinungen sind z. B. Regen oder Gewitter. Das auch diese Ereignisse längst nicht mehr von der Kultur des Menschen unbeeinflusst sind, ist oft unbekannt und passt nicht mehr in diese tradierte Auffassung. Der menschliche Umgang mit der Natur wird immer öfter zum Gegenstand für eine Kritik an der Kultur, an Gesellschaftssystemen oder Regierungen.


Ereignisse, die der Mensch nicht in den Griff bekommt, wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, und ähnliches, sind im menschlichen Maßstab Katastrophen und erzeugen Angst. Die Forderung nach der Beeinflussung der Natur zum Schutz vor diesen Naturgefahren steht im Gegensatz zu dieser Kulturkritik.


In unserem Sprachgebrauch vorhandene Wendungen wie "natürlich" (selbstverständlich) oder "in der Natur der Sache" deutet auf eine noch viel tiefere Bedeutung der Natur hin.


Probleme der Definition von "Natur"

Als philosophischer Begriff (siehe Philosophie und Naturphilosophie) ist das, was natürlich (der Natur entstammend) und was nicht natürlich ist, vom Verhältnis der Menschen zu ihrer Umwelt geprägt. In diesem Zusammenhang steht "Umwelt" für das "Nicht-Ich", das außerhalb des Ego des Menschen ist.


Der Begriff Natur ist nicht wertfrei, so wird von auch Naturkatastrophen, Naturgefahren, oder ähnlichem, gesprochen. Natur wird in das Verhältnis (in Relation) zum Leben des Menschen gebracht und bewertet. Diese Verhältnis ist vor allem durch emotional, ästhetisch und religiös wertende, normative Einstellungen bestimmt (Oldemeyer 1983).


Natur als Nutzgegenstand

Nach bzw. neben dem anthropomorphen Naturverhältnis der Frühzeit, und dem biomorphen Verhältnis der Antike und des fernen Ostens, bildete sich durch die alttestamentarische Überlieferung im mittelalterlichen Europa das technomorphe Naturverhältnis. Es gab dem Menschen gleichzeitig Beherrschungs- und Bewahrungsauftrag. Die Natur außerhalb der Städte erzeugte eher Angst.


In der Aufklärung wurde die Natur dann vollständig dem Menschen zu seinen Zwecken nutzbar untergeordnet. Diese technisch-utilitäre Einstellung wurde in der Romantik als Pervertierung des "Naturzustandes" aufgefasst und Natur sentimental gesehen, ohne jedoch die Trennung zwischen Mensch und "göttlicher Natur"(Hölderlin, 1799) zu überwinden. Es manifestierte sich ein Verhältnis, das Natur als Gegenbegriff zur menschlichen Kultur und als ein sich selbstdefinierender, untermenschlicher Gegenstand menschlicher Nutzung sah und teilweise noch sieht, und zwar als Grundlage und Rechtfertigung für eine hemmungslose Ausbeutung ohne normative Beschränkungen (Oldemeyer, 1983).


Integratives Naturverständnis

Erst gegen Ende des 19. Jh. wurde maßgeblich durch die Ökologie und Kybernetik die Natur als selbst-regulatorisches System begriffen. Es entstand das "Wir-Welt-Verhältnis" (Oldemeyer, 1983).


Mit der Popularisierung der Ökosystemforschung gewinnen seit den 80er Jahren des 20.Jh. mehr Menschen in den Industriestaaten die Einsicht, dass Natur nicht als Ganzes zu begreifen ist, sondern nur als ein offenes System, dessen Teil auch der Mensch mit seiner Kultur ist (integratives Verhältnis) (Oldemeyer, 1983).


Abgeleitet davon hieße z. B. die Stadt als Kulturleistung des Menschen als "zweite Natur" anzuerkennen. Die Stadt als Habitat (Lebensraum) des Menschen, die wir uns zunehmend lebensunwerter gestalten und damit einen Bedarf nach einem diffusen Ideal von "wilder" oder "unberührter" Natur, nach Erholung erzeugen. Dabei wird schlicht übersehen, dass auch vom Menschen stark überformte Bereiche ("schützenswerte") Natur beinhalten. Diese integrative Naturauffassung schlägt sich aber in Fachkreisen, z. B. im Naturschutz, in der Ökologie, Stadtökologie etc., bereits nieder.


Ludwig Klages bezeichnet als "zweite Natur" die rational durchformte, bzw. geistdurchsetzte Landschaft.


Natur in der Wissenschaft

Als Natur im wissenschaftlichen Sinne bezeichnet man alles was existiert und sich der Beobachtung bzw. Wahrnehmung nicht entzieht.


Literatur

  • Großklaus, Götz; Oldemeyer, Ernst; (Hrsg.) 1983: Natur als Gegenwelt - Beiträge zur Kulturgeschichte der Natur. Loeper Verlag GmbH, Karlsruhe.
  • Hölderlin, F. 1799: Zitiert in: Oldemeyer; 1983.


Weblinks



Siehe auch: Naturwissenschaften, Naturphilosophie, Leben, Naturgesetz, Naturgeschichte, Evolution, Gaia-Hypothese


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