Für Transportprozesse durch biologische Membranen, die gegen einen Konzentrationsgradienten erfolgen, muss Energie bereitgestellt werden. Diese wird entweder durch ATP-Verbrauch, oder durch Abbau eines anderen Konzentrationsgradienten erreicht ("aktiver Transport").
Das Phänomen des ATP-getriebenen Transports ist für den Na+/K+ Transport durch die Plasmamembran am besten untersucht. Beide Kationen sind in tierischen Zellen ungleich verteilt:
die Na+-Konzentration im Inneren ist gering
die K+-Konzentration im Inneren ist hoch
Dieser lebenswichtige Konzentrationsgradient wird einerseits durch "Kalium-Sickerkanäle" bewirkt (siehe Blutzucker-Sensorsystem), andererseits durch die "elektrogene Natrium-Kalium-Pumpe" (auch "Na+/K+-ATPase" genannt). Diese besteht aus zwei Polypeptiden, d.h. einer α-und einer β-Untereinheit (die jeweils zweifach vorhanden sind).
ATP-Hydrolyse und Na+/K+-Transport sind strikt gekoppelt (elektrogenes Prinzip):
Je Molekül ATP werden drei Na-Ionen nach innen und zwei K-Ionen nach außen befördert
für den Pumpmechanismus sind Konformationsänderungen erforderlich, die durch Phosphorylierung eines Aspartat (Asp-) Restes der α-Untereinheit erzeugt werden
bei diesem Vorgang werden zunächst drei Na-Ionen eingeschlossen;
deren Abgabe nach innen erfolgt im Austausch gegen zwei K-Ionen, deren Bindung eine Phosphatase aktiviert, die den Asp-Rest wieder dephosphoryliert.
Abbildung: Wirkungsprinzip der Natrium-Kalium-Pumpe (Na+/K+-ATPase).
Gezeigt ist eine Funktionseinheit, bestehend aus einer α- und einer β-Kette. Der Phosphorylierungs-Dephosphorylierungszyklus eines Aspartat-Restes, d.h. die trereibende Kraft des Pumpvorganges, ist schematisch ausgeführt; dieser Vorgang kann durch Vanadat blockiert und damit nachgewiesen werden. Der im oberen Abschnitt gezeigte Calcium-Transporter (Na+/Ca++-Antiporter) benutzt die Energie des ATP indirekt, indem er einen bestehenden Na+-Gradienten abbaut. Digitalis-Derivate blockieren die (Na+/K+-ATPase), lähmen damit die gesamte Wirkungskette und lassen den intrazellulären Ca++-Spiegel ansteigen.
Wirkung der Herzglykoside
Glykoside der Digitalis-Gruppe (Digitoxin und Digitoxigenin - letzteres ist streng genommen kein Glykosid) und der Gruppe der Hundsgiftgewächse (Strophantin bzw. Oubain) blockieren die K+-Konformation der ATPase, noch im phosphorylierten Zustand. Damit hemmen sie den Ionentransport.
Indirekt steigt hierduch die Konzentration an intrazellulärem Ca++ und damit die Kontraktion des Herzmuskels, denn:
der Transport des "Außen-Ions" Ca++ hängt nach dem Antiport-Prinzip vom Na+-Konzentrationsgradienten ab
ist dieser verringert, verbleibt Ca++ in zunehmendem Maße in der Muskelzelle, wobei sich deren Kontraktion verstärkt.
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