Morphin (C17H19NO3) ist ein Alkaloid, das natürlicherweise im Opium vorkommt (Opiat). Es wirkt als Opioid und wird in der Medizin als das stärkste bekannte natürliche Schmerzmittel (Analgetikum) eingesetzt
Morphin wird aus Opium, d.h. aus dem getrockneten Milchsaft des Schlafmohns (Papaver somniferum), gewonnen. Es wird aus Phenylalanin und 4-Hydroxyphenylacetaldehyd synthetisiert. Dabei ist Norcoclaurin ein wichtiges Zwischenprodukt. Über Reticulin werden dann die Morphinan-Alkaloide gebildet, zu denen das Morphin gehört.
Anwendung
Morphin wird zur Behandlung von starken und stärksten Schmerzen verwendet. Als Darreichungsformen gibt es Retardkapseln und -tabletten, Tropfen sowie Injektionslösungen.
Im Vergleich zu anderen Ländern wird in Deutschland wenig Morphin verschrieben.
Zum Beispiel ist die verordnete Gesamtenge für Tumorpatienten in Dänemark siebenmal höher. Schätzungen zufolge könnten in Deutschland bis zu einer Million Menschen auf die Gabe von Opiaten angewiesen sein. Die 1996 verschriebene Menge an entsprechenden Medikamenten gewährleistete eine Behandlung von höchstens 150 000 Patienten.
Der Grund hierfür kann sowohl in der nach heutiger Lehrmeinung unbegründeten Angst vor starken Nebenwirkungen, als auch im bürokratischen Verschreibungsverfahren, das speziell zu beantragende, so genannte BtM-Rezeptformulare erfordert, liegen. Umfragen Ende der 90er Jahre haben gezeigt, dass lediglich ein Drittel der niedergelassenen Allgemeinmediziner über die notwendigen BtM-Formulare verfügt, bei den Chirurgen waren es sogar nur 10%.
Pharmakologie
Vermutlich greift Morphin direkt am Zentralen Nervensystem (ZNS) an. Es lagert sich reversibel an spezielle Rezeptoren, die sog. Opiatrezeptoren, an und blockiert diese. Dadurch wird die Schmerzweiterleitung verhindert und das Schmerzempfinden des Patienten gesenkt.
Weitere Wirkungen von Morphin, die teilweise unerwünscht sind (Nebenwirkungen), sind Suchtgefahr, Atemdepression, Verstopfung, Störungen des Bewusstseins (Halluzinationen, Dysphorie) und Abfall des Blutdrucks. Daneben unterdrückt Morphin den Hustenreiz (antitussive Wirkung). Zu Beginn der Therapie kommt es zu Übelkeit und Erbrechen, da Morphin direkt auf das Brechzentrum im Hirnstamm wirkt. Nach einiger Zeit lässt diese Nebenwirkung allerdings nach, da Morphin schließlich das Brechzentrum selbst lähmt.
Bei Patienten mit starken Schmerzen treten die meisten dieser Probleme in den Hintergrund, da der Schmerzreiz die Atmung stimuliert und so die eigentlich tödliche Atemlähmung praktisch nicht eintritt. Moderne Retardprärparate, die für konstante Wirkspiegel im Blut sorgen, minimieren die Suchtgefahr, die bei Patienten mit infauster Prognose ohnehin keine Rolle spielt.
Vergiftung
Sollte eine Morphinvergiftung vorliegen, kann man diese durch Gabe von Naloxon behandeln. Naloxon verdrängt Morphin von den Opiatrezeptoren und hebt dadurch die Wirkung auf. Dabei sollte vorsichtig dosiert werden. Wird zu viel Naloxon verabreicht, kann der Konsument von der Überdosis direkt in den Entzug übergehen.
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