Ihr entgegen stand die konfessionelle Frage. Der Kaiser und der katholische Glauben standen gegen die Reformation, zu der Moritz und Johann Friedrich der Großmütige als Protestanten gehörten. Als typischer Renaissance-Fürst stellte Moritz das aber zugunsten realer Machtfragen hinten an.
Kaiser Karl V. beauftragte Moritz mit der Ausführung der Reichsacht gegen seinen Vetter in Kursachsen und gegen seinen Schwiegervater in Hessen. Moritz zauderte so lange es ging. Aber als der Bruder des Kaisers Ferdinand I. selbst einen Feldzug gegen Kursachsen beginnen wollte, musste er ihm zuvorkommen, um gegenüber den Habsburgern nicht die Initiative in seinen eigenen Ländern zu verlieren.
Er besetzte fast kampflos Kursachsen, sicherte dort Religionsfreiheit zu und musste vor Johann Friedrich wieder nach Böhmen zurückweichen. Dann griffen der Kaiser Karl V., sein Bruder Ferdinand und der Herzog Alba selbst ein. Sie und Moritz entschieden die Schlacht bei Mühlberg1547 für sich. Der Gewinn des Sieges bestand für Moritz aus der Kurfürstenwürde, dem größeren Teil der ernestinischen Lande und dem ernestinischen Anteil am sächsischen Silberbergbau im Erzgebirge.
Nun verschlechterte sich das Verhältnis zum Kaiser, der eine genauso undeutsche wie unrealistische Politik betrieb. Die kaiserliche Macht stützte sich in Deutschland nicht nur auf das Geld der Fugger und seinen Bruder Ferdinand, sondern auch auf verhaßte spanische Truppen unter Alba, spanische Räte und den katholischen Glauben, der großen Teilen des Volkes fremd geworden war.
Zudem nahm er Moritz Schwiegervater Philipp von Hessen in Haft, für dessen freies Geleit sich Moritz verbürgt hatte. Nach deutschem Rechtsempfinden übertrat er seine Kompetenzen gegenüber den Fürsten, was der Augsburger Reichstag1548 und die Haft der beiden Führer des Schmalkaldischen Bundes jedem Beteiligten deutlich vor Augen führte.
Die schwindende Unterstützung für den Kaiser erleichterte es dem sächsischen Kurfürsten die Seiten zu wechseln. Moritz bereitete also heimlich einen Kurswechsel vor, knüpfte sorgsam Kontakte zu anderen protestantischen Fürsten und zu Frankreich (Vertrag von Chambord mit König Heinrich II.1552).
Die Minimalforderungen der Fürstenallianz waren: 1) Beendigung der Verfolgung der Stände der Augsburgischen Konfession, 2) Beendigung der ungerechten Gefangenschaft des Hessener Landgrafen Phillip, 3) Änderung der Beschänkung der 'Freiheiten' der deutschen Nation.
Als er mit der Ausführung der Reichsacht gegen Magdeburg beauftragt wurde, sammelte er unter diesem Vorwand ein Heer gegen den Kaiser. Dann marschierte er damit überraschend nach Süddeutschland und zwang den völlig unvorbereiteten Karl V. zur eiligen Flucht. Ferdinand, der Bruder Karls verhielt sich neutral, so dass es mit ihm zum Passauer Vertrag1552, dem Vorgänger des Augsburger Religionsfriedens von 1555 kommen konnte.
Blieb noch Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach. Das war ein ehemaliger Verbündeter von Moritz, der den Passauer Vertrag nicht anerkannte, hauptsächlich aus eigenen Interessen, aber vielleicht auch als Werkzeug des Kaisers. Moritz gewann die Schlacht bei Sievershausen1553, fing sich aber eine Kugel ein. An dieser Verletzung ist er wenig später verstorben.
Moritz verbesserte das Steuer-, Berg-, Hütten- und Kriegswesen. Er reorganisierte die Verwaltung Kursachsens (Kanzlei- und Hofordnung von 1549). Moritz befestigte Dresden, Leipzig und Pirna, baute die evangelische Landeskirche aus und stiftete die Fürstenschulen Pforta, Meißen und Grimma als Erziehungsstätten des sächsischen Adels. Er beteiligte sich ferner an den Türkenkriegen.
Moritz hatte mit seiner Frau Agnes von Hessen einen Sohn, der im Säuglingsalter starb, und eine Tochter, die nicht erbberechtigt war. Deshalb folgte ihm in die sächsische Kurfürstenwürde sein Bruder August I. mit einer wesentlich friedlicheren Regierung.
Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen. 5 Bde. 1978-1998. Hrsg. v. der Historische Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.
Literatur
Georg Voigt, Moritz von Sachsen, Leipzig 1876.
Erich Brandenburg, Moritz von Sachsen, Bd. I, Leipzig 1899.
Wartenberg, Günther: Landesherrschaft und Reformation. Moritz von Sachsen und die albertinische Kirchenpolitik bis 1546. Weimar 1988.
Blaschke, Karlheinz: Moritz von Sachsen. Ein Reformationsfürst der zweiten Generation. Göttingen 1983.
Herrmann, Johannes: Moritz von Sachsen. Beucha 2003.
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