Modrow war 1989 / 1990 kurzfristig Regierungschef der DDR. Er ist Ehrenvorsitzender der PDS und Mitglied des Europaparlaments.
Biographie
Modrow wird 1928 als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren. Er absolviert von 1942 bis 1945 eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Von 1952 bis 1953 besucht er die Komsomol-Hochschule in Moskau. Von 1954 bis 1957 folgt ein Fernstudium an der Parteihochschule Karl Marx der SED, das Modrow als Diplomgesellschaftswissenschaftler abschließt. Von 1959 bis 1961 folgt ein Fernstudium an der Hochschule für Ökonomie Bruno Leuschner in Berlin, das zum Abschluss als Diplomwirtschaftler führt. 1966 promoviert Modrow an der Humboldt-Universität zu Berlin zum Dr. rer. oec.
1945 wird Modrow in den Volkssturm berufen und gerät in sowjetischeKriegsgefangenschaft. In der Sowjetunion besucht Modrow eine Antifa-Schule und kehrt 1949 nach Deutschland zurück. Dort tritt er der SED, der Freien Deutschen Jugend und dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund bei, Funktionär im Zentralrat der FDJ. Auch innerhalb der SED macht Modrow schnell Karriere: Ab 1954 ist er Mitglied der Bezirksleitung Berlin der SED. 1958 wird er Mitglied der Volkskammer. Im September 1961 wird er zum 1. Sekretär der SED-Kreisleitung Berlin-Köpenick gewählt. Danach 2. Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin. Im ZK der SED arbeitet er als Abteilungsleiter für Agitation von 1967 bis 1973. Von 1967-1989 ist er Mitglied des Zentralkomitees der SED und Mitglied des Politbüros. Von 1973 bis 1989 ist Modrow als Erster Sekretär der Bezirksleitung der SED in Dresden tätig.
In seiner Funktion als Vorsitzender der Bezirkseinsatzleitung hat er zumindest Mitverantwortung für die schweren Ausschreitungen der Sicherheitskräfte im Umfeld des Dresdner Hauptbahnhofes am 04.10.1989 beim Transit der Züge mit Botschaftsflüchtlingen aus Prag in die BRD.
Ab dem 08.10.1989 bemüht er sich zusammen mit dem Dresdner Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer um einen Dialog mit der oppositionellen "Gruppe der 20".
Modrow gilt innerhalb der SED als Reformer mit relativ großen Sympathien für Michail Gorbatschows Kurs der Perestroika in der Sowjetunion. Im November 1989 wird er Mitglied des Politbüros der SED und im Dezember stellvertretender Vorsitzender der SED/PDS. Am 13. November wird Modrow als Nachfolger Willi Stophs zum Ministerpräsident der DDR gewählt. Modrow versucht einen Dialog mit den DDR-Bürgerrechtlern aufzunehmen, um die DDR in ihrem Bestand zu erhalten. Am 5. Februar1990 nimmt er Vertreter des Zentralen Runden Tisches als Minister ohne Geschäftsbereich in die Regierung auf. Es entsteht die kurzlebige Regierung der nationalen Verantwortung.
Mit dem kurz vor dem Ende seiner Amtszeit verabschiedeten "Modrow-Gesetz" ist es DDR-Bürgern möglich, relativ preisgünstig das Grundstück zu ihren Häusern hinzuzukaufen, welches in der DDR oft aus rechtlichen Gründen als getrenntes Eigentum von der Immobilie behandelt wurde.
Ebenfalls 1990 wird Modrow Ehrenvorsitzender der PDS. Im Oktober 1990 wird Modrow als Abgeordneter der PDS Mitglied des Deutschen Bundestags.
1993 wurde er vom Landgericht Dresden wegen Anstiftung zur Wahlmanipulation zu einer Geldstrafe verurteilt.
1999 wird Modrow in das Europaparlament gewählt. Er sitzt dort im Ausschuss für Entwicklungshilfe.
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