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Modell

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Das Wort Modell entstand im Italien der Renaissance (modello, hervorgegangen aus modulo, dem Maßstab in der Architektur) und gehörte bis ins 18. Jahrhundert der Fachsprache der bildenden Künstler an. Um 1800 verdrängte Modell im Deutschen das ältere, direkt vom lateinischen modulus entlehnte Model (Muster, Form, z. B. Kuchenform), das noch im Verb ummodeln fortlebt.


Inhaltsverzeichnis


1 Wortbedeutungen

  1.1 Konkrete Modelle

    1.1.1 Kunst

    1.1.2 Versuchsmodell

    1.1.3 Modellbau

      1.1.3.1 Muster

  1.2 Abstrakte Modelle

    1.2.1 Definitionen

      1.2.1.1 Klassische Definiton

      1.2.1.2 Konstruktionsorientierte Definition

      1.2.1.3 Konstruktionsprozessorientierte Definition

  1.3 Modellarten

  1.4 Einzelne Wissenschaften

    1.4.1 Informatik und Telekommunikation

    1.4.2 Wirtschaftsinformatik

    1.4.3 Mathematische Logik

    1.4.4 Biologie


Wortbedeutungen

Konkrete Modelle

Kunst

Die primäre Wortbedeutung von Modell ist somit: ein der Nachahmung dienendes Vorbild. In Kunst und Kunstgewerbe ist ein Modell in der Regel eine Person (aber auch: ein Tier, ein Gegenstand), die dem Künstler (Maler, Bildhauer, Fotograf) "Modell steht" oder "sitzt". Da diese Tätigkeit zum Gelderwerb ausgeübt werden kann, ist Modell ein Beruf. Allerdings wird das Wort Modell, wenn ohne Erläuterung genannt, im Zweifel als Aktmodell, wenn nicht als Euphemismus für Prostituierte verstanden; zur Unterscheidung davon werden spezifischere Bezeichnungen wie insbesondere Fotomodell oder/und die englische Aussprache Model bevorzugt.


Versuchsmodell

In den Ingenieurwissenschaften versteht man unter einem Modell die Nachbildung eines technischen Erzeugnisses in verkleinertem Maßstab, jedoch nicht unbedingt mit denselben geometrischen Details wie die Großausführung, sondern mit denselben dimensionslosen Kennzahlen. Beispiel: als Modell eines Stahlrohres, das in tiefem Wasser verlegt wird und dabei durchhängt, kann ein dünner Blechstreifen dienen, der mit Plexiglas-Rohrstücken zusätzliche hydrodynamische Masse und mit Bleigewichten zusätzliches Gewicht bekommt, ohne die Biegesteifigkeit zu verfälschen. Versuchsmodelle dienen dem Zweck, daran Messungen durchzuführen und die Ergebnisse in die Großausführung umzurechnen, weshalb das Aussehen der Modelle irrelevant ist. Zum Einsatz kommen Modelle beispielsweise in Windkanälen und Schiffbau-Versuchsanstalten.


Modellbau

In seiner sekundären Wortbedeutung ist Modell umgekehrt, was durch Nachahmung eines - existierenden oder imaginierten - Vorbilds entsteht. In der Regel ist ein Modell dreidimensional und stellt das Vorbild ("Original") in verkleinertem Maßstab dar. Modellbau ist ein verbreitetes Hobby (Modelleisenbahn, Flugmodell, Modellauto, Schiffsmodell), dient aber auch beruflichen Zwecken (Architekturmodell, Geländemodell, Tonmodell zum Formenbau in Kunst und Industrie); in solchen Anwendungen geht das Modell dem erst noch zu schaffenden Original voraus.


Muster

Davon abgelöst hat sich die Wortbedeutung: Ausprägung eines industriellen Produktes (Auto, Kleidung,.._.) ("Modellreihe", "Modellpflege",.._.). Der früher gleichbedeutende Ausdruck Muster ist hier, wahrscheinlich unter dem Einfluss des Englischen, verdrängt worden und lebt nur noch in Termini wie Geschmacksmuster fort.


Abstrakte Modelle

Modellierung als Nachahmung eines Vorbilds muss nicht notwendig in dreidimensional-anfassbarer Gestalt geschehen, sondern kann auch als abstrakte gedankliche Operation erfolgen; hierauf beruht die weitverbreitete Verwendung des Begriffs Modell in den Wissenschaften und der Technik, insbesondere der Softwaretechnik. Siehe dazu die folgenden Abschnitte.


Definitionen

Heute unterscheidet man insbesondere drei Definitionen von Modell:


Klassische Definiton

In der klassischen Definition wird ein Modell als vereinfachtes Abbild der Realität angesehen.


Die Konsequenz daraus ist, dass als Qualitätsmaßstab eine Ähnlichkeit zwischen Modell und Realität angesetzt wird.


Konstruktionsorientierte Definition

Bei dieser Definition wird ein Modell als das Ergebnis einer Konstruktion eines Modellierers angesehen, der für Modellnutzer eine Repräsentation eines Originals zu einer Zeit als relevant mithilfe einer Sprache deklariert. Schütte, R. (1998)


Als Qualitätsmaßstäbe können hierbei Richtigkeit, Relevanz, Wirtschaftlichkeit, Klarheit, Vergleichbarkeit und ein systematischer Aufbau angesetzt werden.


Konstruktionsprozessorientierte Definition

Neuerdings verbreitet sich jedoch mehr und mehr eine Definition, die ein Modell schlicht als Objekt von Konstruktionsprozessen ansieht. Brocke, J. vom Als Qualitätsmaßstäbe dienen hier Wirtschaftlichkeit, Inhaltsadäquanz, Vergleichbarkeit, Darstellungsadäquanz und ein systematischer Aufbau.


Eine zusammenfassende allgemeine Definition des Begriffs Modell hat der Philosoph Klaus Dieter Wüsteneck in den 60er Jahren formuliert:


Ein Modell ist ein System, das als Repräsentant eines komplizierten Originals auf Grund mit diesem gemeinsamer, für eine bestimmte Aufgabe wesentlicher Eigenschaften von einem dritten System benutzt, ausgewählt oder geschaffen wird, um letzterem die Erfassung oder Beherrschung des Originals zu ermöglichen oder zu erleichtern, beziehungsweise um es zu ersetzen.


Modellarten

Häufig werden folgende Modellarten unterschieden:




Einzelne Wissenschaften

Gemeint sind in Wirtschafts- und Naturwissenschaften in der Regel mathematische Modelle von natürlichen Phänomenen. Siehe dazu Hauptartikel mathematisches Modell.


Der inflationäre Gebrauch des Wortes Modell in wissenschaftlichen Arbeiten kann als eine intellektuelle Mode angesehen werden. In medizinischen Publikationen ist es zum Beispiel gängige Praxis, nicht "fünfzig Mäuse", sondern "das Mausmodell" (bzw. ein beliebiges Tiermodell oder einen Modellorganismus) zu untersuchen; dieser Sprachgebrauch drückt die Hoffnung aus, an der Maus erzielte Ergebnisse auf andere Lebewesen, insbesondere den Menschen, übertragen zu können.


Auch in den Sozialwissenschaften wird der Begriff Modell gerne verwendet. Zum Beispiel wird ein Theoriegebäude zur Analyse und Planung von Unterricht als ein "didaktisches Modell" bezeichnet. Dieser modische Sprachgebrauch beruht wahrscheinlich auf der Analogie, die darin besteht, dass auch in der Entwicklung einer Handlungsanleitung die methodischen Schritte Formulierung, Erprobung, Validierung aufeinander folgen.


Informatik und Telekommunikation

In der Informatik bildet man Auszüge der Wirklichkeit in einem Datenmodell ab. Dieses Modell wird konzeptionelles Datenmodell genannt. Es ist frei von jeglicher Technik und daher geeignet, für die Kommunikation zwischen Entwicklern und Anwendern zu dienen. Weiter ist es die Grundlage für den Entwurf von Datenbanken.


Der datenbankspezifische Entwurf wird durch das so genannte logische Datenmodell beschrieben; die tatsächlich durchgeführte Implementation der Datenbank hingegen durch das physische Datenmodell.


Weitere Beispiele für Modelle sind in Informatik Schichtenmodelle wie zum Beispiel das OSI-Schichtenmodell in der Telekommunikationstechnik .


Wirtschaftsinformatik

Als Beschreibungsmittel für Prozesse dienen Prozessmodelle. In vielen Informationssystemen spielen Simulationen eine Rolle. Daher werden in der Wirtschaftsinformatik häufig Simulationsmodelle genutzt.


Mathematische Logik

In der mathematischen Modelltheorie geht es nicht um eine Abbildung der Wirklichkeit in Mathematik. Hier versteht man unter einem Modell eines Axiomensystems eine mit gewissen Strukturen versehene Menge, auf die die Axiome des Systems zutreffen. Die Existenz eines Modells beweist, dass sich die Axiome nicht widersprechen; existieren sowohl Modelle mit einer gewissen Eigenschaft als auch solche, die diese Eigenschaft nicht haben, so ist damit die logische Unabhängigkeit der Eigenschaft von den Axiomen bewiesen. Siehe auch: Formale Sprache.


Biologie

Siehe dazu den Artikel Modellorganismus.


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