Es gibt mehrere Theorien des Modell-Lernens, doch die meist verbreiteteste im deutschsprachigem Raum ist die sozial-kognitive Theorie von Albert Bandura (1963). Der Lernprozess nach Bandura verläuft in 4 Phasen, die sich in die zwei groben Phasen Aneignung und Ausführung einteilen lassen.
1. Aufmerksamkeitsprozesse: Der Lerner beobachtet die Person, nimmt typische Charakteristika der Modellperson auf, achtet auf Kompetenz, Autorität, Prestige, Erregung usw.
2. Gedächtnisprozesse: Der Lerner formt das Beobachtete in erinnerliche Schemata um, die er als Erinnerung wieder aktivieren kann.
2. Ausführungsphase
1. motorische Reproduktionsprozesse: Der Lerner erinnert sich und versucht die beobachteten, ihm opportun erscheinenden Verhalten zu reproduzieren. Je nach Kreativität ist er beschränkt oder umfassend in der Lage das beobachtete Schema der Situation anzupassen
2. Verstärkungs- und Motivationsprozesse: Der Lerner reflektiert seinen Erfolg mit seinen Erwartungen. War sein neues Verhalten erfolgreich, so wird er dieses anerkannte Verhalten durch Wiederholung perfektionieren. Bisher gewohntes Verhalten wird immer stärker verlernt. Ist seine Bilanz negativ und er meint, dass sein Verhalten keinen Erfolg zeigt, wird er das Gelernte wieder löschen und der beabsichtigte Lernerfolg stellt sich nicht ein.
Interessant im Vergleich zu behavoiristischen Lerntherorien - wie etwa von Skinner und Pawlow (siehe Konditionierung) - ist die Tatsache, dass die Motivation im zweiten Teil der Ausführungsphase hier nicht mehr zum Erlernen des neuen Verhaltens dient, sondern lediglich das Zeigen des neuen Verhaltens unterstützt. Das Lernen wird beim operanten Konditionieren im wesentlichen durch den Verstärker bestimmt, während hier nun die Erwartung auf einen Verstärker die Lernwirkung bedingt.
Bandura hat für seine Theorie folgende vier Thesen formuliert:
1. Gerlerntes wird nicht zwangsläufig unmittelbar gezeigt.
2. Durch Modellierungseffekte kann Gelerntes in späteren - vollkommen unterschiedlichen - Kontexten wieder auftauchen.
3. Auch eine Beschreibung reicht, um eine kognitive Repräsentation hervorzurufen - der Lerninhalt muss nicht gesehen werden.
4. Gelerntes kann auf andere Bereiche übertragen werden.
Das ein durch bewegte Bilder erschaffene Modell die gleiche Wirkung hat, wie das physisch vorhanden Modell (Live-Modell) beschreibt Edelmann. W. (1986 S. 245)
Die Vorteile von durch bewegte Bilder geschaffene Vorbilder sind:
die gespielte Person kann eher die gewünschten oder unerwünschten Verhalten zeigen als eine Live-Person
in die Aufbereitung der Szene kann ein Schema eingebaut werden, das dem Lerner das Merken erleichert
die küstlich geschaffenen Lebenswelten können emotional angereichert werden, damit sie länger nachwirken
Grewe-Partsch (1986) konnte bei Kindern nachweisen, dass Emotionen, die sie beim Betrachten eines Filmes hatten länger nachwirkten, als die Erinnerung an die im Film gezeigten Geschehnisse.
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