Von einem Mittelwellensender wird sowohl eine Bodenwelle, als auch eine Raumwelle ausgestrahlt. Die Bodenwelle breitet sich entlang der Erdoberfläche aus und hat eine Reichweite von ca. 300 km um den Sendemast.
Als Sendeantennen kommen heute meist gegen Erdeisolierteselbststrahlende Sendemasten zum Einsatz. Daneben werden auch an geerdeten Türmen oder Masten aufgehangene Vertikalreusen, zwischen zwei meist gegen Erde isolierten Türmen oder Masten gespannten T-Antennen oder Dipolantennen (für Steilstrahlung) und an geerdeten Türmen angebrachte Langdrahtantennen verwendet.
Früher wurden häufig in Holztürmen aufgehangene Drahtantennen verwendet.
In Zukunft könnte vielleicht die Cross-Field-Antenne weit verwendet werden, da sie eine wesentlich geringere Bauhöhe besitzt, als herkömmliche Sendeantennen für Mittelwelle. Allerdings ist noch nicht bewiesen, ob sie die gleiche Effektivität besitzt.
Die Raumwelle spielt eine besondere Rolle. Diese wird in die Atmosphäre ausgestrahlt und kann an der Ionosphäre zurück zur Erdoberfläche reflektiert werden. In den Tagesstunden weist die Ionosphäre keine guten Reflexionseigenschaften gegenüber Mittelwellensignalen auf. Das Signal wird gedämpft oder entweicht in den Weltraum. In den Nachtstunden, wenn keine Sonnenstrahlung auf die Ionosphäre einfällt, ist das Reflexionsverhalten sehr gut. Ähnlich wie Kurzwellensignale, werden auch Mittelwellensignale an der Ionosphäre reflektiert und zur Erdoberfläche zurückgestreut. Auf diese Weise erhält ein Mittelwellensignal eine deutlich höhere Reichweite von mehreren 1000 km. Daher kann nachts eine größere Anzahl an Mittelwellensendern empfangen werden, als tagsüber. So können in Europa während der Nachstunden sogar Mittelwellensender vom amerikanischen Kontinent empfangen werden.
Rundfunk auf Mittelwelle
Wegen der großen Reichweite und der geringen Anzahl der zur Verfügung stehenden Übertragungskanäle für Rundfunk im Mittelwellenbereich (121 Kanäle) wird jede Frequenz in diesem Bereich von mehreren Sendern belegt. Die Mittelwellenfrequenzen 1485 kHz, 1584 kHz und 1602 kHz sind nach dem Genfer Wellenplan als so genannte Gemeinschaftswellen für den Betrieb von Sendern geringer Leistung in ausreichenden gegenseitigen Abstand reserviert. Wegen der großen Reichweite der Raumwelle während der Nachtstunden müssen nach im Genfer Wellenplan festgelegten Regeln, um gegenseitige Störungen zu verringern, viele leistungsfähige Stationen ihre Sendeleistung drosseln und/oder mit einer Richtstrahlantenne arbeiten. Manche Stationen, wie Power612 in Kiel, müssen während der Nachtstunden ihren Betrieb ganz einstellen. Trotzdem treten auf vielen Kanälen im Mittelwellenbereich nachts häufig Interferenzen auf, d.h. auf einer Frequenz sind mehrere Sender zu hören, die sich gegenseitig stören. Mit einer richtungsempfindlichen Empfangsantenne, wie einer Ferrit- oder Rahmenantenne kann man durch Drehen der Antenne - oder im Fall ihres Festeinbaus im Gerät - Abhilfe schaffen, sofern beide Sender nicht auf einer Linie liegen.
Für Rundfunksendungen auf Mittelwelle wird der Frequenzbereich von 531 kHz bis 1611 kHz verwendet. Die Radiosender benutzen dieses Frequenzband in einem 9-kHz-Raster, das heißt für die Signalbreite um eine Sendefrequenz stehen 4500 Hz zur Verfügung. Auf dem amerikanischen Kontinent werden Frequenzen von 530 kHz bis 1700 kHz in einem 10-kHz-Raster für Rundfunksendungen verwendet.
Inzwischen versucht man mit der sich noch im Feldversuch befindlichen Digitalen Mittelwelle der minderen Tonqualität und der in Europa geringen Popularität gegenzusteuern. In manchen Ländern werden im Mittelwellenbereich auch Stereo-Sendungen nach dem AM-Stereo-Verfahren übertragen.
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