Die Milchleiste ist eine bei Säugetieren beiderlei Geschlechts anzutreffende streifenförmige Verdickung der Epidermis, die sich zu beiden Seiten des Stamms vom Ansatz der Vorderbeine zu jenem der Hinterbeine erstreckt.
Beim Menschen entsteht sie in der siebten Woche der embryonalen Entwicklung und bildet sich kurz danach mit Ausnahme eines kleinen Teils in der Brustregion wieder zurück. Das Epithel des verbliebenen Anteils sprosst in das darunter liegende Mesenchym ein und bildet 16 bis 24 Verzweigungen, die sich am Ende des intrauterinen Lebens in die Milchgänge umwandeln.
Erst nach der Geburt wird die Milchgrube, in die die Milchgänge zunächst münden, empor geheben, indem sich das darunter liegende Gewebe vermehrt und damit die Brustwarze bildet.
Fehlbildungen
Eine nur teilweise Rückbildung der Milchleiste kann zu zusätzlichen Brustwarzen führen. Dies wird in der medizinischen Fachsprache als Polythelie bezeichnet. Noch seltener bildet sich ein verbliebenes Restgewebe der Milchleiste zu einer vollständigen zusätzlichen Brustdrüse - einer mamma accessoria- aus. Dieses Erscheinungsbild wird als Polymastie bezeichnet.
Kommt es zu keiner Vermehrung des unter der Milchgrube gelegenen mesenchymalen Gewebes, entsteht ein Hohlwarze.
Die Milchleiste bei Tieren
Ähnliche Vorgänge führen bei Tieren zur Ausbildung von Eutern und Zitzen. Die Abfolge der Zitzen wird bei Kleinsäugern auch nach ihrer Geburt noch als Milchleiste bezeichnet.
Erkrankungen
Tumoren der Milchleiste gehören zu den am häufigsten beobachteten Neoplasien in der Kleintiermedizin. Speziell weibliche Hunde sind von diesem Phänomen betroffen. Anders als beim Menschen verhalten sich die gebildeten Tumoren in der Regel wenig aggressiv, obwohl sie häufig Mischformen aus gutartigen (benignen) und histologisch bösartigen (malignen) Geschwülsten sind. Die Bildung von Milchleistentumoren scheint bei der Hündin hormonabhängig zu sein. Vor der ersten Läufigkeit kastrierte Tiere haben ein wesentlich verringertes Risiko der Tumorbildung. Diese Frühkastration ist jedoch vom Standpunkt des Tierschutzes her umstritten. Bei Katzen ist die Aggressivität primärer Gesäugetumoren wesentlich höher und mit dem menschlichen Brustkrebs durchaus vergleichbar. Daneben treten Tumoren der Milchleiste auch bei anderen Kleinsäugern wie Ratten oder Hamstern auf.
Eine große wirtschaftliche Bedeutung haben entzündliche Veränderungen des Euters bei milchliefernden Tieren. Die zu ihrer Bekämpfung meist eingesetzten lokalen Euterpräparate sind im Regelfall antibiotikahaltig. Der Verbraucherschutz erfordert somit eine mehr oder weniger lange Wartezeit, bis die Milch des erkrankten Organs wieder in den Verkehr gebracht werden kann. Dieser Verdienstausfall kann für landwirtschaftliche Betriebe existenzbedrohend sein.
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