Gisela May wurde in Wetzlar als Tochter des Schriftstellers Ferdinand May und der Schauspielerin Käte May geboren.
Von 1942 bis 1944 absolvierte sie die Leipziger Schauspielschule.
Erste Engagements hatte sie in Dresden, Görlitz, Leipzig und Halle. Seit 1951 wirkte sie in Berlin, erst am Deutschen Theater, seit 1962 am Berliner Ensemble, dem sie über dreißig Jahre lang angehörte. Ab 1978 spielte sie bis zu ihrem Ausscheiden 1992BrechtsMutter Courage, der sie eine eigene Interpretation gab - vor ihr hatte "die Weigel" am Berliner Ensemble die Rolle verkörpert und damit Maßstäbe gesetzt. Neben Brechts Die Tage der Commune und Brecht/WeillsDie sieben Todsünden der Kleinbürger spielte sie unter anderem die Titelrollen in LessingsMinna von Barnhelm, Stewart/Herman Hallo Dolly!, ShawsFrau Warrens Gewerbe, die Mutter Wolfen in HauptmannsBiberpelz.
1957 erkannte Hanns Eisler bei einem Programm das besondere Talent der May für das Chanson und die Möglichkeiten ihrer Stimme, deren Kraft, Vielseitigkeit, Empfinden, Klugheit, Virtuosität, Eleganz und Schlichtheit Gisela May in den folgenden Jahren vervollkommnete.
In eigenen Programmen trägt sie Chansons, politische Songs und Gedichte vor. Sie gastierte in vielen Ländern Europas, in den USA und Australien: Aus vier Jahreszeiten (Bertolt Brecht), Kurt Tucholsky hasst - liebt, Hoppla wir leben (Hollaender, Mehring, Wedekind), Jacques-Brel-Abend, Erich Kästner, Hanns-Eisler-Abend
Sie war verheiratet mit dem Journalisten und Dokumentaristen Georg Friedrich Wolfgang Honigmann. Nach der Scheidung lebte sie mit Wolfgang Harich zusammen.
Ab 1963 war sie Präsident der Deutsch-italienischen Gesellschaft der DDR, ab 1972 Mitglied der Akademie der Künste.
1968 Günther Cwojdrak (Auswahl): Im Banne einer blassen Stunde . Trivialliteratur von Hedwig Courths-Mahler, Felix Dahn , Kurt Tucholsky u.a. (mit Gisela May, Else Grube-Deister, Fred Düren u.a.)
1969 Gisela May u. Wolf Kaiser: Irgendwer hat einmal gesagt... Anekdoten aus aller Welt. Von Plutarch, Kleist u.a.
1976 Die Mädchen von La Rochelle. Chansons aus dem alten Frankreich. Fania Fenelon, Ruth Hohmann, Gisela May, Vera Oelschlägel, Horst Jakob, Rolf Ludwig, Horst Schulze, Gerry Wolff.
2002MarLeni (mit Gisela Uhlen) - Hörspiel von Thea Dorn CD
Zitat
Was aber die May und ihre außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit, ihren Reichtum an Nuancen und Schattierungen betrifft, so wäre man wohl versucht,.. von einem Ensemble zu sprechen, selbst wenn es in diesem Falle (unser Glück!) nur aus einer Frau besteht - einer Frau, die freilich mehr zu bieten hat als sieben andere. (Lothar Kusche)
Autobiographie
Gisela May: Mit meinen Augen. Begegnungen und Impressionen. Berlin 1976: Buchverlag Der Morgen.
Gisela May: Es wechseln die Zeiten. Erinnerungen. Leipzig 2002: Militzke.
Literatur
Gabriele Baumgartner, Dieter Helbig (Hg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1945 bis 1990. Bd. 2. Maaßen - Zylla. Minden 1997: K. G. Saur.
Günter Gaus: Zur Person, Bd. 5: Gisela May, Harald Schmidt, Inge Keller, Heinz Berggruen, Johannes Mario Simmel, Egon Bahr, Klaus Schlesinger. Berlin 2001: edition ost im Verlag Das Neue Berlin.
Rosemarie Killius: Sei still, Kind! Adolf spricht. Gespräche mit Zeitzeuginnen. Leipzig 2000: Militzke.
Dieter Kranz: Gisela May. Schauspielerin und Diseuse. Der Weg zur Charakterdarstellerin. Bildbiografie. Berlin 1973, Henschel.
Joachim Reichow, Michael Hanisch: Filmschauspieler A-Z. Berlin 1989: Henschel.
Renate Seydel:... gelebt für alle Zeiten. Schauspieler über sich und andere. Berlin 1983.
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