Die Matura wird je nach Schultyp im 12. oder 13. Schuljahr abgelegt. Allgemeinbildende höhere Schulen (AHS) schließen im 12. Schuljahr ab; Berufsbildende höhere Schulen (BHS) im 13. Schuljahr.
Die Matura wird im Allgemeinen an der Schule abgenommen, die ein Maturant zuletzt besucht hat. Daneben gibt es auch die Möglichkeit einer Externistenmatura oder Berufsreifeprüfung für Personen, die keine Mittelschule besucht haben. Dabei wird die Prüfung nicht mit gleichen Aufgaben für alle Schüler eines Jahrgangs durchgeführt. Die Aufgaben für die Klausuren sind lediglich für eine Schulklasse einheitlich, diejenigen für die mündlichen Prüfungen unterscheiden sich von Prüfling zu Prüfling. Jeder Lehrer kann die Fragen nach den Schwerpunkten seines Unterrichts stellen. Die Matura steht somit im Gegensatz zum Zentralabitur in manchen deutschen Bundesländern oder dem französischen Baccalauréat. Zwar müssen die Prüfungsfragen beim Landesschulrat (in Wien: Stadtschulrat) oder Fachinspektor eingereicht werden, trotzdem kann die Matura von Schule zu Schule, und sogar innerhalb einer Schule von Klasse zu Klasse, ein anderes Niveau haben. Allerdings muss die Benotung der schriftlichen Prüfung vom Landesschulrat bestätigt werden, und die mündliche Prüfung findet öffentlich vor einer Kommission statt, in welcher unter anderem auch externe Mitglieder beteiligt sind - so etwa Professoren aus anderen Schulen.
Bei der mündlichen Prüfung müssen alle Prüflinge pro Fach ein Spezialgebiet wählen, aus welchem sie dann - neben der Kernstofffrage, die unvorhersehbar ist - eine Frage bekommen. Das Spezialgebiet kann von den Schülern in Absprache mit den Lehrern selbst gewählt werden und kann auch ein Thema sein, welches im Unterricht nicht oder nur am Rande behandelt wurde.
AHS Matura
In allgemeinbildenden höheren Schulen besteht die Matura aus 3-4 schriftlichen Klausurarbeiten zu je 4-5 Stunden und 3-4 mündlichen Prüfungen zu je 15 Minuten plus zusätzlicher Vorbereitungszeit. Die Klausuren werden meist im Laufe einer Woche im Mai abgelegt. Die mündlichen Prüfungen folgen etwa einen Monat später und sind für jeden Maturanten auf einen Halbtag verteilt. Im Rahmen der Matura haben Kandidaten die Möglichkeit, bis Anfang Februar eine Fachbereichsarbeit anzufertigen. Dies ist eine kurze wissenschaftliche Arbeit vergleichbar mit einer kurzen Seminararbeit. Wird die Fachbereichsarbeit angenommen, so reduziert sich die Anzahl der Prüfungen auf je 3 schriftliche Arbeiten und 3 mündliche Prüfungen.
Klausuren in Deutsch und Mathematik sowie in einer (lebenden oder toten) Fremdsprache sind verpflichtend. Die vierte Klausurarbeit kann in einer weiteren Fremdsprache, Darstellender Geometrie oder Biologie oder Physik abgelegt werden, sofern in diesen Fächern Schularbeiten geschrieben wurden.
Für die mündlichen Prüfungen sind die Schulfächer in mehrere Gruppen unterteilt:
Gruppe A: Religion, Ethik (an Schulen, die an diesem Schulversuch teilnehmen), Deutsch, Geschichte und Sozialkunde, Psychologie und Philosophie, Musikerziehung, Bildnerische Erziehung
Gruppe B: Fremdsprachen
Gruppe C: Geographie und Wirtschaftskunde, Mathematik, Darstellende Geometrie, Biologie und Umweltkunde, Chemie, Physik, Informatik
Für die mündliche Prüfung muss zumindest ein Gegenstand aus Gruppe B gewählt werden. Welche weiteren Gegenstände gewählt werden müssen, hängt von der Art der AHS ab. Die mündlichen Prüfungen sind öffentlich.
Das Maturazeugnis
Das Maturazeugnis enthält lediglich die Noten der Klausurarbeiten und der mündlichen Prüfungen. Die Benotung erfolgt durch das in Österreich übliche System von 1 (sehr gut) bis 5 (nicht genügend). Zusätzlich enthält es eine Zusammenfassung der Leistungen:
mit ausgezeichnetem Erfolg bestanden - bei einem Notenschnitt von maximal 1.5 und nur 1 oder 2 als Teilnoten
mit gutem Erfolg bestanden - bei einem Notenschnitt von maximal 2.0 und nur 1-3 als Teilnoten
bestanden
nicht bestanden - bei einer oder mehreren mit 5 beurteilten Teilprüfungen
Schüler, die die Matura nicht bestanden haben, haben die Möglichkeit, zu den Nebenterminen im September/Oktober und Jänner/Feber oder im nächsten Jahr erneut zur Matura anzutreten.
Die gegenwärtige Struktur der Matura in der Schweiz wurde 1995 eingeführt; während bislang zwischen verschiedenen Maturitätsprofilen unterschieden wurde, stellt sich der Schüler nun nach bestimmten Regeln durch die Wahl von Fächern ein Unterrichtsprogramm zusammen.
Maturitätsfächer
Der Schüler wird in den vier Jahren vor der Matura in sieben Grundlagenfächern, einem Schwerpunktfach und einem Ergänzungsfach unterrichtet.
Die Grundlagenfächer sind:
die Erstsprache (Deutsch, Französisch, Italienisch)
eine zweite Landessprache (Deutsch, Französisch, Italienisch)
eine dritte Sprache (eine dritte Landessprache, Englisch oder eine alte Sprache)
Mathematik
Naturwissenschaften: Biologie, Chemie und Physik
Geistes- und Sozialwissenschaften: Geschichte, Geographie und Einführung in Wirtschaft und Recht
Bildnerisches Gestalten und/oder Musik
Das Schwerpunktfach ist aus folgenden Fächern bzw. Fächergruppen auszuwählen:
alte Sprachen (Latein und/oder Griechisch)
eine moderne Sprache (eine dritte Landessprache, Englisch, Spanisch oder Russisch)
Physik und Anwendungen der Mathematik
Biologie und Chemie
Wirtschaft und Recht
Philosophie/Pädagogik/Psychologie
Bildnerisches Gestalten
Musik
Das Ergänzungsfach kann sein:
Physik
Chemie
Biologie
Anwendungen der Mathematik
Geschichte
Geographie
Philosophie
Religionslehre
Wirtschaft und Recht
Pädagogik/Psychologie
Bildnerisches Gestalten
Musik
Sport
Anteil der Fächergruppen am Unterricht
Grundlagenfächer - Sprachen: 30-40%
Grundlagenfächer - Mathematik und Naturwissenschaften: 20-30%
Grundlagenfächer - Geistes- und Sozialwissenschaften: 10-20%
Die Prüfung findet in fünf Fächern statt, die schriftlich und u.U. mündlich geprüft werden:
Erstsprache
zweite Landessprache
Mathematik
Schwerpunktfach
ein weiteres Fach; die Bedingungen für die Wahl dieses Faches legen die Kantone fest
Die Ergebnisse dieser Prüfungen fließen zu 50% in die Endnote des Faches ein, die Note des letzten Jahres zählt ebenfalls 50%. In den Fächern ohne Maturitätsprüfung zählt nur die Note des letzten Jahres.
Das Ergebnis der Matura setzt sich aus den Leistungen der neun Maturitätsfächer zusammen.
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