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Masern

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Die Masern (lat. Morbilli) sind eine durch Viren hervorgerufene, hochansteckende, systemische Infektionskrankheit mit - sofern die Infektion überlebt wird - anschließender lebenslanger Immunität.


Inhaltsverzeichnis


1 Geschichte

2 Der Erreger

  2.1 Übertragung

3 Epidemiologie

  3.1 Meldepflicht

4 Verlauf

5 Diagnose

6 Komplikationen

  6.1 Masernkrupp

  6.2 Mittelohrentzündung

  6.3 Masernpneumonie

  6.4 Myokarditis

  6.5 Keratitis

  6.6 Enzephalomyelitis

  6.7 Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)

  6.8 Thrombozytopenische Purpura

  6.9 weitere Komplikationen

7 Impfung

  7.1 Impfkomplikationen

  7.2 Argumente der Impfgegner

  7.3 Kosteneffektivität

  7.4 Studien zur Masernimpfung

8 Weblinks


Geschichte

Erste Berichte über die Masern gehen auf das 7. Jahrhundert zurück und werden dem jüdischen Arzt Al-Yehudi zugeschrieben. Die erste minutiöse Beschreibung der Masern verdanken wir dem persischen Arzt Abu Bakr Muhammed Ibn Zakariya Ar-Razi (Rhazes) ([1]), Anfang des 10. Jahrhunderts, der angab, sie würden "mehr gefürchtet als die Pocken".


Den Namen "Morbilli", was soviel wie "kleine Pest" bedeutet, erhielten die Masern während der ausgedehnten Epidemien des Mittelalters, da damals wie heute viele Kinder an den Masern starben.


1882 veröffentlichte der französische Arzt Antoine Louis Gustave Béclère seine Aufsehen erregende Arbeit "Die Ansteckung mit Masern".


1954 wurde das Virus erstmalig isoliert, ab 1963 war der erste Impfstoff erhältlich. Zuvor bekam aufgrund des hohen Ansteckungspotentials des Erregers beinahe jeder die Masern: es handelte sich um ein Ereignis im Leben, das unweigerlich auftrat und auf das man wartete. Mehr als die Hälfte der Kinder bekam die Masern vor dem 6. und 90% vor dem 15. Lebensjahr. Hatte man die Krankheit überstanden, konnte man aufatmen.


Der Erreger

Das Masern-Virus ist ein ausschließlich humanpathogenes ca. 120-140 Nanometer großer Erreger aus der Familie der Paramyxoviren (Genus Morbillivirus). Das einzige Reservoir bildet der infizierte Mensch. Es gibt mehrere stabile Genotypen und einen ebenso stabilen Serotyp. Seine Hülle ist lipidhältig, was die Kontagiosität erhöht. In der Hülle ist weiter Hämagglutinin, jedoch keine Neuraminidase enthalten. Das Masernvirus ist sehr empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen wie erhöhten Temperaturen, Licht, UV-Strahlen, Fettlösungs- und Desinfektionsmitteln.


Das bedeutet:


  • Das Virus wird nur von Mensch zu Mensch übertragen, ist also theoretisch ausrottbar.
  • Da es nur in einem stabilen Serotyp vorkommt, konnte ein guter Impfstoff hergestellt werden.
  • Und da es ihn mehreren Genotypen - in Mitteleuropa C2 und D6 - vorkommt, können die weltweiten Infektionswege genau nachvollzogen werden.
  • Das Fehlen von Neuraminidase macht den Einsatz von Neuraminidasehemmern - wie sie inzwischen für die Grippe zur Verfügung stehen - sinnlos. Wie bei vielen anderen Viren auch ist nur eine symptomatische Therapie möglich.


Übertragung

Das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen) oder direkten menschlichen Kontakt. Eine Infektion ist bereits bei kurzer Exposition möglich, der Kontagionsindex liegt bei 100%, das heißt, dass sich beinahe alle Menschen ohne entsprechende Immunität infizieren. Über 95% der Infizierten entwickeln daraufhin klinische Erscheinungen.


Epidemiologie

Der Erreger kommt weltweit vor und ist in mehreren Entwicklungsländern noch weit verbreitet, andererseits zwischenzeitig durch gut organisierte Impfkampagnen in verschiedenen Ländern jedoch ausgerottet.


  • So sank die Anzahl der Masern-Erkrankungen in den USA von 800.000 1958 auf einige (wenige) Fälle in den letzten Jahren, wobei alle Erreger von ungeimpften Personen aus Europa und Asien importiert worden waren, was durch die Bestimmung des Genotyps nachgewiesen werden konnte. Einen dramatischen Anstieg der Fälle gab es jedoch in den Jahren 1989-1991. In diesen 3 Jahren wurden 55.622 Erkrankungsfälle berichtet, von denen 123 tödlich endeten. Hauptsächlich waren Kleinkinder aus histpanoamerikanischen und afroamerikanischen Familien betroffen, wobei die Rate an ungeimpften Kindern dort 4-7x höher war als bei den Betroffenen der übrigen weißen Bevölkerung. Zwischenzeitig treten genuine Masernerkrankungen in allen amerikanischen Staaten von Kanada bis Argentinien mit Einschluss der Karibik kaum noch auf.
  • In Finnland mit seinen 5,2 Mio Einwohner gab es von 1996-2000 4 Masernfälle. Und auch diese waren aus dem Ausland importiert!
  • In Deutschland werden jährlich noch 50.000-100.000 Masernfälle diagnostiziert und registriert. Würden in Deutschland ähnlich strenge Ansichten wie in den USA vertreten, würde man bereits bei einer jährlichen Zahl von 5500 Erkrankungen von einem besorgniserregenden "Anstieg" der Fälle sprechen.
  • In Österreich, das für Masern bis 2001 keine Meldepflicht kannte, wurde vom Institut für Virologie des AKH in Wien ein freiwilliges Meldesystem geschaffen, das etwa 8% der österreichischen Bevölkerung abdeckt. Somit konnten für den Zeitraum von 1993-1997 etwa 28.000-30.000 Masernfälle für ganz Österreich hochgerechnet werden, wobei besonders 1996 und 1997 ein beinahe epidemisches Auftreten von Masernerkrankungen zu verzeichnen war. Insgesamt dürfte die Durchimpfungsrate in Österreich somit nur unwesentlich besser sein als in Deutschland. Würden hier jedoch ähnlich strenge Richtlinien wie in den USA angewandt werden, würde man hier schon 2700 Erkrankungen in 5 Jahren nicht akzeptieren.
  • In Rumänien kam es zwischen dem 1. Dezember 1996 und dem 30. September 1997 zu einer Masern-Endemie mit 20034 Erkrankungen und 13 Todesfällen. Quelle: Centers of Disease Contol and Prevention, Atlanta


Meldepflicht

In Deutschland sind durch das 2001 in Kraft getretene Infektionsschutzgesetz Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod meldepflichtig geworden. Bei Krankheitsverdacht oder Erkrankung besteht Tätigkeits- und Aufenthaltsverbot in Gemeinschaftseinrichtungen.


In Österreich


In der Schweiz


1984 legte die WHO einen Zeitplan für die Elimination der Masern bis zum Jahr 2000 fest - tatsächlich starben da jedoch weltweit nach Angaben der WHO noch etwa 1 Million Menschen - davon ca. 777.000 Kinder - an Masern. Masern-Infektionen waren somit für ungefähhr die Hälfte aller durch Impfung vermeidbaren Todesfälle verantwortlich. Der neue Zeitplan sieht die weltweite Ausrottung des Virus - bei entsprechender Anstrengung - jetzt für das Jahr 2007 vor.


Verlauf

Nach der Inkubationszeit von 10-11 (8-12) Tagen folgt das 3-4 Tage dauernde Prodromal- oder Initialstadium. Dieses äußert sich durch eine Entzündung der Schleimhäute des oberen/mittleren Atemtraktes und der Konjunktiven mit Katarr (Katarrh): Rhinitis, trockene Bronchitis, Konjunktivitis und Fieber bis 38,5°C sind die Folge nebst Übelkeit und Kopfschmerzen mit leichten EEG-Veränderungen in ca. 50%.


Am 12.-13. Tag kann ein typisches Enanthem (Koplik-Flecken an der Wangenschleimhaut auftreten; Epithelnekrosen infolge Virusvermehrung sind in 50-90% nachweisbar.


Am 14.-15. Tag breitet sich ein makulopapulöses, z.T. konfluierendes Exanthem - retroaurikulär (d.h. hinter den Ohren) beginnend - innert 24 Stunden über den ganzen Körper aus.


Nach 4-5 Tagen bilden sich alle Symptome zurück. Als Überbleibsel des Exanthems kann eine kleieförmige Schuppung für kurze Zeit bestehen bleiben. In unkomplizierten Fällen folgt eine rasche Erholung und eine lebenslang anhaltende Immunität.


Diagnose

Die Diagnose ist in unkomplizierten Fällen nur über den serologischen Nachweis von IgM-Antikörpern zu führen. Die Diagnose anhand des "typischen" Masernexanthems ist mit einer Fehlerhäufigkeit von 50% behaftet.


Erregernachweis:


Komplikationen

Etwa 20% aller Masern-Infektionen gehen mit Komplikationen einher, wobei Mittelohrentzündung und Lungenenzündung die häufigsten sind.


Masernkrupp

durch eine Kehlkopfentzündung mit Schwellung der Schleimhaut kommt es zu Heiserkeit und Atemnot bereits im Vorstadium.


Mittelohrentzündung

Die Mittelohrentzündung, eventuell verbunden mit einer das Erkrankungsbild weiter komplizierenden Mastoiditis, ist die häufigste Komplikation der Masernerkrankung. Gefürchtet ist eine Schädigung des Hörvermögens und dadurch bedingte Probleme in der Schule.


Masernpneumonie

  • 1. Primäre Masernpneumonie: Eine interstitielle Pneumonie mit Bronchiolitis, die sich hauptsächlich als Atemstörung äußert. Mittels körperlicher Untersuchung ist sie schwer zu diagnostizieren, so dass ein Röntgenbefund erforderlich ist.
  • 2. Bronchopneumonie als bakterielle Superinfektion: als bakterielle Superinfektion insbesondere nach oder bei einer interstitiellen Viruspneumonie auftretend.
  • 3. Riesenzellpneumonie: Eine seltene Pneumonie mit vielkernigen, von den Alveolarepithelien abstammenden Riesenzellen, pathognomonisch für Masern (Masernriesenzellen) und Keuchhusten, selten auch bei Diphtherie oder Grippe.


Myokarditis

Keratitis

multiple, punktförmige, epitheliale Läsionen an der Kornea. In Entwicklungsländern sind die Masern eine der häufigsten Ursache der Erblindungen von Kindern


Enzephalomyelitis

3-10 Tage nach Exanthembeginn. Bei Patienten >6 Jahre häufiger als bei Kleinkindern. Fieber, Kopfschmerz, Bewußtseinstrübung, meningeale Reizung (Nackensteifigkeit, Erbrechen u.a.): Rückgang nach 1-3 Tagen. Bei leichten Formen ist keine Krankenhauseinweisung notwendig. Schwere Verlaufsformen äußern sich in epileptischen Anfällen und Funktionsstörungen des ZNS.


Herdförmige oder diffuse Ausbreitung.


Häufigkeit: Nach Einführung der Masernimpfung sank die Zahl ständig und liegt derzeit in Deutschland bei <10/Jahr.


Letalität: 20%; Defektheilungen: 20-40%.


Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)

Die Angaben über die Häufigkeit von SSPE schwanken zwischen 1 bis 22 pro 1 Mio. Masern-Fällen. Die Erkrankung tritt Monate bis 10 Jahre nach einer Maserninfektion auf.


Quelle: Kommentar DDr. Maurer, Wien


  • 1. Stadium: psychische Störung und Demenz
  • 2. Stadium: Myoklonien, epileptische Anfälle
  • 3. Stadium: Dezerebrationssyndrom

  • langsam progredienter Verlauf über 1-3 Jahre
  • in 20% akuter Verlauf
  • die Isolierung eines Masernvirus mit defektem M-Protein war möglich: "SSPE-Virus"
  • Letalität 100% - der Verlauf führt immer zum Tod


Thrombozytopenische Purpura

2-3 Wochen nach Exanthemausbruch; spontane Rückbildung; selten.


weitere Komplikationen

Durchfall, Blinddarmentzündung, generalisierte Lymphadenitis


Impfung

Die Impfung gegen Masern soll als Masern-Mumps-Röteln-Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff (MMR-Impfstoff) durchgeführt werden, in der Regel zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat, möglichst bis zum Ende des 2. Lebensjahres, um den frühestmöglichen Impfschutz zu erreichen. Damit ist nach einmaliger Impfung bei 95% der Kinder ein ausreichender Impfschutz vorhanden. Da bei einer Durchimpfungsrate von weniger als 95% mit sporadischen Masernepidemien (alle 5 bis 7 Jahre) zu rechnen ist, müssen mit einer zweiten Impfung - frühestens vier Wochen nach der ersten - Impflücken geschlossen werden, um Impfversagern den entsprechenden Impfschutz zu gewähren.


Steht bei einem Kind die Aufnahme in eine Kindereinrichtung an, kann die MMR-Impfung auch vor dem 12. Lebensmonat, jedoch nicht vor dem 9. Lebensmonat erfolgen, da im 1. Lebensjahr im Blut des Säuglings noch vorhandene mütterliche Antikörper die Impfviren neutralisieren können. Sofern die Erstimpfung vor dem 12. Lebensmonat erfolgte, sollte die MMR-Impfung bereits im 2. Lebensjahr wiederholt werden.


Auch wenn von Eltern oder Impflingen angegeben wird, dass eine Masern-, Mumps- oder Rötelnerkrankung bereits durchgemacht wurde, sollte die zweite MMR-Impfung durchgeführt werden. Anamnestische Angaben über eine Masern- oder Rötelnerkrankung sind ohne mikrobiologisch-serologische Dokumentation der Erkrankungen unzuverlässig und nicht verwertbar. Es gibt keine Hinweise auf Nebenwirkungen nach mehrmaligen Masern-, Mumps- oder Rötelnimpfungen (siehe Diskussion unter Impfgegner)


  • Deutschland: Die Eliminierung der Masern ist ein erklärtes Ziel der deutschen Gesundheitspolitik. "Es ist dafür Sorge zu tragen, dass die zweite MMR-Impfung so früh wie möglich, spätestens jedoch bis zum vollendeten 18. Lebensjahr nachgeholt wird; bei Mädchen wird damit auch der unverzichtbare Schutz vor einer Rötelnembryopathie gesichert." Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) (PDF, ~150KB)


Stand: August 2003


  • In Österreich: 2 Teilimpfungen im 2. Lebensjahr mit einem Mindestabstand von 1 Monat. Wiederholungen der Impfung bei Schuleintritt im 7. Lebensjahr und im 13. Lebensjahr vom öffentlichen Gesundheitsdienst kostenlos angeboten.


herunterladbare Version des österreichischen Impfplans für 2003


Impfkomplikationen

Von Impfreaktionen sind die Impfkomplikationen abzugrenzen, die zu vorübergehenden oder anhaltenden Schäden oder gar zum Tod führen können. Prinzipiell ist zu sagen, dass ein direkter Zusammenhang mit einer Masernimpfung schwer zu beweisen ist. Andererseits ist es gerade in der Diskussion mit Impfgegnern sinnlos, auf diesem Standpunkt zu beharren. So soll festgehalten werden, dass es bei bei einer von 200.000 Impfungen zu einem Impfschaden mit bleibenden Folgen und auf ca 500.000 Impfungen ein Todesfall kommt.


Da es sich bei der Masernimpfung um eine Impfung mit einem abgeschwächten Lebendimpfstoff handelt, können in 3-5% der Fälle so genannte Impfmasern auftreten. Diese stellen eine abgeschwächte Form der Masern dar: eine Konjunktivitis, eine Tracheitis, ein feiner Hautausschlag und sehr selten eine Otitis media können auftreten. Schwerwiegendere Folgen bei besonders empfänglichen Kindern sind denkbar oder möglich, solange Masernimpfungen durchgeführt werden müssen.


Fieber und lokale Impfreaktionen wie Rötung, Schmerzen und Schwellungen an der Injektionsstelle können wie bei allen Impfungen vorkommen und sind als harmlose Nebenwirkungen zu betrachten.


Argumente der Impfgegner

Die Argumente der Impfgegener sind schwer nachzuvollziehen, wenn man die Erkrankungsraten der Staaten auf dem amerikanischen Kontinent und der nordeuropäischen Länder betrachtet. Diese Wortmeldungen reichen von einem Abstreiten der Existenz eines Masernvirus bis zu der Behauptung, ein Kind müsse die Kinderkrankheiten durchmachen, weil diese vor späteren schwerwiegenderen Krankheiten schützen würden. Bislang konnte für keine dieser Behauptungen Untersuchungsergebnisse vorgelegt werden, die einer Überprüfung standhielten. Tatsächlich wären die Masern genau so ausrottbar wie es die Pocken waren. Wären die Masern ausgerottet, brauchte es keine Impfung mehr.


Kosteneffektivität

Fehlt - Bitte einarbeiten!


Studien zur Masernimpfung

Siehe unter Masern-Mumps-Röteln-Impfung (Studien)


Siehe auch: Mumps - Röteln - Kinderlähmung Influenza


Weblinks



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