Das Mabinogion ist eine Sammlung von Erzählungen, die auf der mündlichen Tradition der walisischen Barden basiert. Sie beziehen sich teilweise auf frühmittelalterliche historische Ereignisse, können aber bis in weit ältere Traditionen zurückreichen.
Der Name rührt aus einem Missverständnis der ersten englischen Übersetzerin, Lady Charlotte Guest her: sie entdeckte in einer Geschichte das walisische Wort mabynogyon und nahm an, es sei der Plural des walisischen mabinogi. Das Wort mabinogi selbst ist aber eine Art Puzzle, obwohl es deutliche Bezüge zum walisischen Wort mab ("Sohn, Junge") hat. Eric P. Hamp geht davon aus, dass mabinogi von der keltischen Gottheit Maponos abgeleitet ist.
Die Erzählungen
Das Mabinogion besteht im engeren Sinn aus vier Geschichten, genannt "Die vier Zweige des Mabinogi". Diese Geschichten sind:
Pwyll, Prinz von Dyfed
Branwen, Tochter des Llyr
Manawydan, Sohn des Llyr
Math, Sohn des Mathonwy
Die Erzählungen wurden erstmals im 14. Jahrhundert in den Manuskripten The White Book of Rhydderich und The Red Book of Hergest niedergeschrieben. Ältere Fragmente dieser Erzählungen haben sich aber auch in Manuskripten des 13. Jahrhunderts erhalten.
Seit der ersten Übersetzung des Mabinogion durch Lady Guest werden sieben weitere Erzählungen mit den Vier Zweigen verbunden. Es handelt sich um vier Geschichten, die Material aus der walisischen Tradition und Legende widergeben:
Der Traum des Macsen Wledig
Llud und Llefelys
Culhwch und Olwen
Der Traum des Rhonabwy
Die Erzählungen Culhwch und Olwen und Der Traum des Rhonabwy haben die Wissenschaft interessiert, weil sie ältere Hinweise auf König Artus enthalten. Die Erzählung Der Traum des Macsen Wledig ist eine romantische Geschichte über den römischen Kaiser Magnus Maximus.
Drei weitere Erzählungen sind walisische Versionen aus der Umgebung der Artussage, die bei Chrétien de Troyes ebenfalls auftauchen. Während im 19. Jahrhundert Kritiker glaubten, dass die walisische Version auf Chretiens Gedichten basieren, ist man heute der Ansicht, dass beide Sammlungen unabhängig voneinander auf eine gemeinsame ältere Quelle zurückgehen.
Die Frau vom Brunnen
Peredur, Sohn des Efrawg
Gereint, Sohn des Erbin
Bibliographie
(Englische) Übersetzungen
Ford, Patrick K. The Mabinogi and Other Medieval Welsh Tales. Berkeley: University of California Press, 1977. ISBN_0520034147
Gantz, Jeffrey. Trans. The Mabinogion. London und New York: Penguin Books, 1976. ISBN_0140443223.
Guest, Lady Charlotte. The Mabinogion. Dover Publications, 1997. ISBN_0486295419
Jones, Gwyn and Thomas Jones. The Mabinogion. Everyman's Library 1949; durchgesehen 1989, 1991. ISBN_0460872974
Walisische Texte und Ausgaben
Branwen Uerch Lyr. Ed. Derick S. Thomson. Medieval and Modern Welsh Series Vol. II. Dublin: Dublin Institute for Advanced Studies, 1976. ISBN_1855000598
Culhwch and Olwen: An Edition and Study of the Oldest Arthurian Tale. Bromwich, Rachel, and D. Simon Evans. Eds. and trans. Aberystwyth: University of Wales, 1988; 2. Ausgabe, 1992.
Cyfranc Lludd a Llefelys. Ed. Brynley F. Roberts. Medieval and Modern Welsh Series Vol. VII. Dublin: Dublin Institute for Advanced Studies, 1975.
Llyfr Gwyn Rhydderch. Ed. J. Gwenogvryn Evans. Cardiff: University of Wales Press, 1973.
Pedeir Keinc y Mabinogi. Ed. Ifor Williams. Cardiff: University of Wales Press, 1951. ISBN_0708314074
Pwyll Pendeuic Dyuet. Ed. R. L. Thomson. Medieval and Modern Welsh Series Vol. I. Dublin: Dublin Institute for Advanced Studies, 1986. ISBN_1855000512
Sekundärliteratur
Ford, Patrick K. "Prolegomena to a Reading of the Mabinogi: 'Pwyll' and 'Manawydan.'" Studia Celtica XVI/XVII (1981-82): 110-25.
Ford, Patrick K. "Branwen: A Study of the Celtic Affinities." Studia Celtica XXII/XXIII (1987/1988): 29-35.
Hamp, Eric P. "Mabinogi." Transactions of the Honourable Society of Cymmrodorion (1974-1975): 243-249.
Sullivan, C. W. III. Ed. The Mabinogi, A Books of Essays. New York: Garland Publishing, Inc., 1996. ISBN_0815314825
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