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Latein

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Als Latein bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, nach denen die Region Latium mit Rom als Zentrum in Italien ihren Namen hat. Es gehört somit zu den italischen Sprachen, die zu den Centum-Sprachen gehören, die zu der indoeuropäischen Sprachfamilie zählen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.


Inhaltsverzeichnis


1 Entwicklung

2 Antike Schreibweise

3 Antike Aussprache

4 Gegenwart

5 Modernes Latein

6 Latein in den Wissenschaften

7 Latein in der Katholischen Kirche

8 Referenzlisten

9 Siehe auch

10 Weblinks


Entwicklung

Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später neben Griechisch Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom die Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein.


Seit der Völkerwanderung und der Katholisierung der (vorher arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa.


In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. der Westfälische Friede von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften, und verliert durch die fortschreitende Absorption in die Englische Sprache und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung.


Antike Schreibweise

Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d.h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen.


Vergleiche folgendes Beispiel:


 AUREAPRIMASATAESTAETASQUAEVINDICENULLO
SPONTESUASINELEGEFIDEMRECTUMQUECOLEBAT
POENAMETUSQUEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO
AERELEGEBANTURNECSUPPLEXTURBATIMEBAT
IUDICISORASUISEDERANTSINEVINDICETUTI
NONDUMCAESASUISPEREGRINUMUTVISERETORBEM
MONTIBUSINLIQUIDASPINUSDESCENDERATUNDAS
NULLAQUEMORTALESPRAETERSUALITORANORANT
NONDUMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE
NONTUBADIRECTINONAERISCORNUAFLEXI
NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISUSU
MOLLIASECURAEPERAGEBANTOTIAGENTES

Heutige Schreibweise:


Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,
sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat.
poena metusque aberant nec verba minantia fixo
aere ligabantur, nec supplex turba timebat
iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti.
nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem,
montibus in liquidas pinus descenderat undas,
nullaque mortales praeter sua litora norant.
nondum praecipites cingebant oppida fossae,
non tuba directi, non aeris cornua flexi,
non galeae, non ensis erant: sine militis usu
mollia securae peragebant otia gentes.

Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung


Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet.


Antike Aussprache

Wer mehr über die vermutete Aussprache des Lateins im alten Rom wissen möchte, lese bitte den Artikel Latein (antike Aussprache).


Gegenwart

Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschsprachigen Raum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte.


Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften.


Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im Lateinischen vorhanden (z. B. guerra »Krieg«, testa »Kopf«, cavallo »Pferd« etc.) und müssen dann neu gelernt werden.


Aus deutschen und amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Latein-Unterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden - möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher.


Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.


Modernes Latein

Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das "lexicon auxiliare" oder das vom Vatikan herausgegeben "lexicon recentis latinitatis".


Und ein finnischer Rundfunksender verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache: http://www.yle.fi/fbc/latini/ Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini unter http://www.radiobremen.de/online/latein/ in schriftlicher und gesprochener Version. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat.


Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Latein, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem "Glossarium Fragrantiae" eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom gleichen Wortartisten existiert des Weiteren ein Buch über den Baron "Mynchusanus" (Münchhausen).


Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa "Cursum Perficio" gesungen von Enya oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic Jugendkultur. Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst.


In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novak.


Latein in den Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin überwiegen Fachbegriffe griechischen Ursprungs. In den Rechtswissenschaften werden grundlegende Begriffe lateinisch zitiert (vgl. Juristenlatein). Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden.


Latein in der Katholischen Kirche

Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken).


Referenzlisten



Siehe auch

Küchenlatein,


Vulgärlatein,


Lateinische Aussprache


Weblinks



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