Oskar Lafontaine besucht als Internatsschüler (Bischöfliches Konvikt) das Regino-Gymnasium in Prüm (Eifel). Hier besteht er 1962 das Abitur. Er studiert dann Physik in Bonn und Saarbrücken und beendet sein Studium 1969 als Diplom-Physiker. Bis 1974 ist er bei der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Saarbrücken tätig, ab 1971 als Mitglied des Vorstandes.
Familie
Oskar Lafontaine ist Sohn des Bäckers Hans Lafontaine und seiner Frau Katharina, sein Vater fällt im Zweiten Weltkrieg.
Lafontaine ist in dritter Ehe verheiratet mit Christa Müller und hat zwei Söhne.
Partei
Seit 1966 ist Lafontaine Mitglied der SPD. 1968 wird er in den Landesvorstand der SPD gewählt. Von 1977 bis 1996 ist er Landesvorsitzender der SPD des Saarlandes. 1987 wird er zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt.
Nach seinem Wahlsieg bei der Landtagswahl im Saarland am 28. Januar1990 (54,4%) wird er von der SPD als Kanzlerkandidat und Herausforderer von Helmut Kohl für die Bundestagswahl 1990 nominiert. Im Wahlkampf wird er bei einem Attentat durch eine geistesgestörte Täterin (Adelheid Streidel) am 25. April1990 lebensgefährlich verletzt. Bei dieser Bundestagswahl im Dezember 1990 erreicht die SPD nach einem wiedervereinigungskritischen Wahlkampf mit 33,5% der Stimmen ihr schlechtestes Ergebnis seit der Bundestagswahl 1957. Danach zieht Lafontaine sich zunächst aus der Bundespolitik zurück, verzichtet auf den ihm angebotenen SPD-Vorsitz und bleibt saarländischer Ministerpräsident.
Als Kandidat für das Amt des Bundesfinanzministers gehört er 1994 zusammen mit Gerhard Schröder der sogenannten Troika von SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping an. Die SPD verliert die Bundestagswahl 1994 jedoch mit 36,4% der Stimmen.
In einer Kampfkandidatur gegen den bisherigen Amtsinhaber Rudolf Scharping wird Lafontaine dann aber im November 1995 auf dem SPD-Parteitag in Mannheim mit 321 zu 190 Stimmen zum Bundesvorsitzenden der SPD gewählt.
Am 11. März1999 erklärt Oskar Lafontaine seinen Rücktritt vom Amt des Vorsitzenden der SPD und gleichzeitig auch vom Amt des Bundesfinanzministers, sein Bundestagsmandat legt er gleichfalls nieder.
Politisches
In der Nachrüstungsdebatte zu Beginn der achtziger Jahre bezieht er klar Position gegen den NATO-Doppelbeschluss bis zur Forderung nach dem Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO und wird damit zu einem innerparteilichen Gegner von BundeskanzlerHelmut Schmidt (Zitat: "Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben."). Für diese Äußerung hat er sich später bei Schmidt entschuldigt. Seine Positionen legt er 1983 in dem Buch Angst vor den Freunden. Die Atomwaffenstrategie der Supermächte zerstört die Bündnisse dar.
1992 deckt das Nachrichtenmagazim "Der Spiegel" auf, daß Oskar Lafontaine ungerechtfertigte Bezüge aus früheren Ämtern erhält. Der saarländische Landesrechnungshof bestätigt diese Auffassung später und Lafontaine muß rund 230.000 DM zurückerstatten.
1993 recherchierte der Journalist Kuno Haberbusch für das Nachrichtenmagazin "Panorama" in der sog. Rotlichtaffäre über Verstrickungen Lafontaines im Rotlichtmilieu. Unter anderem soll Lafontaine während seiner Amtszeit als Oberbürgermeister von Saarbrücken einem befreundeten Bordellbesitzer Steuervorteile gewährt und Informationen über bevorstehende Razzien ins Rotlichtmilieu weitergeleitet haben. Lafontaine verweigert die Stellungnahme und verhindert die Ausstrahlung der Reportage durch eine gerichtliche Verfügung. Er kritisiert die unbewiesenen Vorwürfe als "Schweinejournalismus" und setzte 1994 eine Änderung des saarländischen Presserechts durch, das die redaktionelle Kommentierung von Gegendarstellungen verbietet.
Im Oktober 1999 veröffentlichte er sein Buch Das Herz schlägt links, in dem er auch die Gründe für den Bruch mit der Regierung und seinen Rücktritt formuliert. Danach ist er innerhalb der SPD weitgehend isoliert.
Lafontaine schreibt eine regierungskritische politische Kolumne für die Boulevardzeitung "BILD".
Im September 2003 schlägt er vor, die Ost-SPD solle mit der PDS fusionieren. Spekulationen über eine erneute Spitzenkandidatur für die saarländische SPD bei der Landtagswahl 2004 dementiert er erst spät.
Mit seinem Zehn-Punkte-Programm für den Sonderparteitag der SPD am 21 März 2004 kommt Lafontaine zurück ins Rampenlicht. Mit Forderungen wie "Rücknahme der Nullrunde für Rentner", "Streichung der Praxisgebühr" und "Entziehung der Staatsbürgerschaft der im Ausland versteuernden Deutschen" will er die SPD retten.
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