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Kulturalismus

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1. Kulturalismus bedeutet die Überbetonung der ethnischen Anteile eines Kulturbegriffes oder die Ersetzung des Wortes Rasse durch Kultur. Da der Begriff Rasse in diesen Argumentationen in der Regel nicht vorkommt, kann der Kulturalismus als ein Rassismus ohne Rassen angesehen werden.


Kennzeichen kulturalistischer Ansätze sind:


  • Ethnische Formulierung: Kultur sei alleine mit der Herkunft verbunden.
  • Homogenität: Alle Mitglieder einer ethnischen Gruppe sollen die gleiche Kultur haben.
  • Reduzierbarkeit: einzelne Menschen wären auf die kulturellen Eigenschaften einer Gruppe beschränkt.
  • Starrheit: Kulturen seien nicht oder nur über einen langen Zeitraum (im Rahmen von Generationen) veränderbar.


Entsprechende kulturalistische Argumentationen kommen sowohl im Rechtsextremismus als auch in verkürzten multikulturalistischen Ansätzen vor.


Ein solcher Kulturbegriff ist mit der Heterogenität von Gesellschaften nicht vereinbar, also den bestehenden Unterschieden in den Gesellschaften (z.B. zwischen Alt und Jung, Stadt und Land, Arm und Reich, Religionszugehörigkeit und so weiter). Zudem sind Menschen mehr als Vertreter von Gruppen und setzen sich ständig mit ihrer Umgebung auseinander, so dass sie nicht passive Kulturträger sind, sondern sich aktiv Kultur aneignen und die Kulturen ihrer Umwelt auch verändern.


siehe auch: Exotismus, Orientalismus


2. Der Begriff Kulturalismus wird meist in Aussprüchen des Vorwurfs gegen Arbeiten aus dem Umkreis der englischsprachigen cultural anthropology und der cultural studies verwendet. Er meint in diesem Zusammenhang die zu starke Betonung des Kulturellen gegenüber dem Sozialen, Ökonomischen oder Geschichtlichem. Diese hier angegebene zweite Bedeutung hat im Vergleich mit der ersten einen weniger stark emotional aufgeladenen Bedeutungsgehalt. Die erste hier angegebene Bedeutung passt außerdem zum Begriff Kulturessenzialismus, der scheinbar synonym verwendet werden kann.


3. Die methodische Philosophie Marburger Schule (Peter Janich und andere) bezeichnet sich selbst als kulturalistische Philosophie, um sich von naturalistischen Ansätzen abzugrenzen. Konkret bedeutet dies, dass der methodische Anfang des konstruktivistischen Philosophierens in der kulturell durchdrungenen Lebenswelt gesucht wird und nicht in etwas Kulturunabhängigem oder gar in einer objektiven Realität. Dabei wird in der Gesamtheit der vorfindlichen kultürlichen Produkte und Praxen handlungstheoretisch über die Rechtfertigung von Zwecksetzungen und die Rationalität der Wahl von Mitteln reflektiert. Eine Grundthese des so genannten methodischen Kulturalismus ist, dass unsere Lebenswelt keine natürlichen Gegenstände mehr enthält, sondern vollständig aus kultürlichen Artefakten besteht.


Weblink

http://staff-www.uni-marburg.de/~janich/mkul.html
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