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Krenz, Egon
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Biografie / Biographie / Biography

* 19. März 1937

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Egon Krenz (* 19. März 1937, Kolberg (Pommern)) war Vorsitzender des DDR-Kinderverbandes Pionierorganisation Ernst Thälmann, der DDR-Jugendorganisation »Freie Deutsche Jugend« (FDJ), hochrangiger Funktionär der DDR-Staatspartei »Sozialistische Einheitspartei Deutschlands« (SED) und 1989, dem Jahr der Wende in der DDR, für wenige Wochen als Nachfolger Erich Honeckers SED-Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender der DDR.


Inhaltsverzeichnis



1 Kindheit, Ausbildung und Wehrdienst


2 Aufstieg in Jugendorganisation und Partei


3 Wendezeit


4 Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit durch bundesdeutsche Gerichte


5 Kurioses


6 Literatur


7 Weblinks


Kindheit, Ausbildung und Wehrdienst

Am 19. März 1937 wurde Egon Krenz in Kolberg (Pommern) als Sohn eines Schneiders geboren. Er zog mit seinen Eltern 1944 nach Damgarten um. 1953 wurde er Mitglied in der »Freien Deutsche Jugend« (FDJ). Egon Krenz brach eine Schlosserlehre ab und studierte von 1953 bis 1957 am Institut für Lehrerbildung in Putbus auf Rügen und schloss mit dem Staatsexamen ab. 1955 wurde er in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) aufgenommen. Von 1957 bis 1959 leistete Krenz seinen Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee (NVA) in Prora auf Rügen ab. 1958 war er Delegierter der Parteiorganisation der NVA zum V. Parteitag der SED.


Aufstieg in Jugendorganisation und Partei

Egon Krenz wurde zuerst 2., dann 1. Kreissekretär der FDJ im Landkreis Rügen. Ab 1960 war er 1. Sekretär der Bezirksleitung Rostock der FDJ. 1961 wurde er Sekretär des Zentralrates der FDJ und war verantwortlich für die Arbeit des Jugendverbandes an den Universitäten, Hoch- und Fachschulen. Von 1964 bis 1967 studierte Krenz an der Parteihochschule des Zentralkomitees der KPdSU in Moskau und schloss mit dem Staatsexamen als Diplomgesellschaftswissenschaftler ab. Anschließend (von 1967 bis 1974) war er Sekretär des Zentralrates der FDJ, verantwortlich für Agitation und Propaganda sowie für die Arbeit der FDJ an den Schulen. Gleichzeitig arbeitete er von 8. Februar 1971 bis 9. Januar 1974 als Vorsitzender der Pionierorganisation »Ernst Thälmann«. Von 1971 bis 1990 war Egon Krenz Abgeordneter der Volkskammer der DDR. Von 1971 bis 1981 war er außerdem Mitglied des Präsidiums der Volkskammer. Ab 1973 war Egon Krenz Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der SED. Von 1974 bis 1983 hatte er als Erster Sekretär des Zentralrates der FDJ die höchste Funktion in der einzigen legalen Jugendorganistation der DDR inne. Von 1981 bis 1984 war Krenz Mitglied des Staatsrates der DDR. 1983 wurde er zum Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED gewählt. Mit der Ernennung zum Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates wurde Krenz 1984 zum zweiten Mann hinter Erich Honecker.


Wendezeit

Krenz war 1988 als Leiter der Zentralen Wahlkommission für die Ergebnisfälschungen bei der Kommunalwahl mit verantwortlich.


Zur blutigen Niederschlagung des Studentenaufstandes auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking äußerte sich Krenz im Juni 1989 mit den Worten: es sei »etwas getan worden, um die Ordnung wiederherzustellen«.


Im Oktober 1989 setzte sich Krenz als verantwortlicher ZK-Sekretär für Sicherheitsfragen für eine friedliche Reaktion der Sicherheitskräfte bei den Montagsdemonstrationen ein.


Am 18. Oktober 1989 wurde Krenz Generalsekretär des ZK der SED und Nachfolger von Erich Honecker, dem der Rücktritt durch das Politbüro nahegelegt worden war. Krenz wurde am 24. Oktober außerdem Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates der DDR. Er verließ mit seiner Frau und seinen zwei Kindern das Ghetto für die Mitglieder des SED-Politbüros »Waldsiedlung Wandlitz«.


Am 3. Dezember trat das Politbüro des ZK der SED (einschließlich Egon Krenz) geschlossen zurück. Krenz gab am 6. Dezember den Vorsitz des Staatsrates ab. Im Januar 1990 legte er sein Volkskammermandat nieder und wurde aus der (inzwischen umbenannten) SED-PDS (unter Gregor Gysi) ausgeschlossen.


Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit durch bundesdeutsche Gerichte

Nach 1991 trat Egon Krenz als Zeuge in verschiedenen Prozessen gegen frühere Repräsentanten der DDR auf. 1992 bestritt er, in seiner Funktion als oberster Wahlleiter der DDR die systematischen Wahlfälschungen bemerkt zu haben. 1993 stritt er die Verantwortung der früheren Mitglieder des DDR-Verteidigungsrates für die Verhältnisse an der innerdeutschen Grenze ab. Ab 1993 ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen Krenz wegen des Waffengebrauchs der DDR-Grenztruppen gegen Flüchtlinge (so genannte »Todesschüsse«) an der innerdeutschen Grenze und Anstiftung zur Wahlfälschung.


Die Berliner Staatsanwaltschaft erhob im Juni 1993 Anklage wegen »Totschlags und Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR«. Egon Krenz bezeichnete die Anklage wegen der Todesfälle als »verfassungs- und völkerrechtswidrig«. Auch im Februar 1996 sprach er der bundesdeutschen Justiz das Recht ab, über frühere Bürger der DDR zu Gericht zu sitzen. Im Juni 1997 bedauerte Krenz vor Gericht einerseits die Opfer an der innerdeutsche Grenze, wies jedoch andererseits seine Verantwortung zurück. Im August verurteilte die Große Strafkammer im Landgericht Berlin Egon Krenz wegen Totschlags in vier Fällen zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten. Aufgrund einer Haftbeschwerde kam er jedoch im September nach 18 Tagen aus der Haft frei. Im November wurde das Verfahren wegen Wahlfälschung gegen ihn eingestellt.


Im November 1999 bestätigte der Bundesgerichtshof die Haftstrafe gegen Krenz wegen der Todesschüsse an der Mauer und verwarf damit die Revision gegen das Urteil von 1997. Egon Krenz bezeichnete das Urteil als »Kalten Krieg im Gerichtssaal«. Seine Verfassungsbeschwerde wurde vom Bundesverfassungsgericht am 11. Januar 2000 abgelehnt. Seine Haftstrafe musste er am 13. Januar in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Hakenfelde antreten. Am 24. Januar wurde Egon Krenz in die Justizvollzugsanstalt Berlin-Plötzensee verlegt.


Verurteilt zu 6½ Jahren Haft, wurde er am 18. Dezember 2003 – nach nicht ganz vier Jahren – auf Anordnung des Berliner Kammergerichts, vorzeitig entlassen und der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Er war schon länger Freigänger im freien Vollzug und musste nur noch nachts in die Haftanstalt. Tagsüber war Krenz am Flughafen Berlin-Tegel beschäftigt, wo er ausrangierte Flugzeuge nach Russland verkaufen sollte. Zuletzt hatte er 21 Tage Urlaub im Jahr, den er in an der Ostsee verbrachte. Dort lebt auch seine Ehefrau.


Seit seiner Haftentlassung wohnt er im mecklenburgischen Ostseebad Dierhagen.


Kurioses

Da Egon Krenz mit Dean Reed befreundet war, einem US-Musiker, der in die DDR aus Liebe gezogen ist und dort unter ungeklärten Umständen verstarb, interviewte ihn Tom Hanks für seine Rolle als Dean Reed.


Siehe auch: Geschichte der DDR


Zitate:


  • »Mich widert die Verlogenheit an, mit der aus politischem Kalkül Vietnamkrieg und Bombardierung Belgrads als Fakten der Weltgeschichte ohne Reue und Sühne der Schuldigen hingenommen werden, während die DDR als Hort des Bösen gebrandmarkt wird.« (Brief vom 8. Juni 2001, siehe http://www.grh-ev.org/KRENZ/krenz.HTM)



Literatur

  • Krenzfälle. Die Grenzen der Justiz, Reginald Rudorf (Hg.), (Edition Zeitgeschichte - Band 2), Kai Homilius Verlag, Berlin 2002, ISBN_3-89706-893-1 (Leseprobe)
  • Siegerjustiz? Die politische Strafverfolgung infolge der Deutschen Einheit, GRH e.V. (Hg), (Edition Zeitgeschichte - Band 9), Kai Homilius Verlag, Berlin 2003, ISBN_3-89706-887-7 (Leseprobe)
  • Wertneutralität des Rentenrechts. Strafrente in Deutschland?, ISOR e.V. (Hg), (Edition Zeitgeschichte - Band 15), Kai Homilius Verlag, Berlin 2004, ISBN_3-89706-881-8 (Leseprobe)



Weblinks



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