Der Ausdruck konkrete Poesie bezeichnet in der Dichtung eine bestimmte Herangehensweise an die Sprache. Die Sprache dient dabei vordergründig nicht mehr der Beschreibung eines Sachverhalts, eines Gedankens oder einer Stimmung, sondern sie wird selbst zum Zweck des Gedichts.
Der Begriff konkrete Poesie entstand - wie es bei vielen literarhistorischen Epochen geschah - in Anlehnung an die bildende Kunst, bei der die entsprechende Bezeichnung "Konstruktivismus" lautete. Als das Konkrete eines Bildes bezeichnet man dort die Bildelemente Punkt, Linie, Fläche, Farbe (vgl. die Bilder Mondrians, Malewitschs oder Kandinskys).
In der Dichtung wurde der Begriff von Eugen Gomringer (geb. 1925) popularisiert (1953). Ursprünglich wurde er von dem Kunsttheoretiker Öyvind Fahlström (Manifest für konkrete Poesie, 1953) benutzt. Die Wörter sind für Gomringer nicht mehr Bedeutungsträger, sondern sie werden als visuelle (= das Sehen betreffend) und phonetische Gestaltungselemente eingesetzt. Die entscheidende poetische Tätigkeit ist dabei die Konstruktion, die neuartige Zusammensetzung der einzelnen Sprachelemente. Gomringer nennt seine Gedichte "Konstellationen".
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