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Komplexchemie

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Die Komplexchemie (Koordinationschemie) ist der Bereich der anorganischen Chemie, der sich mit chemischen Komplexverbindungen befasst.


Komplexverbindungen bestehen aus einem (meist metallischen) Zentralatom bzw. Zentralion, das von Liganden umgeben ist. Viele Komplexverbindungen sind farbig und können daher als Farbstoffe eingesetzt werden. Häufig sind Komplexverbindungen aus entsprechenden Salzen eines Zentralions zugänglich. Beispielsweise färbt sich wasserfreies, weißes Kupfersulfat bei Zugabe von Wasser hellblau. Es entsteht ein Aqua-Komplex des Kupfers, bei dem vier Wassermoleküle als Liganden des Zentralions auftreten:


Cu2+SO42- + 4 H2O => Cu(H2O)42+ SO42-

Inhaltsverzeichnis


1 Prinzipien

  1.1 die Geometrie von Komplexen

  1.2 die Zähnigkeit

  1.3 mehrkernige Komplexe

  1.4 die Bindung

2 biologische Bedeutung

3 Weblinks


Prinzipien

Die Zentralatome sind häufig Kationen, sie können aber auch neutral oder Anionen sein.




Die Liganden können anorganischer oder organischer Natur sein:




die Geometrie von Komplexen

Die Koordinationszahl gibt an, mit wie vielen sog. einzähnigen Liganden ein Zentralatom sich umgibt. Bevorzugt werden die Koordinationszahlen 4 und 6. Ist die Koordinationszahl gleich:


  • zwei, liegt ein lineares Molekül vor
  • bei drei erhält man entweder eine trigonalplanare oder eine verzerrt-trigonal-planar-pyramisiche Struktur
  • vier ergeben die Liganden einen Tetraeder oder eine quadratisch-planare Struktur
  • fünf eine (quadratisch)pyramidale oder (selten) trigonal-bipyramidale Struktur
  • sechs. Die Liganden ergeben einen Oktaeder oder eine trigonal prismatische Struktur.
  • eigentlich schon exotisch ist die Koordinationszahl 7. Sie ergibt einen verkappten Oktaeder
  • nennenswert sind nur noch die Koordinationszahlen 8 und 12.


die Zähnigkeit

Die Zähnigkeit gibt an wieviele Bindungen zum Zentrallatom ein Ligand ausbilden kann. Liganden die nur eine Bindung zum Zentralatom ausbilden werden einzähnig oder monodentat genannt. Amin ist beispielsweise ein einzähniger Ligand:


H3N-M


Eine besondere Rolle spielen Chelatliganden, das sind Liganden, die gleichzeitig mehrere Koordinationsstellen ausbilden. Die entstehenden Komplexe heißen Chelatkomplexe. Nach der Anzahl der Koordinationsstellen spricht man von zweizähnigen (2 Koordinationsstellen), vierzähnigen (4 Koordinationsstellen) usw. Liganden.


  • Ein zweizähniger Ligand ist beispielsweise Tmeda Ethylendiamin, H2N-CH2-CH2-NH2:


        M
/ /
H2N NH2
/ /
CH2-CH2

  • vierzähnige Liganden: z.B. NTA: Nitrilotriessigsäure
  • sechszähnige Liganden: z.B. EDTA: Ethylen-diamin-tetraacetat, (-OOC-H2C-)2 N-CH2-CH2-N(-CH2-COO-)2 EDTA kann zur Enthärtung von Wasser eingesetzt werden, da es mit Calcium zu leicht löslichen Chelatkomplexen reagiert.
  • Andere bedeutende mehrzähnige Liganden sind Bipyridyl und Phenantrolin


mehrkernige Komplexe

Mehrkernige Komplexe enthalten mehr als ein Zentralatom. Sie sind über einen Brückenliganden beispielsweise Sauerstoff oder Chlor verbunden. Häufig handelt es sich dabei um einen Mehrelektronenzentrenbindung.


       Cl
/ / / /
Rh Rh
/ / / /
Cl

die Bindung

Die Bindung zwischen Zentralatom und Liganden kann durch unterschiedliche Modelle mehr oder weniger umfassend erklärt werden


  • elektrostatische Anziehung (siehe Ionenbindung)
  • Säure-Basen-Theorie nach Gilbert Newton Lewis: Kationische Zentralionen wirken als Lewis-Säure, anionische Liganden als Lewis-Base.
  • Valenzbindungstheorie: Ligandenorbitale überlappen mit unbesetzten Hybrid-Orbitalen des Zentralatoms. Die VB-Therorie erklärt die Gemoetrie recht gut, aber z.B. nicht die Farbigkeit von Komplexen.
  • Kristallfeldtheorie: Die Kristallfeldtheorie geht von reinen elektrostatischen Wechselwirkungen zwischen den Liganden und dem Zentralatom aus.
  • Ligandenfeldtheorie: Die Ligandenfeldtheorie ist eine Erweiterung der Kristallfeldtheorie, hier werden zusätzlich Überlappungen von Metall- und Ligandenorbitalen betrachtet.


biologische Bedeutung

Auch in der Biologie gibt es Komplexe, beispielsweise Hämoglobin oder Chlorophyll (jeweils Chelatkomplexe). Einige Enzyme haben komplexartigen Charakter.


Weblinks



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