Kolumbien liegt in Südamerika bei 4° 00' Nord und 72° 00' West.
Geografie
Die westliche Hälfte Kolumbiens wird von den Anden dominiert, die in drei große Bergketten geteilt sind: die westliche, die zentrale und die östliche Kordillere. Zwischen den Bergketten fließen die großen, teilweise befahrbaren Flüsse Cauca und Magdalena in den atlantischen Ozean. Die Hochgebirge beherbergen die zum Teil aktiven Vulkane Galeras, Huila, Nevado del Ruiz, Purace, Tolima und Doña Juana. Die höchsten Gipfel sind der Pico Cristobal Colón sowie der Pico Simón Bolívar, beide jeweils 5,775 m hoch und in der Sierra Nevada de Santa Marta gelegen.
Die östliche Hälfte ist durch dicht bewaldetes Flachland charakterisiert, durch das die Flüsse Putumayo, Yapura, Meta und Guaviare fließen, die entweder im Orinoco oder im Amazonas münden.
Kolumbien hat Küsten sowohl am atlantischen wie am pazifischen Ozean. Die bekanntesten Inseln im Atlantik sind der Archipel von San Andrés (770 km nordöstlich von Kolumbien), Providencia und Santa Catalina. Der karibischen Küste vorgelagert ist die Insel Fuerte und die Archipele von San Bernardo und del Rosario. Im Pazifik liegen die Inseln Malpelo und Gorgona und Gorgonilla.
Je nach Meereshöhe unterscheidet man vier Klimazonen. In den Flachländern (Llanos) herrscht tropisches Klima über 24° C, zwischen 1,000 und 2,000 m gemäßigtes Klima (17-24° C), zwischen 2,000 und 3,000 m kaltes (12-17° C) und in den Bergregionen (Paramos) ab 3,000 m Höhe hochalpines Gletscherklima (unter 12° C).
Kolumbien hat, auf Grund der Geschichte dieses Landes, eine sehr diverse Bevölkerung. Die Bevölkerung besteht aus drei sehr unterschiedlichen Gruppen, einerseits die eingeborenen Indianerstämme, die spanischen Kolonisten und als dritte die importierten Sklaven aus afrikanischer Herkunft. Die heutige Demografie des Landes besteht aus einer Mischung aller dieser Gruppen.
Rassenmischung zwischen diesen Gruppen war und ist sehr weit verbreitet. Diese führte zu den deutlichen Gruppen, die die heutige Population ausmachen. Die größte ethnische Gruppe sind die Mestizen (58%), die von der Mischung von Spaniern mit Einheimischen entstanden. Zu der hellhäutigen Bevölkerung gehören die Kreolen, Abstammende von den spanischen Kolonisten, die somit die größte Minderheit mit 20% darstellen. Weiter sind mit 14% die Mulatten, abstammende der Union von Spaniern und afrikanischer Sklaven. Weiter besteht die Bevölkerung aus 4% ungemischten afrikanischer Abstammung und 3% Zambos, Mischung aus afrikanischen Sklaven mit einheimischen Indianern. Heutzutage werden nur noch 1% als Einheimische klassifiziert, unter anderem durch ihre Kultur und Sprache. Dominant ist die römisch-katholische Glaubensrichtung.
Kolumbien ist das dritt meist bevölkerte Land Lateinamerikas, dies nach Brasilien und Mexiko. Völkerbewegungen vom Land in die Stadt sind massiv. Stadtbevölkerung ist von einem Anteil von 57% der Gesamtbevölkerung in 1951 auf 74% 1994 gestiegen. Dreißig Städte haben mehr als 100.000 Einwohner. Die östlichen Llanos Kolumbiens, die aus 9 Departamentos bestehen und 54% der Fläche ausmachen, beherbergen nur 3% der Bevölkerung und damit eine Dichte von einer Person pro Quadratkilometer.
Geschichte
Die ältesten Siedlungsspuren in der Region des heutigen Kolumbien gehen bis auf das 3. Jahrtausend v. Chr. zurück. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden in der Andenregion die ersten Kulturen, darunter die San-Agustin-Kultur und die Kultur von San Jorge. Etwa um das Jahr 600 besiedelte die Völkergemeinschaft der Chibcha das Gebiet. Es entstand eine blühende Hochkultur, deren Reichtum sich hauptsächlich auf den Handel mit Salz und Smaragden gründete.
Als im Jahr 1537 die ersten spanischen Entdecker unter Gonzalo Jiménez de Quesada in das Andengebiet strömten, wurden die Chibcha unterjocht. Die Spanier erbauten einige Siedlungen, die die ehemaligen inidianischen Handelszentren ersetzten, so zum Beispiel Santa Fé de Bogotá und Tunja (gegr. beide 1539). Wenig später erfolgte die Gründung einer Provinz, aus der sich das Vizekönigreich Neugranada entwickelte.
Seit Jahrzehnten dauert nun schon der Bürgerkrieg in Kolumbien an. Nach einer Welle von Gewalt und Terror in verhängt Präsident Alvaro Uribe für am 12. August2002 für 90 Tage den Ausnahmezustand.
Der im Jahre 2003 von PräsidentAlvaro Uribe begonnene Friedensprozess mit den Paramilitärs droht zu Scheitern. Ein Grund dafür ist das spurlose Verschwinden des Gründers der Paramilitärs, Carlos Castaño. Ein anderer, die Forderung der Paramilitärs für ihre Taten, einschließlich des Drogenhandels, nicht bestraft und and die USA ausgeliefert zu werden.
Wirtschaft
Kolumbien ist der grösste Produzent zahlreicher Blumenarten. Bei der Produktion von Nelken steht es weltweit an erster Stelle. Mit 3.500 verschiedenen Orchideen-Arten hat Kolumbien die grösste Vielfalt der Welt. Ebenfalls an erster Stelle steht Kolumbien bei der Produktion von Smaragden und Guadua-Holz. Es ist außerdem der zweitgrösste Kaffee-Produzent der Welt und steht bei der Produktion von Bananen weltweit an dritter Stelle. Bei der Produktion von Kartoffeln ist Kolumbien in Lateinamerika führend.
Das Land ist der zweitgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Produkte in die USA. Darüber hinaus ist Kolumbien weltweit der viertgrößte Produzent von Kohle und Nickel und hat außerdem eine potentielle Erdölreserve von etwa 37 Billionen Barrel.
Kolumbien rühmt eine lange Geschichte der Künste, die lang vor den präkolumbischen Zeiten zurückgeht. Bekannt sind aus diesen Zeiten Goldfiguren, Schmuck und Tonarbeiten. In der Hauptstadt Bogotá sind im Goldmuseum viele dieser Stücke zu bewundern. Ein grossteil der Kunststücke ist aber seit der Entdeckung, erst durch die Entdecker und dann durch Grabräuber, verschwunden. Die diversen Volksgruppen stellen weiterhin unterschiedlichste Arten von Kunst her, unter anderem die handgewebten Handtaschen (Mochilas) und Hängematten der Guajiros.
Unter den bekanntesten Künstlern des zwanzigsten Jahrhunderts gelten Enrique Grau und Fernando Botero. Alejandro Obregón wird als »Vater der kolumbianischen Kunst« gekürt und malt überwiegend kolumbianische Landschaften, Vögel und Tiere. Unter den Schriftstellern ist Gabriel García Márquez den Nobelpreis, den er für Hundert Jahre Einsamkeit (Spanisch: Cien Años de Soledad) erhielt, bekannt.
Die traditionelle kolumbianische Musik ist sehr vielfältig, was an den verschiedenen Ethnien liegt, die sich in diesem Land vermischt haben. Die Musik der Karibikküste, wo viele Afro-Kolumbianer leben, ist demnach stark von afrikanischen Rhythmen geprägt, wie man es in Stilen wie der Cumbia und dem verwandten, aber melodischeren Vallenato hören kann. Völlig anders ist dagegen die Musik der Region der Anden (um Bogotá), wo die traditionelle Musik eine Mischung aus spanischer und vorkolumbischer Stilelemente ist und damit der Folkloremusik des Hochlandes von Perú und Ecuador ähnelt. Im Rest des Landes ist die traditionelle Musik vor allem von spanischen und italienischen Einflüssen geprägt.
Sport
Kolumbien ist sowohl für ihr Fußball als auch für den Radsport international bekannt. Im Juni 2000 wurde der Sport »Tejo«, eine moderne Version eines Indianerspieles namens Turmequé, vom kolumbianischen Kongress zum Nationalsport erhoben.
Fußball
Eine Fußballliga wurde 1924 angedacht und durch den Beitritt 1936 zu der Confederación Sudamericana de Fútbol (CONMEBOL) besiegelt. Die Nationalelf spielte zum ersten mal 1962 in Chile bei der Weltmeisterschaft mit. Aus drei Spielen erhielt sie aber nur einen Punkt, spielte aber mit einem 4 zu 4 gegen die UdSSR eine historische Partie. 1964 wurde die Bundesliga »Federación de Fútbol de Colombia (Fedebol)" mit Unterstützung der FIFA gegründet. Kolumbien wird 1974 von der FIFA der Austragungsort für die 1986 zu spielende Weltmeisterschaft zugesprochen, das aber letztlich aus Uneinigkeiten zwischen Privat- und Staatsfinanzierungen 1981 an Mexiko ging.
Das erste in Etappen gefahrene Rennen Südamerikas wurde 1951 in Kolumbien absolviert. Das erste große Auftreten im Tour de France tat Cochise Rodríguez der als 27. das Rennen 1977 beendete. Fabio Parra gewann 1988 drei Etappen und endete als dritter in der Gesamtwertung. Luis »Lucho« Alberto Herrera gewann 1985 und 1987 zwei Bergsiege und wurde zum Nationalhelden.
Tejo
Tejo wird schon über 500 Jahre lang in den Provinzen Cundinamarca und Boyacá gespielt. Die moderne Version sieht vor eine eiserne Halbkugel, den Tejo, in einen metallischen Kreis zu werfen und so, die an den vier Himmelsrichtungen aufgelegten Schwarzpulvertaschen, die Mechas, zum lauten Knall zu zwingen. Wer die meisten dieser Mechas zum explodieren bringt gewinnt das Spiel, das sowohl im Team als auch einzeln gespielt werden kann. Die Partien werden traditionell von alkoholischen Getränken begleitet. Die Brauereien sind naturgemäß die größten Sponsoren.
Literatur
Curth, Oliver: "Musik der Welt: Kolumbien", 2002 Lugert Verlag, ISBN_3-89760-803-0
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