Das Erlernen jeder Art von Fähigkeiten sind an den Körper gebunden, auch wenn die Seele in verschiedenen religiösen und psychologischen Kontexten als unsterblich betrachtet wird. Körperliche Erlebnisse sind jedoch stets mit psychischen und geistigen Mechanismen durchsetzt.
Unterschiedliche Körperwahrnehmung von Menschen in verschiedenen Lebenssituationen, aber auch die Veränderung der Körperwahrnehmung im Zuge kultureller Veränderungen zeigen die Wechselwirkungen zwischen dem einzelnen Körper und der gesellschaftlichen Situation.
Der Körper kann als bloße Hülle betrachtet werden oder eine Quelle des Wohlbehagens und der höchsten Genüsse sein.
Man kann auf seine Signale hören, ihn schmücken oder entblößen, ihn kleiden, ihn befriedigen und man kann ihn lieben. Das Verhältnis des Menschen zum eigenen Körper ist immer Teil seines Verhältnisses zu sich selbst. Deswegen spricht man nicht nur davon, den Körper zu bekleiden oder zu entblößen, sondern davon, sich selbst zu bekleiden, zu entblößen, zu lieben.
Man hat also nicht bloß einen Körper, sondern man ist einer.
Auch das Verhältnis zu anderen Menschen ist oft und wesentlich ein körperliches Verhältnis.
Menschen haben ihr individuelles Körperbild, können an ihrem Aussehen leiden, sich um das Ansehen bemühen, sich in die Brust werfen oder diese sowie andere Körperteile mit den Mitteln der Schönheitschirurgie verändern lassen. Begriffe wie Body Styling und Body Building, aber auch verschiedene Formen körperlicher Veränderungen im Rahmen von Körperschmuck, wie Piercing und Tätowierung zeigen Möglichkeiten auf, den Körper zu gestalten (siehe auch Bodyismus). Zugleich gibt es körperliche Veränderungen im Rahmen veränderter Lebensbedingungen (u.a. Körpergröße, aber auch Körpergewicht durch entsprechende Veränderungen von Ernährung und Lebensweise).
Wir lügen zwar mit dem Mund, aber sagen mit dem Maul, das wir dabei machen, doch die Wahrheit (Friedrich Nietzsche). Wir kommunizieren, indem wir uns unserer Körpersprache bedienen, ohne uns dessen bewusst zu sein.
In vielen sprachlichen Metaphern und Redewendungen sind Körper und Körperwahrnehmung präsent, etwa wenn jemandem "eine Laus über die Leber" oder "die Galle über läuft", aber auch, wenn jemandem "etwas ins Gesicht geschrieben steht".
Wir fühlen uns manchmal wohl in unserer Haut. Wir vergessen uns manchmal selber.
Wir bewegen uns manchmal im Cyberspace. Dort können wir unseren Körper hinter uns lassen und/oder uns erregen, unter anderem ganz der Aufgabe ergeben, eine gute und freie Enzyklopädie zu schaffen...
Literatur
Barbara Duden: Der Frauenleib als öffentlicher Ort (über die Auswirkung bildgebender und pränataler Diagnostik auf das Körperbild), Luchterhand
Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge, Suhrkamp
Peter Gorsen: Sexualästhetik. Grenzformen der Sinnlichkeit im 20.Jh., rororo
Michel Houellebecq: Elementarteilchen
Michel Houellebecq: Plattform (Roman, DuMont)
Seifert, Josef: Das Leib-Seele-Problem und die gegenwärtige philosophische Diskussion, eine systematisch-kritische Analyse, zweite Auflage, Darmstadt 1989
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