Köhler wurde am 22. Februar1943 in Skierbieszów, Polen, als deutschstämmiger Bauernsohn und zweitjüngstes von acht Kindern geboren. Seine Eltern lebten ursprünglich als Bessarabiendeutsche im damals rumänischenBessarabien (heute Moldawien). Nachdem das Gebiet im Sommer 1940 an die Sowjetunion fiel (Hitler-Stalin-Pakt), wurden Köhlers Eltern mit anderen Volksdeutschen zunächst in das Deutsche Reich geholt und später im damaligen Generalgouvernement in der Kreishauptmannschaft Zamość im Distrikt Lublin angesiedelt. Im Januar 1945 floh seine Mutter mit Horst und drei weiteren Geschwistern vor der Roten Armee nach Markkleeberg-Zöbigker. Dort bei Leipzig versuchten seine Eltern erneut, eine bäuerliche Existenz aufzubauen. Als die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft drohte, entschloss sich die Familie Köhler Ostern 1953, die DDR zu verlassen. Die Flucht ging diesmal über West-Berlin in die Bundesrepublik Deutschland. Bis 1957 lebte Horst Köhler mit seiner Familie in Flüchtlingslagern, bis sie in Ludwigsburg eine Wohnung erhielten. Horst Köhler betrachtet Ludwigsburg als seine Heimat, am dortigen Eduard-Mörike-Gymnasium machte er auch 1963 sein Abitur (mit lauter Vierern).
Im Jahr 2000 wurde Köhler auf Vorschlag von BundeskanzlerGerhard Schröder (SPD) als achter Geschäftsführender Direktor für eine Amtszeit von fünf Jahren zum Geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) bestellt. Er ist der Nachfolger von Michel Camdessus, der am 14. Februar 2000 sein Amt beim IWF niederlegte.
Während seiner Amtszeit als IWF-Präsident versuchte Köhler, in Zusammenarbeit mit Weltbank-Präsident James Wolfensohn sich von der früher üblichen Praxis zu entfernen, die den zu fördernden Staaten Förderkonzepte nach den Maßstäben entwickelter Länder aufzwang, was in der Vergangenheit wiederholt zu schweren Krisen in den betroffenen Ländern geführt hatte.
Am 23. Mai2004 ist Horst Köhler zum Bundespräsidenten gewählt worden. Dieses Amt trat er am 1. Juli2004 an.
Horst Köhler ist evangelisch, verheiratet mit Eva Köhler und hat zwei Kinder.
Da er in Deutschland nicht als Politiker in der Öffentlichkeit wirkte und sein beruflicher Werdegang zum Teil im Ausland stattfand, war er zu diesem Zeitpunkt der Öffentlichkeit nicht sehr bekannt. Einer im Auftrag des Stern durchgeführten Forsa-Umfrage zufolge kannten ihn am Tag der Nominierung 20 % der Deutschen, so dass die Bild-Zeitung mit der Schlagzeile "Horst Wer ???" aufwartete.
Aufgrund der Verhältnisse in der Bundesversammlung galt Horst Köhler als Favorit auf die Nachfolge von Johannes Rau gegenüber der Kandidatin der Regierung, Gesine Schwan (SPD). Die Nominierung Köhlers wurde in der Öffentlichkeit unterschiedlich aufgenommen: Während aus Wirtschaftskreisen einmütige Unterstützung geäußert wurde, störten sich andere Kreise, so etwa der DGB oder ATTAC an dem Umstand, dass Köhlers Profil fast ausschließlich durch seine Rolle im Wirtschaftsleben geprägt sei. Wieder andere hoben hervor, dass gerade ein Pluspunkt sei, da man erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik einen Präsidenten wählen könne, der seine Identität nicht ausschließlich durch eine politische Tätigkeit gewonnen habe.
Wichtige Stellungnahmen während der Kandidatur
Im Mittelpunkt seiner Amtszeit wird nach seinen eigenen Angaben das Werben für weitere Reformen stehen. Er habe die Bundespräsidentschaft nie angestrebt, sagte er am 4. März2004. Doch könne er mit seiner Erfahrung etwas einbringen, was Deutschland jetzt vor allen Dingen braucht, nämlich eine Diskussion und einen Prozess der Veränderungen nicht nur in der Wirtschaft. Weiter müsse die Politik das Tempo erhöhen und schnellere Entscheidungen treffen.
Bei seinem ersten politischen Auftritt nach der Nominierung am 7. März2004 bezeichnete er die Inhalte und Pläne der so genannten Agenda 2010 der Bundesregierung als bei weitem nicht ausreichend, man habe aber in Deutschland das Potenzial, mit den Herausforderungen fertig zu werden. In Zukunft müsse den Menschen noch besser als bisher erklärt werden, warum die Reformen notwendig seien. Eine absolute Priorität müssten Wissenschaft und Bildung erlangen.
Am 9. März2004 sagte Köhler in einem ZDF-Interview, er wolle ein Kandidat mit Ecken und Kanten sein. Zur Frage der Direktwahl des Bundespräsidenten durch das Volk zeigte er sich offen, dass man darüber diskutieren könne. Er sehe aber nicht die unbedingte Notwendigkeit dafür.
Für Unruhe in der Union sorgte am 13. März2004 eine Äußerung Köhlers, in der er öffentlich seine Hoffnung zum Ausdruck brachte, dass 2006 die CDU die Bundeskanzlerin stellen werde und dabei Angela Merkel wörtlich nannte.
Wahl zum Bundespräsidenten
Horst Köhler wurde am 23. Mai2004 zum neunten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Die aus 1.205 Mitgliedern, von denen eines wegen Krankheit der Abstimmung fernblieb, bestehende Bundesversammlung wählte ihn im ersten Wahlgang mit 604 von 1.202 gültigen Stimmen. Er erhielt damit eine Stimme mehr als die für diesem Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit von 603 Stimmen. CDU/CSU und die FDP verfügten über 623 Stimmen in der Bundesversammlung. Seine Gegenkandidatin Gesine Schwan erhielt 589 Stimmen.
In der Rede nach seiner Wahl würdigte Köhler die Einheit Deutschlands. Er drängte darauf, Ängste zu überwinden sowie Selbstvertrauen zurückzugewinnen, wünschte sich ein "Deutschland der Ideen" und forderte eine kinderfreundlichere Gesellschaft.
Zitate
Deutschland soll ein Land der Ideen werden.
Patriotismus und Weltoffenheit sind keine Gegensätze - sie bedingen einander!
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