Der Begriff Klassizismus wird verwendet für Kunstrichtungen (Literatur, Baukunst, Bildhauerei, Malerei etc.), die nicht eigenständig aus eigenen Anfängen gereift sind, sondern Nachahmungen einer Klassik sind, z.B. Nachahmungen des klassischen Altertums (Antike). So bezeichnet man beispielsweise die Baukunst Palladios (1508 bis 1580) als Klassizismus, ebenso die Kunst Frankreichs, Hollands und Englands im 17ten Jahrhundert.
Hauptsächlich aber wird als Klassizismus eine Epoche der gesamten Kunstgeschichte im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert (etwa zwischen 1770 und 1830) bezeichnet, die die griechische Klassik zu erneuern versuchte. In Frankreich heißt diese Epoche Empire-Stil.
Gegenüber dem vorangegangenen Rokoko zeichnet sich der Klassizismus durch eine Rückkehr zu geradlinigen Formen mit einer stärkeren Anlehnung an klassisch-antike Formen aus.
Im späten 18. Jahrhundert galt der Klassizismus mit fast puritanischen Willen zur Vereinfachung als Gegenmodell zur barocken "Verschwendungssucht", die mit dem Feudalismus assoziiert wurde. Den Übergang bildet der Zopfstil, in dem die spätbarocken Formen noch andeutungsweise weiterleben. Ab den 1790er Jahren galt er als der "Stil der Revolution", vor allem in der Architektur, wo wuchtige Formen bevorzugt werden. Mit der Vereinnahmung der Revolution durch Napoleon kommt es dann zum dekorativeren Empirestil, der sich mit dem Kaiser über ganz Westeuropa ausbreitet. Auch Jacques-Louis David, der Begründer des Klassizismus in der Malerei wird zum Anhänger der Revolution und dann Napoleons, für den er eine Art Hofmaler wird.
Die Architektur und Malerei des Biedermeier stellt demgegenüber eine weitere Wendung ins Dekorative dar, die gleichwohl keine grundsätzliche ästhetische Abwendung bedeutet. In der Malerei hält sich diese Ästhetik bis in die 1870er Jahre, in der Architektur wird sie schon in der ersten Jahrhunderthälfte durch alternative Bauformen, am frühesten von der Neugotik in Frage gestellt, die mit dem aufstrebenden Bürgertum assoziiert wird. Paul Wilhelm Eduard Sprenger, der wichtigste Repräsentant der klassizistischen Architektur in Österreich wurde geradezu als Metternich der Architektur" bezeichnet.
In der Mitte des 20. Jahrhunderts lehnte sich die Architektur teilweise wieder an klassizistische Formen an, man spricht hier von Neoklassizismus.
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