Simonides von Keos entstammte einer aristokratischen Familie. Mütterlichseits war er ein Onkel des Chorlyrikers Bakchylides. Nach seiner auf Keos genossenen musischen Ausbildung wirkte er einige Zeit im Umkreis seiner Heimatinsel, ehe er nach Athen ging, das unter Hipparchos von Athen eine kulturelle Blüte erlebte und Lyriker wie Anakreon und Lasos beheimatete. Nach der Ermordung Hipparchos (514 v. Chr.) diente Simonides in Krannon und Pharsalos verschiedenen thessalischen Fürstengeschlechtern. Während der Perserkrieger (490-480 v. Chr.) weilte er wieder in Athen. Er war ein enger Freund des Atheners Themistokles und des Spartaners Pausanias, wichtigen Herrführern während der Perserkriege. Hieron I. von Syrakus lud ihn und Bakchylides nach Sizilien ein, wo beide Dichter mit dem Chorlyriker Pindar zusammentrafen. Mit diplomatischen Geschick gelang es Simonides, einen Krieg zwischen den Tyrannen Hieron und Theron von Akragas zu verhindern. Hochbetagt starb Simonides um 468 v.Chr. in Akragas.
Das umfangreiche Werk des Simonides ist nur äußerst fragmentarisch überliefert. Es umfaßte Siegeslieder (Epinikien), die die Alexandriner nach Kampfesarten geordnet haben. Wahrscheinlich hat Simonides dieses Genre begründet. Er komponierte eine große Zahl Dithyramben, mit denen er im Agon 56 mal gewonnen hat, außerdem Paiane, Threnoi und monodische, also von einem Einzelnen gesungene Lyrik (z.B. ein fragmentarisch von Platon überliefertes Trinklied für den Fürsten Skopas und - kürzlich durch neue Fragmente kenntlicher gewordene - Lieder und Elegien zu Anlässen der Perserkriege). Besondere Berühmtheit erlangte ein Buch Epigramme.
Simonides wird die Erfindung einer Mnemotechnik zugeschrieben.
Die Persönlichkeit des Simonides zeichnet sich durch einen bemerkenswert illusionslosen, skeptisch- ironischen Blick auf die Realität aus. Seine stark rational geprägt, geistreich-reflektierende Dichtung besaß gleichwohl eine seltene, selbst von Pindar nicht übertroffene Vergegenwärtigungskraft. Seine modern anmutende Intellektualität und die von seinen Zeitgenossen als befremdend empfundene und als Habsucht mißverstandene Dezidiertheit, mit der Simonides sein Dichten als Gewerbe betrachtete, macht ihn zu einem Vorläufer der Sophisten und zu einem Geistesgenossen des Xenophanes. Gotthold Ephraim Lessing hat ihn nicht zu Unrecht den griechischen Voltaire genannt.
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