Das Kapitaldeckungsverfahren ist eine Methode zur Finanzierung der Altersvorsorge. Beim Kapitaldeckungsverfahren werden Versichertenbeiträge einem Kapitalfonds zugeführt, so dass die Erträge des Kapitalfonds und der Fonds selbst die jeweils fällig werdenden Ansprüche der Versicherten abdecken können. Demgegenüber wird beim Umlageverfahren kein Fonds gebildet, sondern die Beiträge der aktiven Versicherten dienen in derselben Periode zur Deckung der Rentenansprüche der passiven Versicherten.
Vielfach wird vermutet, dass durch den Wechsel vom Umlage- zum Kapitaldeckungsverfahren innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung eine Entlastung der zukünftigen Beitragszahler erreichbar wäre. Die zentrale Frage ist dabei, ob die Last eines zukünftigen »Rentnerberges" durch die Bildung eines Kapitalstocks gemildert werden kann, ohne dass - wie im Umlageverfahren - die Beiträge erhöht oder die Renten gesenkt werden müssten.
Die jeweils erwerbstätige Generation muss stets zugunsten der Rentner auf Teile des gesamtwirtschaftlich verfügbaren Gütervolumens verzichten, und zwar unabhängig vom Finanzierungsverfahren. Ein Kapitalfonds kann höchstens die zukünftige Wachstumsrate und damit das gesamte für Verteilungszwecke verfügbare Sozialprodukt erhöhen. An der Notwendigkeit zur Änderung der Einkommensrelation zwischen den Generationen ändert sich damit nichts, nur ist es einfacher, aus einem wachsenden Sozialprodukt die steigenden Ansprüche der nicht mehr erwerbstätigen Generation zu finanzieren.
Allerdings dürfte bereits die Bildung eines Kapitalfonds gesamtwirtschaftliche Probleme verursachen. Bei schrumpfender Bevölkerung ist über einen längeren Zeitraum hinweg ein Anstieg der volkswirtschaftlichen Spar- und Investitionsquote erforderlich, wenn die Versorgung der zukünftigen starken Rentnerjahrgänge aus einem zusätzlichen Wachstum erfolgen soll. Der Versuch, gesamtwirtschaftlich vermehrt zu sparen, kann jedoch misslingen. Er ist nicht nur mit einer Doppelbelastung der Beitragszahler in der Übergangsphase, sondern auch mit einem Rückgang der Konsumgüternachfrage verbunden, der nicht ohne weiteres durch mehr Investitionen kompensiert wird. Zwar führen die höheren geplanten Ersparnisse möglicherweise zu Zinssenkungen, doch dürfte dieser Investitionen anregende Effekt die nachfragebedingte Verschlechterung der Absatzchancen kaum wettmachen. Per saldo ist daher ein Rückgang der Unternehmergewinne zu erwarten, wenn es nicht sogar zu Produktions- und Beschäftigungsverlusten kommt. Beides ist kaum geeignet, die Investitionstätigkeit zu beleben; eher schon könnte ein Investitionsrückgang und damit das Gegenteil der erhofften Wirkungen eintreten.
Selbst wenn die Bildung eines Kapitalfonds ohne erhebliche Wachstumsverluste möglich wäre, muss man sehen, dass dessen zukünftige Entlastungswirkung ungewiss bleibt. Bei steigender Rentnerzahl ist eine Teilauflösung erforderlich, die das Kapitalmarktangebot erhöht und den Wert des Fonds möglicherweise stark reduziert. Durch Entsparen steigt zudem die Konsumgüternachfrage. Bei Vollbeschäftigung ergeben sich Preissteigerungen, d.h. die Erwerbstätigen werden zu einem realen Konsumverzicht über höhere Preise statt über höhere Beiträge gezwungen. Auch trägt der Inflationsprozess zu einer weiteren Entwertung des Kapitalstocks bei.
Der Übergang zum Kapitaldeckungsverfahren stellt also schon aufgrund der damit verbundenen gesamtwirtschaftlichen Risiken keine Lösung der demographisch bedingten Probleme dar und erhöht letztlich auch nicht die ökonomische Sicherheit zukünftiger Rentnergenerationen.
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