Unter einer Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung versteht man eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Oft werden derartige Einrichtungen auch als Jugendhaus, Jugendzentrum, JUZ, Jugendcafé, Jugendtreff, Jugendklub, Kinderfreizeitheim oder ähnlich bezeichnet. Auch manche Schülerläden sind Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit.
Als Häuser der offenen Tür (HOT) bieten sie Kindern, Teenies und Jugendlichen niederschwellige Treffmöglichkeiten, Angebote und Programme. Oft spezialisieren sich einzelne Einrichtungen auf bestimmte Alters- und Zielgruppen (z.B. Jugendliche, Lückekinder). Entsprechend werden die Angebote der jeweiligen Einrichtung gestaltet.
Bundeseinheitlich sind die §§11-15 (Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit) des KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) die gesetzliche Grundlage der meisten Einrichtungen.
Die Träger von Jugendfreizeiteinrichtungen sind in der Regel Kommunen (Städte oder Gemeinden) sowie Kirchen oder andere freie Träger der Jugendhilfe (z.B. DRK, ASB, örtliche Vereine...). Die Fachaufsicht hat in der Regel das örtliche Jugendamt, das gleichzeitig mit dem Instrument des Jugendhilfeausschusses die Fördermittel für die einzelnen Einrichtungen festsetzt.
Arbeitsansätze
Typische Arbeitsschwerpunkte und die damit verbundenen sozialpädagogischen Konzeptionen von Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen sind häufig eine Kombination aus mehreren der folgenden Ansätze:
Prävention und Freizeitpädagogik: Alternativen zu "Herumhängen" und Langeweile durch attraktive Programme (z.B. Discos, Ferienprogramme, Kinder-und Jugendfreizeiten, Gruppenangebote) sowie durch unverbindliche Treffmöglichkeiten im Cafébetrieb mit Spielmöglichkeiten (typisch sind Kicker, Tischtennis, Billard und Spieleverleih an der Theke)
Beratung und Einzelfallhilfe: in schwierigen Lebenslagen und bei jugendtypischen Problemen (z.B. Übergang Schule-Beruf, Eltern, Drogen, Liebe und Sex, Rechtsfragen)
Partizipation: Teilhabe, Mitgestaltungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten bei Programmen und Projekten, in Teams und Arbeitsgruppen (z.B. Caféteam, Discoteam, Konzert-Arbeitsgruppe) sowie eventuell in Gremien oder dem Jugendhausverein
Party-zipation: Räume und Freiräume für Jugendliche und junge Erwachsene, (z.B. Vermietungen und private Raumnutzungen außerhalb der Öffnungszeiten, Raumvergabe an verschiedene Nutzergruppen, Proberäume für lokale Schülerbands)
Gemeinwesenorientierung und Vernetzung: Kooperation mit Schulen, Verbänden, Institutionen und Initiativen vor Ort bei Jugendthemen, Service und Verleih von Spielgeräten oder Veranstaltungstechnik für Jugend- und Kulturveranstaltungen
Selbstverwaltete Jugendhäuser
Unter dem Begriff selbstverwaltet wird verstanden, dass in dem Jugendhaus keine Sozialpädagogen die Entscheidungsgewalt haben, das ist das Konzept.
Stattdessen entscheidet eine Vollversammlung der Jugendlichen über die Verwendung der Finanzen, basisdemokratisch. In diesem Rahmen können Jugendliche sich selbst und ihre Fähigkeiten entdecken. Auch lernen sie die Funktionsweise von Demokratie kennen, Interessen durchzusetzen, die der anderen zu akkzeptieren, und dass nicht allen alles gerecht werden kann. Leider fehlen oft finanzielle Mittel, denn die Städte unterstützen solche Einrichtungen nur bedingt (bzw. gar nicht).
Zum Selbstverständnis und den Besonderheiten von selbstverwalteten Jugendhäusern finden sich zusätzliche Infos unter: Autonomes Jugendzentrum.
Zielgruppen
Jugendfreizeiteinrichtungen als niederschwellige Angebote erreichen insbesondere benachteiligte, sozial schwächere junge Menschen, die andernorts oft ausgegrenzt werden (Exklusion).
So spiegelt die typische Besucherstruktur einer Jugendfreizeiteinrichtung mit ihrem hohen Prozentsatz Jugendlicher aus Migrantenfamilien multi-kultureller Herkunft, überproportionalem Anteil an Haupt- und Förderschülern sowie einem hohem Anteil verhaltensschwieriger bis gewaltbereiter, vorzugsweise männlicher Jugendlicher gesamtgesellschaftliche Schieflagen.
Je nach Einrichtung und Arbeitsschwerpunkten werden mit zusätzlichen Angeboten weitere jugendliche Zielgruppen angesprochen. So wird im "gender mainstreaming" mit geschlechtsspezifischer Mädchenarbeit und in den letzten Jahren auch zunehmend über Jungenarbeit versucht, die Chancengleichheit beider Geschlechter zu verbessern.
Kinderangebote (Lücke-Treffs) und Teenie-Clubs richten sich an jüngere Altersgruppen. In manchen Einrichtungen existieren nach oben Altersbeschränkungen, um dem Verdrängen der Kinder durch Jugendliche entgegenzuwirken.
Kurse und besondere Einzelveranstaltungen zielen häufig auch auf Erwachsene oder ehrenamtliche Helfer.
Da es - im Gegensatz zum Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz - in Deutschland bislang noch keine verbindliche Verpflichtung für die Kommunen zum Betrieb von Jugendfreizeiteinrichtungen gibt, sind immer wieder - im Zuge von allgemeinen Sparmaßnahmen - Einrichtungen von der Schließung bedroht.
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