Je nach Schwerpunkt kann dabei unterschieden werden zwischen
Informationsökonomiegesellschaft - Betonung der wirtschaftlichen Veränderungen, z.B. Herausbildung eines "quartären" Sektors;
Informationstechnologiegesellschaft - IuK-Technologien als wesentlicher Faktor der wirtschaftlichen (und gesellschaftlichen) Entwicklung;
Informationsbenutzungsgesellschaft - Betonung des Nutzungsaspekts und der Bedeutung für die Menschen in einer Informationsgesellschaft; auch "informierte Gesellschaft" (Steinbuch1966), "informationsbewusste Gesellschaft" (Wersig1973).
Die Vorlage für die Idee einer Informationsgesellschaft geht wohl auf Marshall McLuhans Buch Das Globale Dorf (Global Village) aus den 40er Jahren zurück. McLuhans Buch ist keine ökonomische Vorhersage, sondern widmet sich vielmehr der Annahme einer globalen Vernetzung der Menschen und den soziologischen Implikationen, die daraus erwachsen könnten.
Ebenfalls zu erwähnen wäre hier Pierre Teilhard de Chardin und sein Buch Mensch im Kosmos aus den 1920er Jahren, in dem er eine Vernetzung der Menschen und die Wandlung der Erde von einer Biosphäre in eine Soziosphäre prognostiziert. Die Erde verwandele sich demnach also von einem Biotop in ein denkendes Wesen. De Chardin beschreibt das Ziel unserer Evolution mit Hilfe der Technik als das Zusammenwachsen der Einzelwesen zu einem großen Gemein-Wesen, die er als Noosphäre bezeichnet.
Die engeren Vorläufer des Leitbilds wurden in den 1960er Jahren entwickelt, als ein Wandel in der Beschäftigungsstruktur der industrialisierten Staaten bemerkt wurde, der zunächst als Dienstleistungsgesellschaft bezeichnet wurde. Zu diesen Vorläuferbegriffen gehört die Informierte Gesellschaft (Steinbuch1968, Haefner 1980 u.a.) und die Postindustrielle Gesellschaft (Bell 1973).
Der Begriff der Informationsgesellschaft wurde dann in den 1980er Jahren aus einem Teilbereich dieses tertiären Dienstleistungssektors ausdifferenziert, der nicht direkt zum Bruttosozialprodukt beitrug und mehr oder minder mit der Verarbeitung von Information zu tun hatte; diese Veränderungen werden auch als zweite industrielle Revolution oder kommunikative Revolution (Wersig1985) bezeichnet.
Die Utopie der Informationsgesellschaft wurde vor allem während der 1990er Jahre im Rahmen der Diskussion um die Information Highways thematisiert und entwickelt sich dort zunehmend zu einem sinnentleerten Schlagwort. In der öffentlichen Diskussion weiter diskreditiert wurde der Begriff im Zuge des "Platzens" der so genannten Internet-Blase der New Economy. Auf politischer Ebene wurde insbesondere John Perry Barlows Adaption der Frontier-Metapher auf das Internet kontrovers diskutiert. In Europa wurde der Begriff der Freiheitlichen Informationsinfrastruktur als techo-liberale Vision zur politischen Kommunikation der Frontier-Metapher entgegen gesetzt Im Zusammenhang mit der Digitale Kluft-Hypothese fordert Rademacher einen Marshallplan der Informationsgesellschaft.
Viele Autoren der Gegenwart wie Beck, Habermas, Lytoard und Giddens betrachten Komplexität als ein wesentliches Merkmal unserer Transformationsgesellschaft; die Komplexität führt zu Ungewißheit, daraus ergibt sich ein Gefühl der Überforderung. Als Lösung dieses Dilemmas liegt es nahe zu versuchen, die Komplexität und damit auch die Ungewißheit zu verringern. Genau dies leistet Information: "Information ist die Verringerung von Ungewißheit" (Wersig1971). Zur Bewältigung von Welt ist also eine Komplexitätsreduktionsgesellschaft bzw. Informationsgesellschaft anzustreben.
Bewährte Hilfsmittel der Komplexitätsreduktion sind beispielsweise:
Daniel Bell: "The coming of post-industrial society. A venture in social forecasting", New York, NY: Basic Books 1973, (deutsch: "Die nachindustrielle Gesellschaft", Frankfurt M.: Campus-V. 1975).
Bundesministerium für Wirtschaft (Hrsg.): Info 2000: Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft, Bonn 1996.
Bill Gates: Der Weg nach vorn. Die Zukunft der Informationsgesellschaft. München 1997.
Nicholas Negroponte: Total digital. Die Welt zwischen 0 und 1 oder die Zukunft der Kommunikation. München 1997.
Andreas Borrmann, Rainer Gerdzen: Kulturtechniken der Informationsgesellschaft, 1996
Sybille Krämer: Medien, Computer, Realität. Wirklichkeitsvorstellungen und Neue Medien, 1998
Peter A. Bruck, Guntram Geser: Schulen auf dem Weg in die Informationsgesellschaft, 2000
G. Knorz, Rainer Kuhlen: Informationskompetenz - Basiskompetenz in der Informationsgesellschaft. Konstanz 2000.
H. Krcmar: Informationsmanagement, Berlin usw: Springer, 2003
Herbert Kubicek: Die sogenannte Informationsgesellschaft. Neue Informations- und Kommunikationstechniken als Instrument konservativer Gesellschaftsveränderung. In: Elmar Altvater u.a.: Arbeit 2000, Hamburg 1985, S. 76-109.
Herbert Kubicek, Arno Rolf: Mikropolis. Mit Computernetzen in die "Informationsgesellschaft". Hamburg 1995.
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