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Ikone

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Die Ikone (v. griech. εικων, "Bild", "Abbild"; im Ggs. zu eídolon, "Trugbild", "Traumbild" und eidos, "Urbild", "Gestalt") ist das Kultbild der Ostkirchen, besonders der orthodoxen Kirche. Ikonen sind kirchlich geweihte Bilder und haben für die Theologie und Spiritualität der Ostkirchen eine sehr große Bedeutung. Der Zweck der Ikonen ist, Ehrfurcht zu erwecken und eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten zu sein, indirekt auch zwischen dem Betrachter und Gott. Ikonen werden in der Orthodoxen Kirche weder als Kunstgegenstände noch als Dekoration angesehen.


Auch die Orientalisch-Orthodoxen Kirchen, z.B. die Koptische Kirche oder die Armenische Apostolische Kirche (nicht jedoch die Assyrische Kirche), verehren Ikonen in ihrem Kultus. In koptischen Ikonen sind Einflüsse altägyptischer Kunst zu finden.


Inhaltsverzeichnis


1 Form und Darstellung

2 Theologie der Ikonen

3 Siehe auch

4 Weblinks


Form und Darstellung

Ikonen stellen Christus, Maria mit Kind und andere Heilige (entsprechend der orthodoxen Denkweise sind auch viele Protagonisten des alten Testaments Heilige), und Szenen aus der Bibel und aus dem Leben der Heiligen dar.


Ikonen haben in der Darstellung gemeinsame Züge, die von westeuropäischen Kunstvorstellungen abweichen und die oft theologisch begründet sind.


  • Die Motive sind größtenteils relativ fest vorgegeben, es werden existierende Ikonen als Malvorlage verwendet, nicht neue Motive entworfen. Beispielsweise wird Maria immer nur mit Jesus zusammen dargestellt.
  • Figuren sind gewöhnlich frontal dargestellt, nicht im Profil, um eine unmittelbare Beziehung zwischen Bild und Betrachter herzustellen
  • Die Darstellung ist strikt zweidimensional, Perspektive spielt keine Rolle. Dadurch wird betont, dass die Ikone Abbild der Wirklichkeit, nicht die Wirklichkeit selbst ist
  • Der Hintergrund ist üblicherweise goldfarben (selten auch silbern), was den Himmel symbolisiert
  • Die Formen sind einfach und klar.
  • Es gibt weder Lichtquellen noch Schatten.
  • Die Farben, die relative Größe der Figuren, ihre Positionen, und die Perspektive des Hintergrunds sind nicht naturalistisch, sondern haben symbolische Bedeutung. Die Perspektive des Hintergrunds wird oft gewollt "falsch" konstruiert, sodass der Fluchtpunkt vor dem Bild liegt.
  • Alle Hauptpersonen werden durch Überschriften identifiziert, um sicherzustellen, dass der Bezug auf eine reale Person immer erhalten bleibt und sich die Verehrung der Ikone nicht verselbständigt. Auch sonst finden sich oft Schriftrollen mit Texten in den Händen der Personen auf den Bildern, die in ihrer Funktion mit den Sprechblasen eines Comics vergleichbar sind.
  • Die individuelle schöpferische Ausdrucksweise des Malers ist irrelevant, Ikonenmalerei wird als religiöses Handwerk, nicht als Kunst gesehen (oft werden Ikonen von anonymen Künstlern oder in Manufaktur von mehreren Künstlern gemalt, klassischerweise werden sie nicht signiert.)


Ikonen sind heute in der Regel auf grundiertes Holz in Eitempera gemalte Tafelbilder ohne Rahmen. Bis zur mittelbyzantinischen Zeit wurde dagegen meist in Kaustik gemalt. Es gibt auch Mosaiken, Fresken, geschnitzte Ikonen (Elfenbein, Holz) als Flachreliefs bzw. Emailguss. Statuen und Statuetten dagegen sind in der Ostkirche ungebräuchlich, vor allem weil sie die frühen Christen allzu sehr an die heidnischen Religionen erinnerten.


Theologie der Ikonen

Die Ikone dient der Vergegenwärtigung (Repräsentanz) christlicher Wahrheiten.


Im Zuge des byzantinischen Bilderstreits erfolgte durch Johannes von Damaskus die theologische Begründung der Ikonendarstellung durch den Gedanken der Inkarnation: Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus ermögliche erst die bildliche Darstellung. Das mit der Unsichtbarkeit Gottes in vorchristlicher Zeit begründete biblische Bilderverbot (Exodus 20,4f.) werde gerade nicht verletzt, denn Gott selbst habe es im sichtbaren Christus durchbrochen. Die Ikonenverehrung in Form von Proskynese, Kuss, Kerzen und Weihrauch richte sich demgemäß nicht auf das Bild, sondern auf die "hinter" dem Bild präsente Wahrheit.


Ikonen werden nach bestimmten geregelten Mustern und Vorbildern gemalt, nicht nach der Phantasie. Es haben sich so zahlreiche Ikonentypologien entwickelt.


Ikonen sind ein wesentlicher Ausdruck der byzantinischen Kunst. Diese Kunst wurde in Griechenland, Bulgarien und besonders in Russland weiter gepflegt. Wichtige Ikonenmalschulen befanden sich in Wladimir, Nowgorod, Twer und Moskau.


Während im 18. und 19. Jahrhundert westliche Einflüsse die Ikonenmalerei veränderten oder sogar verfälschten, besann man sich im 20. Jahrhundert wieder stärker auf die Grundlagen. In Griechenland setzte sich der so genannte Neobyzantinische Stil durch; kennzeichnend sind u.a. die komplizierten geometrischen Muster in der Darstellung der Aura Christi und anderer Lichterscheinungen.


Wichtige Ikonenmaler waren u.a. Feofan Grek, Andrej Rubljow, Dionisisj.


Weitere Zentren der Ikonenmalerei befinden sich in Georgien, Serbien, Mazedonien bzw. Bulgarien. In Rumänien sind die Fresken der Moldauklöster von hoher Bedeutung.


Siehe auch



Weblinks



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