Muhammad I. ibn Nasr († 1273), Sultan von Granada (1232-1273)
Mit der Niederlage der Almohaden in der Schlacht bei Las Navas de Tolosa (1212) wurde deren Kontrolle über Andalusien erheblich geschwächt. Zum endgültigen Zusammenbruch ihrer Herrschaft führte der Aufstand des Ibn Hud in Murcia. Zwar unterwarf dieser fast alle muslimischen Gebiete in Andalusien, doch konnte er das Land nicht gegen die Angriffe von Kastilien und Leon verteidigen. 1232 erhob sich deshalb Muhammad I. ibn Nasr und ließ sich in Arjona zum Sultan ausrufen. Zwar musste er sich Ibn Hud 1234 unterwerfen, doch gelang ihm 1237 die Eroberung von Granada, welches zur Residenz seiner Herrschaft erhoben wurde. In der Folgezeit gelang es Muhammad I., durch die Anerkennung der kastilischen Oberhoheit (1245) als einzigem muslimischen Herrscher, die Unabhängigkeit zu behaupten. Dafür musste er aber erhebliche Gebietsverluste hinnehmen und 1248 Kastilien bei der Eroberung des muslimischen Sevilla Heerfolge leisten.
In der Folgezeit gelang Muhammad I. die Konsolidierung des Nasridenreiches. Durch die muslimischen Flüchtlinge, aus den von den Christen eroberten Gebieten, nahm die Bevölkerung erheblich zu und erreichte eine große Homogenität, so dass der alte Gegensatz zwischen Arabern und Berbern an Bedeutung verlor (siehe: Kalifat von Cordoba). Durch die muslimische Zuwanderung kam es zu einem erheblichen Wirtschaftsaufschwung. Allerdings blieb das Reich während seiner gesamten Existenz in seinem Außenhandel von den christlichen Seemächten Aragon und Genua abhängig. Unter Muhammad I. begann in Granada schon der Ausbau der Alhambra zur Festung und Residenz.
Gegen Ende seiner Regierung geriet Muhammad I. in Konflikt mit Kastilien, als dieses die Abtretung von Tarifa und Gibraltar forderte. Als dies abgelehnt wurde und Muhammad Aufstände der Mudejares in Kastilien förderte, zog Alfons X. bis nach Granada und erzwang 1265 eine Erhöhung der Tribute. Außerdem verbündete sich Kastilien mit den oppositionellen Banu Ashkilula. Muhammad I. unterstützte dagegen die kastilische Adelsopposition gegen Alfons X. Bei seinem Tod hinterließ Muhammad I. ibn Nasr ein gefestigtes Reich, dass noch weitere 200 Jahre dem christlichen Druck standhalten konnte. Nachfolger wurde sein Sohn Muhammad II. al-Faqih (1273-1302).
Literatur:
Lexikon der Arabischen Welt; Stephan und Nandy Ronart, Artemis Verlag, 1972
Geschichte der Arabischen Welt; Ulrich Haarmann, C.H. Beck München, 2001
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