Hysterie (von griechisch hystera, "Gebärmutter") beschreibt eine neurotische Störung, welche traditionell entweder durch ein vielfältiges körperliches Beschwerdebild ohne organische Grundlage charakterisiert ist: z.B. Gehstörung, Bewegungssturm, Lähmungen, Gefühlsstörung, Ausfall der Sinnesorgane wie Blindheit, Taubheit oder bei Menschen auftritt, welche eine dafür typische Persönlichkeitsstruktur
Heute gilt die hysterische Reaktion vor allem als eine Form der psychischen Konfliktlösung, die nicht unbedingt negative Folgen für den Betroffenen haben muss. Als wichtig hat die moderne therapeutische Forschung die Publikumsbezogenheit hysterischer Verhaltensweisen erkannt: Die meisten Symptome der Hysterie entfalten sich erst bei Anwesenheit eines (oder mehrerer) Gegenüber. Auch aus diesem Grund werden in nicht-wissenschaftlichen Zusammenhängen nicht selten Simulanten, Phantasten und zu exaltiertem Auftreten neigende Menschen pauschal als hysterisch bezeichnet.
Die Hysterie gilt die älteste aller beobachteten psychischen Störungen. Besonders häufig wurde sie im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert wahrgenommen und diagnostiziert. Bezeichnenderweise führte auch Sigmund Freuds Weg zur Psychoanalyse über die Hysterie, wobei sich Freud auf den Hysteriespezialisten Jean-Martin Charcot (1825-1893) berief. Der Begriff "Hysterie" wurde von Freud allerdings durch den der "Konversionsneurose" ersetzt, weil hier nach seiner Ansicht psychisches Leiden in körperliches konvertierte. Allerdings hat sich diese Umbenennung nicht durchsetzen können, auch weil mittlerweile klar ist, dass so gut wie jedes psychische Leiden körperliche Symptome hervorruft, die keineswegs "hysterisch" sein müssen.
Davon abgesehen, erscheint der Begriff Hysterie vor allem auch deswegen problematisch, weil ihm traditionell etwas Pejoratives anhaftet. Das hängt zusammen mit der vorgeblichen geschlechterspezifischen Bindung, die auf die antike Beschreibung der Hysterie in altägyptischen Papyri wie bei Platon und Hippokrates, die die wandernde Gebärmutter (griechisch: "hystera") für die Ursache der Krankheit hielten. Konzeptionell ging man davon aus, dass die Gebärmutter, so sie nicht regelmäßig mit Samen (Sperma) "gefüttert" wird, im Körper suchend umherschweift und sich dann am Gehirn festbeisst, was dann zum typisch "hysterischen" Verhalten führt.
Dem widersprach erstmals der englische Arzt Thomas Sydenham (1624-1689), auch Charcot wies darauf hin, dass Hysterie nicht ausschließlich eine Frauenkrankheit sei.
Dennoch wird der Begriff "Hysterie" neuerdings auch in der medizinisch - psychologischen Terminologie wieder häufig eingesetzt., jedoch zumeist - auch in der offiziellen Terminologie - durch den (geschlechts-)neutraleren Begriff 'histrionisch' (von lat. 'histrio' - 'Schauspieler') ersetzt.
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