Die Hutterer unterscheiden sich von den Mennoniten durch ihr Leben in Gütergemeinschaft nach den Bibelvers aus der Apostelgeschichte "Und alle, die da waren gläubig geworden, lebten zusammen und hatten alle Dinge gemein".
Das hutterische Weltbild ist vom Gegensatz gut (himmlisch/Gott) vs. böse (weltlich/Teufel) und einer wörtlichen Auslegung der Bibel geprägt.
Durch die Verfolgung bildeten sich Glaubensinseln von Gleichgesinnten, besonders in Böhmen und Mähren wo die Hutterer wegen ihres Fleißes willkommen waren und nicht verfolgt wurden. 1533 wird Jakob Hutter zum Oberhaupt einer Gemeinschaft gewählt und verwirklicht dort seine Vorstellungen einer gottgefälligen Gemeinschaft. Neben einem arbeitsamen, keuschen und bibelgetreuem Leben gehörte dazu vor allem die Idee des gemeinsamen Besitzes. Die entstehenden Gemeinden würde man aus heutiger Sicht als kommunistische Gruppen einordnen.
Bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges blüht das hutterische Gemeindeleben, die Chroniken sprechen von den "Guten Jahren". Rund 100 Kolonien bestehen damals mit etwa 30.000 Bewohnern. Während des Krieges werden die friedfertigen Hutterer immer wieder Ziel marodierender Landsknechte.
1622 befahl der Kaiser und böhmische König Ferdinand II. (HRR) den Hutterern entweder zum katholischen Glauben überzutreten oder sein Land binnen vier Wochen zu verlassen. Damit begann die lange Wanderschaft der hutterischen Gemeinden, über den Balkan zogen sie nach Siebenbürgen, wo sie sich ansiedelten, das Land aber 1767 wieder verlassen mussten. Sie folgten dem Ruf der jungen, russischen Zarin Katharina der Großen, die weite unbewohnte Landstriche besiedeln wollte und den Hutterern und ihren Nachkommen Land und freie Religionsausübung versprach. 1874 sollte auch für die Hutterer die allgemeine Wehrpflicht eingeführt werden, woraufhin die die Gemeinschafter beschlossen nach Nordamerika auszuwandern.
Über Hamburg und New York zogen die Hutterer nach South Dakota, wo sie sich ansiedelten. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges kam es zu Ausschreitungen gegen die deutschsprechenden Hutterer. Sie wurden als den Deutschen zugehörig empfunden und weigerten sich, den Militärdienst auszuüben. Zwei junge Hutterer starben, weil sie sich weigerten Uniformen anzuziehen und deshalb im Winter viele Stunden nackt im Freien verbringen mussten. Darauf beschlossen die Hutterer geschlossen nach Kanada auszuwandern, doch zog sich der Prozess der Auswanderung (Verkauf all ihrer Ländereien, Kauf neuer in Kanada) solange hin, dass zu Ende des Krieges noch nicht aller Besitz in den USA verkauft war.
Es gibt wohl heute 2004 ca. 70.000 Hutterer, fast ausschließlich in Kanada und den USA, die in mehreren hundert so genannten "Kolonien" leben. Fast alle dieser Hutterer stammen von den 400 Hutterern ab, die nicht den "Homestead-Act" von 1862 in Anspruch genommenen haben.
Die damals in die USA einwandernden Hutterer hatten nur 15 Familiennamen: Decker, Ents, Glanzer, Gross, Hofer, Kleinsasser, Knels, Mandel, Stahl, Tschetter, Waldner, Walther, Wipf, Wollmann, Wurz. Seit dem sind nur wenige Menschen dauerhaft zu ihnen gestoßen.
Die Althutterer teilen sich in "Schmiedeleit", (schon immer etwas aufgeschlossener) unter Michael Waldner entstanden aus der Kolonie "Bon Homme"; "Lehrerleut" (früher liberaler, heute erstarrt) unter Jakopf Wipf entstanden aus der Kolonie "Almspring"; "Dariusleut" (relativ konservativ) unter Darius Walther entstanden aus der Kolonie "Wolf Creek".
Darüber hinaus gab es die so genannten "Prärieleut", ca. 800 der etwa 1.200 in den 1880ger Jahren in die USA eingewanderten Hutterer. Die "Prärieleut" machten vom damaligen "Homestead-Act", Gebrauch, der jeder Familie, die eine von der eigenen Familie bewirtschaftete Farm gründen wollte, kostenfrei ein Stück Land zuwies, dass sie innerhalb einer gewissen Frist zu bebauen hatten. Die "Prärieleut" verloren aber relativ schnell ihre Hutterische Identität und dann auch ihren Hutterischen Glauben. Sie scheinen durch die repressiven Maßnahmen während des Zweiten Weltkrieges gegen alle deutschsprachigen in den USA endgültig als eigenständige Gruppe aufgehört zu haben zu existieren. Heute gehören viele Mennonitischen Kirchen an.
Michael Holzach : Das vergessene Volk - Ein Jahr bei den deutschen Hutterern in Kanada, dtv München 1982
John A. Hostettler: Hutterite Society. 1974: The Johns Hopkins University Press
John Hofer: The History of the Hutterites, unter Mitarbeit von David Wiebe und Gerhard Ens. 1982. Altona (Canada): D.W Freisen & sons Ltd.
Victor Peters: Die Hutterischen Brüder 1528-1992, Die geschichtliche und soziale Entwicklung einer erfolgreichen Gütergemeinschaft. Aus dem Englischen übertragen von Jack Thiessen. 1992, Marburg: N.G. Elwert Verlag
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