Heinrich Hübsch wurde am 9. Februar1795 in Weinheim an der Bergstraße als Sohn des fürstlich Thurn- und Taxischen Postverwalters Karl Samuel Hübsch geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Darmstadt, das damals unter der Leitung des Pädagogen I.G. Zimmermann stand, schrieb sich Heinrich Hübsch im Frühjahr 1813 an der Universität Heidelberg ein, wo er Philosophie und Mathematik studierte. Doch die wissenschaftliche Ausbildung befriedigte den Studenten nicht, vielmehr erwachte nach seiner Beschäftigung mit den Werken Goethes und Schlegels sowie der altdeutschen Gemäldesammlung der Brüder Sulpiz und Melchior Boisseree sein Interesse an der Kunst.
Nach dem Eintritt in die Bauschule Friedrich Weinbrenners in Karlsruhe 1815 mußte Hübsch zunächst seine eigenen künstlerischen Ambitionen zurückstellen. 1817 unternahm er eine Reise nach Italien, wo er während seines dreijährigen Aufenthalts vorzugsweise in Rom, dem Zentrum des deutschen Kunstlebens, lebte. Hübsch studierte die antike Architektur und gab nach einer Reise im Jahr 1819 nach Athen und Konstantinopel 1822 in Heidelberg zwei Werke über griechische Architektur heraus. Wichtiger für seine Entwicklung war jedoch der Umgang mit den in Rom lebenden Künstlern.
Hübsch lernte in Rom auch die frühchristlichen Basiliken kennen, in denen er Vorbilder für sein eigenes Schaffen erkannte. Auch die Gotik Ober- und Mittelitaliens, die ihm auf der Hinreise im Vergleich mit der deutschen Gotik, unvollkommen erschienen war, gewann für ihn auf der Heimkehr entscheidende Bedeutung.
1820 legte Hübsch bei Friedrich Weinbrenner die Staatsprüfung ab und kehrte, weil sich in Karlsruhe keine geeignetes Tätigkeitsfeld für ihn fand, 1822 zur Vollendung seiner Studien nach Rom zurück. Auf Empfehlung des Historikers Böhmer erhielt er im Frühjahr 1824 eine Anstellung als Lehrer an der Gewerbeschule des neugegründeten Städelschen Instituts in Frankfurt, 1827 wechselte er, nachdem er sich als Architekt der evangelischen Kirche in Barmen (1825-1829) und des Waisenhauses in Frankfurt (1826-1829) einen Namen gemacht hatte, in den badischen Staatsdienst.
1832 wurde Hübsch die Leitung der Karlsruher Bauschule übertragen, wo er bis 1854 lehrte. Als Weinbrenners Nachfolger in der Leitung der badischen Baudirektion war er bis zu seinem Tod 1863 der führende Architekt des Großherzogtums Baden.
In seiner architekturtheoretischen Schrift »In welchem Style sollen wir bauen?« rechnet er 1828 mit der klassizistischen Baukunst des frühen 19. Jahrhunderts ab. Als Hübsch die Frage »In welchem Style sollen wir bauen?« stellte, war er sich seiner Antwort sicher. Der moderne Rundbogenstil, der sein Programm darstellte, ließ kaum eine freie Wahl zwischen gleichwertigen Alternativen. Trotzdem fasst seine Frage das Problem eindeutig in Worte, das mit dem 19. Jahrhundert erstmals in der Kunstgeschichte auftrat. In dem Augenblick, da die Frage gestellt wurde, erhielt sie einen immer weiteren Inhalt, und es wurde immer schwieriger sie eindeutig zu beantworten. Die Epoche des Historismus, der den Klassizismus des frühen 19. Jahrhunderts als kalt und dürftig erachtete, machte Anleihen bei allen Epochen der abendländischen Kunst und bediente sich, um so älter das Jahrhundert wurde, einer immer üppigeren Formensprache.
Literatur
Coenen, Ulrich: Heinrich Hübsch und seine Kirchenbauten in Altschweier und Bühlertal. In: Bühler Heimatgeschichte Nr. 11 (1997), Seite 47-53
Valdenaire, Arthur: Heinrich Hübsch - Eine Studie zur Baukunst der Romantik, Karlsruhe 1926.
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