Auch als Hospitalismus-Syndrom; Hospitalschaden, Deprivationssyndrom, anaklitische Depression oder Deprivation bezeichnet.
Entwicklungsverzögerungen und Entwicklungsstörungen bei längerem Krankenhaus- oder Heimaufenthalt infolge unpersönlicher Betreuung und mangelhafter individueller Zuwendung. Durch die Einweisung in ein Heim, die lieblose Betreuung zu Hause oder gar Misshandlung kommt es oft zu einer ängstlich-vermeidenden Bindung des Kindes an die Erzieher und das Urvertrauen wird frühzeitig wieder zerstört. Folgende Symptome sind möglich:
bei Babys in Säuglingsstationen herrscht aufgrund oftmals liebloser Betreuung eine erhöhte Sterblichkeit,
intellektuelle und emotionale Retardierung,
motorische Verlangsamung,
Kontaktstörungen, die das Ausmaß eines Autismus erreichen können,
Aggressivität,
Teilnahmslosigkeit und Apathie sowie Passivität,
Angstzustände,
motorische Stereotypien,
motorische Unruhe bis hin zu idiotie-ähnlichen Bewegungen,
Konzentrationsstörungen,
Lernstörungen,
Leistungsschwäche,
manchmal Störungen des Appetits (verminderte oder gesteigerte Esslust),
Depressionen und Weinerlichkeit,
möglicherweise Verantwortungslosigkeit gegenüber sich selbst und den Mitmenschen,
Jaktation (jactatio capitis, jactatio corporis) bis zur Selbstverletzung,
Regredierung, Regression (erworbene Fähigkeiten gehen wieder verloren, ein Zurückgreifen auf frühere Verhaltensweisen)
Ähnliche Störungen kommen auch bei Tieren vor. In einem Tierversuch hat man Kücken isoliert in verschiedenen Käfigen gehalten und beobachtet. Nach einiger Zeit saßen sie in einer Ecke des Käfigs und starrten die Wand an. - Manche Zootiere, die lange Zeit in Gefangenschaft leben, neigen zu motorischer Unruhe und idiotie-ähnlichen Bewegungen (z.B. an der Wand hin und her rennen).
Mögliche Folgen von Hospitalismus
Die Folgen von infektiösem Hospitalismus sind gravierend. Gerade alte, geschwächte oder chronisch kranke Menschen, auch Leute mit Dauerkatheter oder Frischoperarierte, infizieren sich mit Krankheitserregern. Auch die Nachlässigkeit und die mangelnde Desinfektion der Räume und der medizinischen Geräte sowie die persönliche Hygiene sind ein großes Problem in Krankenhäusern und Arztpraxen und können zu gefährlichen Infektionen führen.
Die Folgen von psychischen Hospitalismus (Deprivation, anaklitische Depression) sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Die Kinder retardieren und/oder entwickeln später zum Beispiel eine Bindungsstörung (ICD-10 F94) oder eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43). Langzeitpatienten in Krankenhäusern, Altenheimen und Anstalten können regredieren und beispielsweise von einer Depression (ICD-10 F32) betroffen sein.
Vorbeugung des infektiösen und des psychischen Hospitalismus
Genaue Beachtung der Hygienevorschriften in Krankenhäusern und Arztpraxen, Dauerkatheter nicht länger als nötig, häufige Händedesinfektion, Reinhaltung der Kleidung, Desinfektion des medizinischen Gerätes, Medizinbehälter nicht offen stehen lassen, Medikamente nicht länger als nötig anwenden (Resistenzbildung!), peinliche Sauberkeit bei und nach Operationen.
Mittlerweile ermöglicht man Hautkontakt zwischen Mutter und Kind im Krankenhaus (so genanntes Bonding). Waisenkinder werden vorzugsweise in Pflegefamilien untergebracht. Es gibt Besuchsdienste, die sich um alte und kranke Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen kümmern.
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