Vater Wilhelm Honecker (*1881; † 1969) war Bergarbeiter und heiratete 1905 Caroline Catharina Weidenhof (* 1883; † 1963). Zusammen hatten sie sechs Kinder: Katharina Käthe (*1906; † 1925), Wilhelm (Willi) (*1907; † 1944 in Ungarn), Frieda (*1909; † 1974), Erich, Gertrud Hoppstädter (*1917) geb. Honecker und Karl-Robert (*1923; † 1947).
Erich Honecker wurde in Neunkirchen (Saar) geboren, jedoch zog seine Familie wenig später in den heutigen Neunkircher Stadtteil Wiebelskirchen.
Erich Honecker war als Jugendlicher Mitglied der kommunistischen Jugendorganisation "Jung-Spartakus-Bund". 1926 trat er dem "Kommunistischen Jugendverband Deutschland" (KJVD) bei, wo er 1929 Leiter seiner Ortsgruppe wurde. 1928–30 arbeitete er als Dachdeckergehilfe und begann eine Dachdeckerlehre, die er aber abbrach.
Beginn der politischen Aktivität
1930, mit 18 Jahren, trat er der KPD bei. 1930/31 besuchte er die internationale Lenin-Schule in Moskau. Nach seiner Rückkehr wurde er Bezirksleiter des KFVD Saargebiet. Ab 1933 war die Arbeit der KPD in Deutschland nur noch im Untergrund möglich. Das Saargebiet jedoch gehörte nicht zu Deutschland. Honecker wurde kurz in Deutschland inhaftiert, jedoch bald entlassen. Er kam 1934 ins Saargebiet und arbeitete in der Kampagne gegen den Anschluss ans Deutsche Reich. Mit dem Ergebnis der Abstimmung vom 13. Januar1935 für Deutschland war dies jedoch hinfällig. Honecker floh zunächst nach Frankreich. Im August reiste er unter Decknamen nach Berlin, eine Druckerpresse im Gepäck. Im Dezember 1935 wurde er von der Gestapo verhaftet. Er wurde 1937 zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er bis 6. März1945 im Zuchthaus Brandenburg/Görden verbrachte.
Nachkriegszeit
Nach seiner Befreiung aus dem Zuchthaus war er 1946 Mitbegründer und bis 27. Mai1955 Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend. Er organisierte die drei Deutschlandtreffen der Jugend in Berlin ab 1950 und wurde einen Monat nach dem 1. Deutschlandtreffen ins Politbüro des ZK der SED aufgenommen. 1956 kam er von einer Schulung aus Moskau zurück. Er hatte dort den XX. Parteitag der KPdSU mit Chruschtschows Rede zur Entstalinisierung erlebt. Er war ein maßgeblicher Organisator des Baus der Berliner Mauer im August 1961.
Von 1947–1953 war er in erster Ehe mit der FDJ-Funktionärin Edith Baumann verheiratet, mit der er die Tochter Erika (*1950) hatte. Im Dezember 1952 brachte seine zweite Frau Margot Feist, die er 1953 heiratete, die Tochter Sonja zur Welt.
Karriere in der DDR
Er drängte Walter Ulbricht mit Hilfe der neuen sowjetischen Führung unter Leonid Breschnew aus dem Amt. Während Ulbricht die Wirtschaftspolitik ins Zentrum gerückt hatte, war für Honecker die Sozialpolitik entscheidend. Er deklarierte sie als "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik". Am 3. Mai1971 wurde er als Nachfolger Walter Ulbrichts Erster Sekretär des ZK der SED, seit 1976Generalsekretär der SED. Ab 29. Oktober1975 hatte er auch den Vorsitz im Staatsrat der DDR inne (als Nachfolger von Willi Stoph).
Während seiner Amtszeit wurden der Grundlagenvertrag mit der Bundesrepublik Deutschland ausgehandelt, an den KSZE-Verhandlungen in Helsinki teilgenommen und die DDR als Vollmitglied in die UNO aufgenommen. Sie gelten als die größten außenpolitischen Leistungen Honeckers.
Bei einem Besuch in Japan wird er im Mai 1981 von der Nihon-Universität Tokio mit einem Ehrendoktortitel (Dr. h. c.) geehrt. 1985 bekam er vom IOC den Olympischen Orden in Gold.
Innenpolitisch zeichnete sich eine Liberalisierungstendenz v. a. im Bereich der Kultur und Kunst ab. Im Gegensatz hierzu stand die Ausbürgerung Biermanns und die Unterdrückung des innenpolitischen Widerstands gegen diese Ausbürgerung. Wirtschaftspolitisch wurden unter Honecker die Verstaatlichung und Zentralisierung der Wirtschaft vorangetrieben.
Am 18. Oktober1989 musste er im Zuge der politischen Wende in der DDR von allen Ämtern zurücktreten und wurde am 3. Dezember1989 aus der SED ausgeschlossen. Im November 1989 erließ der Generalstaatsanwalt der DDR ein Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs und Hochverrats. Honecker wurde verhaftet, allerdings einen Tag später wieder freigelassen.
Er kam mit seiner Frau bei der Familie des evangelischen Pfarrers Uwe Holmer in Lobetal unter. Einige Monate später floh er am 13. März1991 nach Moskau. Als sich abzeichnete, dass die sowjetische Führung unter Gorbatschow ihn nicht schützen würde, flüchtete er sich in die chilenische Botschaft. Wegen eines Haftbefehls der Bundesrepublik wurde er am 29. Juli1992 an Deutschland ausgeliefert. Trotz des bekannten fortgeschrittenen Leberkrebsleidens wurde er dort wegen des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze vor Gericht gestellt und muss zur Untersuchungshaft in das Gefängnis Berlin-Moabit. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes wurde das Verfahren allerdings 1993 nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts eingestellt.
Im Januar 1993 fliegt Erich Honecker nach Chile, zu der Familie seiner Tochter Sonja Yánez geb. Honecker (* 1951), die dort mit ihrem chilenischen Ehemann Leo Yánez und ihrem Sohn Roberto Yánez wohnt. Dort stirbt er im Alter von 81 Jahren am 29. Mai1994 in Santiago de Chile (Chile) an Leberkrebs.
Sonstiges
Es gibt auch eine 20-Pfenig-Briefmarke mit Honecker-Abbildung aus dem Jahre 1972, die ihn im Rahmen der "Deutsch-Sowjetische Freundschaft" mit Breschnew zeigt.
Literatur
Aus meinem Leben, Erich Honecker, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1980
Entwickelter Sozialismus und Gewerkschaften - Aus Reden und Schriften 1971-1982, Erich Honecker, Verlag Tribüne Berlin (DDR), 1982
Tatort Politbüro, Die Akte Honecker, Peter Przybylski, rororo Sachbuch 9328, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1992
Die Revolution entlässt ihre Kinder, Wolfgang Leonhard, 1954 – über die deutschen Kommunisten im Exil in Moskau, die Rückkehr nach Deutschland und die Anfänge der DDR
Bekannte Zitate
Vorwärts immer, rückwärts nimmer
Den Sozialismus – so sagt man bei uns immer – in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.
Die Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt sind.
Überall muss ein einwandfreies Schussfeld gewährleistet sein. (3. Mai 1974 zur Berliner Mauer)
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