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Hollandgänger

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Der Begriff Hollandgänger bezeichnet Wanderarbeiter, die in der Zeit von 1650 bis 1914 - von der sozialen Not getrieben - aus wirtschaftlich schwachen Gebieten Deutschlands saisonal ins benachbarte Holland zogen, um dort zu arbeiten und ein dringend benötigtes Einkommen für sich und ihre Familien zu erarbeiten. Wanderarbeiter, die es nach West- oder Ostfriesland zog, wurden auch als "Frieslandgänger" bezeichnet.


Die Hollandgänger brachen typischerweise in einer gemeinsamen Wanderbewegung im Frühjahr von ihrer Heimat zu Fuß auf und nutzten feste Hollandgängerwege, die zu zentralen Treffpunkten führten. Die Wanderarbeiter waren in Holland vor allem als Tagelöhner in der Landwirtschaft beschäftigt, vielfach als Grasmäher oder Torfstecher. Das Torfstechen galt als die schwerste Arbeit, die allerdings auch am höchsten bezahlt wurde. Andere Hollandgänger arbeiteten als Seeleute, Ziegler, Deckenhausierer, Heringsfänger und Walfischfänger. Die Zahl der Hollandgänger zwischen 1700 und 1875 wird auf durchschnittlich mehr als 20.000 im Jahr geschätzt.


Die Hollandgänger kamen primär aus den von großer Rückständigkeit und Armut geprägten Landstrichen Westfalens (vor allem Lipperland, Münsterland), des Osnabrücker/Mindener und des oldenburgischen Raumes sowie aus dem Unterwesergebiet. Wenig fruchtbare Geest-, Moor- und Heidelandschaften warfen in diesen Landstrichen zum Teil nur geringe Beträge ab, die ländliche Bevölkerung war von drückenden Steuern und Abgaben geplagt. Eingezwängt in traditionelle ländliche Strukturen kam es zudem bei relativ hohem Bevölkerungszuwachs kaum noch zur Schaffung neuer Vollbauernstellen. Als Folge entstand eine zunehmende Zahl von angesessenen Kleinbauern (Kötner, auch Kötter oder Kätner genannt), vor allem aber von landarmen Kleinstellenbesitzern (Brinksitzer oder Brinkkötter, auch Anbauer geheißen) sowie eine stark anwachsen-de, nichtangesessene landlose Schicht von Heuerlingen, Häuslingen (auch als Einlieger oder Mietsleute bezeichnet), die nicht zur eigentlichen Dorfgemeinde zählten.


Diese Heuerlinge, Häuslinge und Brinksitzer stellten den Hauptstrom der Hol-landgänger, der allerdings vielfach noch durch (verschuldete) Kötner, aber auch nichterbberechtigte Söhne von Kleinbauern und sogar Vollbauern ergänzt wur-de. Das vorherrschende Anerbenrecht ließ eine Teilung der Höfe nicht zu. Der Besitz ging so auf den erstgeborenen Sohn über, andere männliche Nachkom-men wurden abgefunden. Nur vereinzelt schlossen sich Bauern, soweit sie in wirt-schaftliche Not geraten waren, den Arbeitswanderern an. Angehörige der älteren Generation gingen allein in Zeiten akuter ökonomischer Krisen auf Wanderarbeit. In der Regel verdingten sich dazu jüngere Männer. Die Unverheirateten dieser jungen Männer blieben - wie man aus holländischen Kirchenbüchern entnehmen kann - nicht selten auch dauerhaft in Holland und gründeten Familien.


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