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Halsbandsittich in vielen Sprachen

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Dieser Artikel gibt am Beispiel des Halsbandsittichs eine Überblick, wie Sprachausbau vor sich geht und vermittelt auch eine Eindruck über den Stand des Sprachausbaus einzelner Standardsprachen.


Kaum eine Sprache benötigt dringend eine Bezeichnung für diesen Vogel, der nirgendwo eine überragende Bedeutung hat, aber aufgrund seiner sehr weiten Verbreitung bietet es vielen Sprachen die Möglichkeit ein eigenes Wort für das Tier zu bilden, das zumindest als Käfigvogel fast weltweit verbreitet ist und auch als wildlebender Vogel das größte Verbreitungsgebiet aller Papageienvögel hat.


Ein Extrembeispiel ist der Vergleich zwischen Isländisch und Hindi: Obwohl es nur etwa 300.000 Sprecher des Isländischen gibt, war es ein leichtes, die klar definierte Bezeichnung für den Halsbandsittich zu erfahren, während trotz intensivster Anstrengungen kein eindeutiges Hindi-Wort zu erhalten war, obwohl es mindestens 400 Millionen Hindi-Muttersprachler gibt und der Halsbandsittich in fast ganz Indien ein häufiger Vogel ist, was man von Island nicht behaupten kann. Zudem verfügt Indien über eine mindestens tausend Jahre ältere Schriftkultur als Island!


Ähnlich überraschend ist, dass eine so große und traditionsreiche Sprache wie das Arabische über kein eindeutiges Wort zur Bezeichnung des Tieres verfügt, wohingegen das einst als Muttersprache ausgestorbene Hebräische ein eindeutiges Wort kennt.


Auch das Neugriechische, die europäische Schriftsprache mit der längsten Tradition, verfügt erst seit kurzem über ein eindeutiges Wort, obwohl der wissenschaftliche Name eine altgriechische Wurzel hat. Esperanto dagegen, eine "traditionslose" Plansprache, schon etwas länger.


Polnisch, Slowakisch und Ungarisch, Sprachen, bei denen viele solches nicht vermuten würden, verfügen über eine ausgefeilte Nomenklatur für Papageien.


Tabelle


Inhaltsverzeichnis


1 Erklärung der Sonderzeichen

1 Allgemeines zur Benennung

2 Moderne Standardsprachen

3 Möglichkeiten zur näheren Bestimmung

4 Andere Sprachen

5 Bemerkungen zu einzelnen Sprachen


Erklärung der Sonderzeichen

  • ? hinter dem Namen bedeutet, dass ich nicht sicher weiß, ob der Name so richtig ist.
  • {}geschwungene Klammern zeigen Namen, die nicht mit Sicherheit von der Wissenschaft in der jeweiligen Sprache offiziell verwendet werden.
  • ( ) runde Klammern bezeichnen die lateinschriftliche Transskription, die in etwa die Aussprache angibt.
  • [] eckige Klammern bezeichnen die lateinschriftliche Transliteration, die die Originalschreibweise erkennen lässt.
  • + Chinesisch und Japanisch kennen keine formal von der Einzahlform verschiedene Mehrzahlform. Im Koreanischen ist es ähnlich, wobei, wenn es unbedingt nötig ist, eine Nachsilbe zur Pluralmarkierung zur Verfügung steht.
  • ++ von allen finnischen Bezeichnungen am geläufigsten.
  • +++ Tutian ist die klassische schriftsprachliche Mehrzahlform, Tutiha ist dagegen umgangssprachlich.


Allgemeines zur Benennung

Ob man ein spezielles Wort für Psittacula krameri in einer Sprache finden kann oder nicht, hängt sehr von den Lebensbedingungen der Sprecher der einzelnen Sprachen ab. Völker, die noch in einer sehr engen Beziehung zur Natur leben, haben für gewöhnlich einen sehr reichen und spezifischen Wortschatz für die Pflanzen und Tiere, die um sie herum leben.


Doch verfügen solche Völker fast nie über eine Schriftkultur, die diese Bezeichnungen auch schriftlich festhält. Nur Völkerkundler, die sich auch für die Umwelt der beobachteten Völker interessieren, halten manchmal diese Wörter auch schriftich fest.


Hat sich erst einmal eine Schriftkultur entwickelt, ist die Beziehung zur Natur meist schon so gelockert, dass andere Dinge, die für wesentlich wichtiger gehalten werden, niedergeschrieben werden. Erst wenn Teile einer Gesellschaft, die der Schrift kundig sind, beginnen, sich mehr oder weniger systematisch oder wissenschaftlich mit der sie umgebenden Natur zu beschäftigen, entsteht wieder ein Bedürfnis, die noch vorhandenen Begriffe aufzuzeichnen oder neue und genauere Begriffe zu schaffen.


In vielen Fällen greift man dabei aber auf die europäischen Wissenschaftsprachen zurück, in der Regel auf das Englische oder Französische. Erst eine längere Zeit der Pflege der eigenen Sprache führt dann wieder dazu, dass eigene, differenzierte Begriffe geschaffen werden.


Deshalb gibt es in fast allen europäischen Sprachen eindeutige Begriffe. Auch das Japanisch, Chinesisch und Koreanisch haben diesen Prozess durchlaufen. Alle anderen afrikanischen und asiatischen Sprachen haben diesen Prozess (noch) nicht durchlaufen.


Moderne Standardsprachen

Die verschiedenen Namen für den Halsbandsittich zeigen bei diesen Sprachen immer wieder die gleichen Muster. Meist stellt man zu einem Wort, das Papagei oder Sittich heißt oder das speziell die Gattung Psittacula bezeichnet, ein oder mehrere Wörter hinzu, die dieses näher bestimmen.


Möglichkeiten zur näheren Bestimmung

1. Man bezieht sich auf Alexander den Großen, der die ersten Papageien nach Europa gebracht haben soll (deutsch, dänisch, slawisch, finnisch, ungarisch Sandor = Alexander). Zur Unterscheidung gegenüber dem Psittacula eupatria, der größer ist als der Psittacula krameri, stellt man noch das Wort "klein" hinzu, (dänisch Lille, slawisch Mal-, bzw. in kyrillischer Schrift Мал-, rumänisch Micu, ungarisch Kis). Im Polnischen ist das Wort Alexandretta zur Bezeichnung für die Gattung Psittacula geworden, ähnlich wie bei uns der wissenschaftliche Gattungsname Amazona zum deutschen Gattungsnamen Amazone geworden ist. Genauso verhält es sich im Tschechischen mit dem Wort Alexandr und eventuell auch in den südslawischen Sprachen Slowenisch, Kroatisch, Serbisch und Bulgarisch sowie ev. im Rumänischen.


2. Man bezieht sich auf den Streifen um den Hals und gebraucht das Wort für Halsband, Halskette (deutsch, niederländisch, festland-nordgermanisch Halsband; französisch Collier, italienisch Collare, spanisch Collar, portugiesisch Colar, Esperanto Kolumo, polnisch Obroża, griechisch Dhaktilidholémis, ungarisch Örvös, finnisch Kaulus, estnisch Kaelus, türkisch Kolye-li aus französch Collier bzw. Halka-lı = mit Ring, chinesisch Lǐng, japanisch Wakake, koreanisch Mokdori). Das Isländische ist in seiner Bezeichnung noch etwas genauer und sagt Papagei mit dem Ringhals. Das Englische und das Portugiesische geben dabei zum Teil noch die Farbe des Streifens an (ROSE-ringed, Rosa, ebenso chinesisch Hóng = rot, türkisch Kırmızı = rot)


3. Man übernimmt aus dem wissenschaftlichen Namen das Wort "krameri", das eigentlich "von Kramer" bedeutet, zur näheren Bestimmung, (so im Katalanischen, Hebräischen, Litauischen und teilweise noch im Französischen ).


Manche Sprachen geben noch die Farbe des Vogels an:


  • Türkisch: Yeşil = grün (Kırmızı Kolyeli Yeşil Papağan = Rot-Collier-Grün-Papagei),
  • Chinesisch: Lǜ = grün ( "Hóng Lǐng Lǜ Yīngwǔ" = "Rot-Halsband-Grün-Papagei").


Zum Japanischen siehe die Bemerkung unten. Dass es in der Zwischenzeit Halsbandsittiche in unzähligen Farbmutationen gibt, wird diejenigen, die diese Bezeichnungen ersonnen haben, wohl nicht sehr begeistern.


Andere Sprachen

Viele afrikanische und asiatische Sprachen, die im natürlichen Verbreitungsgebiet des Halsbandsittichs gesprochen werden, kennen höchst wahrscheinlich eine spezifische Bezeichnung für den Halsbandsittich.


Leider wurden diese Begriffe noch nicht systematisch aufgezeichnet. Für das Amharische, das über das Ge'ez auf eine lange Schrifttradition blicken kann, konnte ich das entsprechend Wort nicht ausfindig machen.


Das gleiche gilt für Swahili, Hausa und die Sprache der Fulbe, das Fulfulde oder Pular. Für Hindi, Urdu, Pandschabi, Kaschmiri, Marathi, Tamil, Persisch und Paschtu habe ich Bezeichnungen gefunden, die nicht in der Neuzeit irgendwie gebildet werden mussten, sondern wohl schon lang zum allgemeinen Wortschatz dieser Sprachen gehören.


Vier nordindische Bezeichnungen, das Persisch und das Paschtu ähneln sich sehr (Totā, Totā, Totā, Toti, Tuti, Tuti). Die Bezeichnungen in anderen nordindischen (indoarischen) Sprachen sind wahrscheinlich diesen Bezeichnungen sehr ähnlich.


Allerdings sind diese Bezeichnungen recht unspezifisch und bezeichnen eigentlich nur die jeweilig vorkommenden Papageien. Anscheinend gibt es noch kaum jemanden, der sich darum kümmert, eindeutige Bezeichnungen für die einzelnen Papageienarten zu schaffen.


Wo nötig, greift man auf die wissenschaftliche oder die englische Bezeichnung zurück. In den südindischen Dravidischen Sprachen scheint es noch eine recht gute Tradition der differenzierten Bennenung von Papageien zu geben, zudem verfügen einige dieser Sprachen über sehr lange Schriftkulturen, aber leider war es mir von Europa aus nicht möglich, diese Bezeichnungen zu erfahren.


Bemerkungen zu einzelnen Sprachen

Arabisch: Hocharabisch ist eine streng normierte Sprache, die aber ca. 1500 Jahre alt ist und etwas unantastbares hat, da sie die Sprache des Korans ist. Dieses Hocharabisch ist im wesentlichen noch heute die einzige geschriebene Form des Arabischen. Gesprochen werden jedoch fast ausschließlich Dialekte ohne Normierung, die erheblich vom Hocharabischen abweichen, so dass ungebildete Araber Hocharabisch fast nicht oder nur teilweise verstehen. Fast jedes arabische Land hat Institutionen, die Fremdwörter ins Hocharabische übertragen, was aber in der Praxis zu einer Vielzahl von Varianten führt. In den Dialekten werden für viele Dinge des modernen Lebens entweder englische oder französische Bezeichnungen verwendet und die offiziell gebildeten arabischen Wörter schlicht ignoriert. Das Wort, das ich für das Arabische angegeben habe, ist eigentlich das Grundwort für Papagei, das ich jedoch konkret auf Halsbandsittiche angewendet gefunden habe. Dieses Wort gehört eigentlich nicht zum klassischen Wortschatz, wird aber häufig im Hocharabischen im übertragenen Sinn für Personen verwendet, die Dinge stupide nachplappern. In den Dialekten ist es ein durchaus geläufiges Wort und ein Ägypter, der einen der in Kairo frei lebenden Halsbandsittiche benennen müsste, würde wohl dieses Wort gebrauchen.


Chinesisch: die Bezeichnung für Psittacula krameri manillensis "Lán Yuè Lún Yīngwǔ" bedeutet wörtlich "Indigo-Mond-Ring-Papagei".


Griechisch: Das Wort für Halsbandsittich habe ich von der Ornithologischen Gesellschft Griechenlands erhalten, mit dem Hinweis, dass es sich um einen vorläufigen Begriff handelt, der noch nicht offiziell bestätigt ist.


Hindi: Totaa bezeichnet die Papageien, die dem durchschnittlichen Inder bekannt sind, das heißt vor allem die auch in den Städten lebenden Halsbandsittiche, manchmal wird das Wort aber auch für andere Arten verwendet.


Japanisch: die Bezeichnung heißt wörtlich übersetzt: Halsband-wirklich-blau(!)-Sittich, wobei "Hon-sei" wirklich-blau bedeutet. Dabei ist anzumerken, dass Japaner eine eigene Farbeinteilung haben. Im Japanischen kann man mit "Blau" auch grüne Objekte bezeichnen, jedoch nicht umgekehrt.


Koreanisch: Mokdori heißt Halsband, Halstuch, Aengmu Papagei; das Wort ist also ganz nach dem geläufigen Schema gebildet.


Marathi: Kīr geht auf ein altindisches (Sanskrit) Wort für Papagei zurück, Popat ist das allgemeine Wort für Papagei.


Persisch : Die gleiche Sprache wird im Iran "Farsi", und in Afghanistan "Dari" genannt. Tuti bezeichnet die in den Ländern Iran und Afganistan bekannten Papageien, also wohl wahrscheinlich Psittacula krameri borealis.


Slowakisch: Im Slowakischen gibt es ein eigenes Wort für die Gattungen Psittacula und Eclectus, nämlich "ladniak". Das Wort stammt vom Verb ladiť(=bei Kleidern und Farben "schön passen"/ "harmonisieren"/"stimmen") und/oder vom Adjektiv ladný (= graziös, elegant, harmonisch) ab. "-iak" ist eine von zahlreichen slowakischen Endungen für die Bildung von Substantiven, die Tiere bezeichnen. Die zutreffendste deutsche Übersetzung von ladniak wäre daher "der Harmonisierende", "der Graziöse" oder "der elegant Abgestimmte".


Tamil: Das Wort kiLLai scheint recht unspezifisch zu sein und ungefähr dem Hindi-Wort Totaa zu entsprechen. Es wird vor allem von der verstädterten Bevölkerung analog zu Hindi Totā gebraucht. Bei der noch naturverbundeneren Landbevölkerung soll Psittacula krameri manillensis angeblich aarmavizuntakiLi heißen. Die Laute des Tamil sind nur schwer zu transkribieren, wobei Großbuchstaben sog. retroflexe Laute bezeichnen, Kleinbuchstaben dagegen nicht retroflexe.


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