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Halsbandaffäre

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Die so genannte Halsband-Affäre war ein Skandal am französischen Hof in den 1780er Jahren, in den die Königin Marie Antoinette verwickelt war.


Die Pariser Juweliere Böhmer und Bassenge hatten einige Jahre lang Diamanten für ein Collier gesammelt, dass sie zuerst an Madame Dubarry, die Mätresse von Ludwig XV., dann an Marie Antoinette zu verkaufen hofften. 1778 schlug Ludwig XVI. der Königin vor, ihr das Collier zu schenken, was ihn 1,6 Millionen Livres gekostet hätte. Die Königin lehnte diesen hohen Preis angeblich ab, oder der König selbst änderte seine Meinung. Nachdem die Juweliere vergeblich versucht hatten, das Collier außerhalb von Frankreich zu veräußern, traten sie 1781, nach der Geburt des Dauphins Louis-Joseph-Xavier-François (1781-1789) erneut an Marie Antoinette heran, die aber erneut ablehnte.


Zu dieser Zeit hasste Marie Antoinette besonders eine bestimmte Person am Hof: den Kardinal Louis de Rohan, ehemals Gesandter in Wien, von wo er 1774 abberufen worden war, nachdem er das Missfallen der Königin erregt hatte. Der Grund dafür war, dass er ihrer Mutter Maria Theresia vom frivolen Lebenswandel Marie Antoinettes berichtet hatte, wofür diese einen Tadel hatte einstecken müssen. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich war der Kardinal bemüht, die Gunst der Königin wiederzugewinnen, um die Stellung des Premierministers zu bekommen. Im März 1784 machte er die Bekanntschaft einer gewissen Jeanne de St. Remy de Valois, die von einem unehelichen Sohn von Heinrich II. abstammte. Jeanne de Valois hatte nach vielen Abenteuern einen selbsternannten Comte de Lamotte geheiratet und lebte von einer kleinen Pension, die ihr der König gewährt hatte. Diese Hochstaplerin gewann bald größten Einfluss auf den Kardinal, mit dem sie eine intime Beziehung hatte. Sie überzeugte ihn, dass sie von der Königin empfangen worden sei und ihre Gunst genieße; Rohan beschloss, sie zu benutzen, um das Wohlwollen der Königin wiederzuerlangen. Die Comtesse de Lamotte versicherte dem Kardinal, dass sie in seinem Namen Bemühungen unternehmen werde.


Dies war der Anfang einer vorgegebenen Korrespondenz zwischen Rohan und der Königin, in der die Lamotte auf Rohans Briefe an Marie Antoinette gefälschte Antworten lieferte, von denen sie versicherte, dass sie von der Königin kämen. Der Tonfall der Briefe wurde sehr warmherzig, und der Kardinal - überzeugt davon, dass sie in ihn verliebt sei - wurde leidenschaftlich in sie vernarrt. Er bat die Comtesse, ein geheimes Gespräch mit der Königin zu arrangieren, und im August 1784 fand im Garten von Versailles in einem Hain ein Treffen zwischen dem Kardinal und einer Dame statt, die der Kardinal für die Königin selbst hielt. Rohan bot ihr eine Rose an, und sie versprach ihm, die Vergangenheit zu vergessen. Später erklärte eine gewisse Marie Lejay - die Marie Antoinette ähnelte - dass sie für die Rolle der Königin in dieser Komödie verpflichtet worden war.


In jedem Fall profitierte die Comtesse von der Überzeugung des Kardinals und lieh sich von ihm große Geldsummen, die angeblich für wohltätige Werke der Königin bestimmt waren. Mit diesem Geld konnte die Comtesse eine achtbare Rolle in der Gesellschaft einnehmen, und viele glaubten an die Echtheit ihrer engen Beziehung zu Marie Antoinette, mit der sie öffentlich und offenherzig prahlte. Es ist eine noch ungeklärte Frage, ob sie die Menschen einfach nur täuschte, oder ob sie von der Königin für einen unbekannten Zweck beschäftigt wurde, vielleicht um den Kardinal zu ruinieren. Jedenfalls glaubten die Juweliere an die Beziehung zwischen de Lamotte und Marie Antoinette, und beschlossen, sie einzuspannen, um die Halskette zu verkaufen. Zuerst lehnte sie diesen Auftrag ab, nahm dann aber an.


Am 21. Januar 1785 verkündete die Comtesse Lamotte, dass die Königin das Collier kaufen wolle, dass aber der Kauf über eine hohe Persönlichkeit abgewickeln werden solle. Eine Weile später kam Rohan zu Verhandlungen über den Kauf der berühmten Halskette, für deren Preis von 1,6 Million Livres eine Ratenzahlung vereinbart wurde. Er behauptete, eine Vollmacht der Königin zu besitzen, und zeigte den Juwelieren eine Bestätigung der Kaufbedingungen in einer Handschrift von Marie Antoinette. Rohan brachte das Collier in das Haus der Comtesse, wo es ein Mann in Empfang nahm, den er für einen Kammerdiener der Königin hielt.


Madame de Lamotte erzählte dem Kardinal, dass Marie Antoinette ihm ein Zeichen der Dankbarkeit geben würde, und Rohan glaubte, dieses erkannt zu haben. Ob es sich dabei um Zufall oder eine Halluzination seinerseits gehandelt hat, weiß niemand. Es ist aber sicher, dass er die Juweliere verplichtet hatte, sich für den Auftrag zu bedanken; dass Böhmer und Bassenge vor dem Verkauf der Königin von den Verhandlungen in ihrem Namen Bescheid gegeben hatten, um sich doppelt sicher zu sein; dass Marie Antoinette den Abschluss des Handels zuliess; und dass sie den Dankesbrief von Böhmer verbrannte. Inzwischen scheint der "Comte de Lamotte" nach London aufgebrochen zu sein, um dort die Diamanten aus dem Collier zu verkaufen.


Als der Termin für die Bezahlung kam, legte de Lamotte die Briefe des Kardinals vor; diese waren für Böhmer aber unzureichend, so dass er sich bei der Königin beschwerte. Diese sagte ihm, dass sie das Collier nicht bekommen und auch nie bestellt habe und ließ sich die Geschichte von den Verhandlungen erzählen. Daraufhin folgte der coup de théatre. Am 15. August 1785 (Mariä Himmelfahrt), als der ganze Hofstaat den König und die Königin erwartete, um in die Kapelle zu gehen, wurde Kardinal Rohan festgenommen und in die Bastille abgeführt. Er war jedoch noch in der Lage, seine Korrespondenz mit der vermeintlichen Königin zu vernichten; es ist nicht bekannt, ob dies unter dem stillschweigenden Einverständnis der Beamten erfolgte, die es jedenfalls nicht verhinderten. Die Comtesse de Lamotte wurde erst am 18. August verhaftet, nachdem sie ihre Aufzeichnungen vernichtet hatte.


Die Polizei versuchte, alle ihre Komplizen ausfindig zu machen und nahm das Mädchen Marie Lejay und einen gewissen Reteaux de Villette fest, einen Freund der Comtesse, der zugab, die an Rohan im Namen der Königin geschickten Briefe verfasst zu haben, und der ihre Unterschrift auf dem Vertrag gefälscht hatte. Der berüchtigte Scharlatan Cagliostro wurde ebenfalls inhaftiert, es stellte sich aber heraus, dass er nicht an der Affäre beteiligt war. Der Kardinal Rohan akzeptierte das Pariser Parlament als Richter. Ein sensationeller Prozess führte am 31. Mai 1786 zum Freispruch des Kardinals sowie von Marie Lejay und Cagliostro. Die Comtesse de Lamotte wurde zum Staupbesen, Brandmarkung und lebenslänglicher Haft im Salpétrière-Gefängnis verurteilt. Ihr Ehemann wurde in Abwesenheit zu lebenslänglicher Galeerenstrafe verurteilt. Villette wurde verbannt.


Die öffentliche Meinung wurde durch diesen Prozess heftig erregt. Es wird allgemein angenommen, dass Marie Antoinette in der Sache kein Fehler anzulasten ist, dass Rohan ein unschuldiger Trottel war, und dass die Lamottes beide für ihre Zwecke täuschten. Das Volk dagegen beharrte auf der Überzeugung, dass die Königin die Comtesse als Werkzeug benutzt habe, um ihren Hass gegenüber dem Kardinal de Rohan zu befriedigen. Verschiedene Umstände bestärkten diese Annahme und trugen sehr dazu bei, Marie Antoinette zu diskreditieren: ihre Enttäuschung bei Rohans Freispruch; die Tatsache, dass er seiner Ämter enthoben und zur Abtei von Chaise-Dieu exiliert wurde; und schließlich die Flucht der Comtesse de Lamotte aus dem Salpétrière, in die das Volk den Hof verwickelt glaubte. Als die Hochstaplerin ins Ausland geflüchtet war, veröffentlichte sie eine Schrift, in der sie die Königin beschuldigte.


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