Er wurde als Tafari Makonnen geboren und war zunächst als Ras Verwalter der äthiopischen Zentralprovinz Shewa (Region um die Hauptstadt Addis Abeba), bevor er 1930 unter dem Namen Haile Selassie I. zum Negus Negest (="König der Könige", Kaiser) von Äthiopien gekrönt wurde.
Nach dem Überfall der italienischen Armee unter Benito Mussolini im Jahre 1936 floh er in das Vereinigte Königreich, von wo aus er den äthiopischen Widerstand leitete. 1941 kehrte er triumphal mit britischer Unterstützung nach Addis Abeba zurück. Als Politiker leitete er im Inland eine Epoche der gesellschaftlichen und ökonomischen Modernisierung ein, behielt sich jedoch die absolute Herrschaft vor und ließ keine nenneswerte politische Opposition zu. Dennoch genoss er im Ausland hohes Ansehen als Staatsoberhaupt des ältesten afrikanischen Landes und Gründungsmitglied der Vereinten Nationen genauso wie als graue Eminenz und Integrationsfigur eines afrikanischen Kontinents in der Dekolonialisierungsphase. Unabhängig davon fielen in seine Amtszeit mehrere Kriege, unter anderem mit Somalia um das Grenzgebiet des Ogaden sowie gegen Separatisten in der ehemaligen italienischen Kolonie Eritrea, seit Ende des Zweiten Weltkrieges äthiopische Provinz.
Mitte der 1970er Jahre zeigte sich denn auch immer mehr die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Machtfülle des Kaisers, der zu keiner Reform des konservativ-aristokratischen Staatsaufbaues bereit war. Diese Unzufriedenheit zusammen mit einer akuten Verschlechterung der alimentären Versorgung der Bevölkerung führte 1974 zur Revolution, die sich von der Forderung einer parlamentarischen Monarchie schnell unter dem späteren Oberst Mengistu Haile Mariam zu einer marxistisch-leninistischen Doktrin radikalisierte. So musste der Kaiser 1974 abdanken und starb bald darauf im Arrest unter ominösen Umständen.
Bis heute ist Haile Selassie das Symbol der vor allem in der Karibik vertreten Rastafari-Bewegung (deren Name sich von seinem ursprünglichen Namen Ras Tafari Makonnen ableitet). Die messianische Rolle innerhalb dieser Bewegung geht neben der Rolle der äthiopischen Geschichte (als einzigem genuin unabhängigen afrikanischen Staat bis 1957) auf die legendäre Abstammung des ersten äthiopischen Kaisers Meneliks I. des legendären jüdischen Königs Salomo und der Königin von Saba (Axum) zurück. Eine Abstammmung Haile Selassies von dieser kaiserlichen Herrscherlinie ist ohne Zweifel nicht gegeben, was ihn nicht davon abhielt mit dem Hinweis auf diese Abstammung seiner Herrschaft auf diese Weise historische Legitimät zu verleihen (ein Hinweis wohl auf die Machtkämpfe vor seiner Krönung zum Kaiser). So verlieh er sich den Ehrentitel "Löwe von Juda" und fand/findet unter diesem Namen unter den Rastafaris fast göttergleiche Verehrung, wird er doch als legitimer Stellvertreter Gottes gesehen. Die Farben der Rastafari-Bewegung (grün-gold-rot), die gleichzeitig die Farben der äthiopischen Nationalflagge darstellen, finden in diesem Zusammenhang ebenfalls ihre Erklärung.
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