Dieser Artikel befasst sich mit dem menschlichen und tierischen Haar, weiteres siehe: Haar (Begriffsklärung).
Haare (lat. Pili) sind lange Hornfäden. Sie bestehen im wesentlichen aus Keratin. Mit wenigen Ausnahmen (Handflächen, Finger-Innenseiten, Fußsohlen, Brustwarzen, Lippen, Eichel und kleine Schamlippen) ist die gesamte Körperoberfläche behaart.
Menschen haben ca. 25.000 Körperhaare und (abhängig von der Haarfarbe) 90.000 (schwarz) - 150.000 (blond) Kopfhaare.
täglicher Haarverlust: 60-100
Wachstumsrate: ca. 0,35 mm/Tag
Haardicke: 0,07 (Vellushaare) - 0,12 (Terminalhaare) mm
Das Haarorgan
Haarwurzel
Im unteren Bereich der Lederhaut entsteht das Haar an der Haarpapille. Im Bildungsbereich, der Matrix, lagern zahlreiche Melanozyten, die ihre Pigmente an das entstehende Haar abgeben. Die keratinreichen Hornzellen wandern nach oben und bilden dabei den Haarschaft, der sich innerhalb des Follikels zur Hautoberfläche schiebt.
Haarfollikel
Der Haarschaft liegt in einer länglichen Einstülpung der Oberhaut, dem Haarfollikel, an dessen unteren Ende das Haar in der Haarwurzel gebildet wird.
In den Follikel mündet eine Talgdrüse, gelegentlich auch eine Duftdrüse. Am äußeren Rand setzt der kleine Haaraufrichtemuskel an und schließlich umwickeln einige Nervenfasern den Follikel und erfüllen dadurch Tastfunktionen.
Haarschaft
(lat. Scapus pili) Man kann drei Haarsorten unterscheiden:
Terminalhaar
Hierzu gehören alle "dicken Haare", wie z.B. das Kopfhaar, Bart-, Nasen-, Ohrenhaare, Wimpern, Augenbrauen und Schamhaar. Terminalhaare sind in ihrem Wachstum hormonabhängig (Pubertät - Geschlechtsbehaarung, Bartwuchs, Glatzenbildung). Im Querschnitt eines Terminalhaares ist eine Dreischichtigkeit erkennbar:
Mark (Medulla): Der zentrale Teil des Haarschaftes (bei weißen Haaren lufthaltig).
Rinde (Cortex): Der Hauptanteil des Haarschaftes (v. a. Keratin-Fasern).
Cuticula: Zellschuppen an der Haaraußenseite, deren Schuppen in Richtung Haarspitze orientiert sind. Die Cuticula dient dem Schutz des Haares und umschließt es mit einer glatten Schicht.
Vellushaar
Alle übrigen Härchen der Körperoberfläche werden als Vellushaare bezeichnet. Sie sind wesentlich dünner und kürzer, als die Terminalhaare und ihr Haarschaft enthält kein Mark.
Lanugohaare (Flaumhaar)
Die feinen Härchen, die Frühgeborene noch an der ganzen Körperoberfläche tragen.
Aufgaben und Funktionen der Haare (beim Menschen)
Lichtschutz: Haare absorbieren UV-Strahlung und schützen somit den Kopf vor schädlichen Einflüssen des Sonnenlichts.
Haarwachstum
Haare wachsen in Zyklen, ein Haarfollikel durchläuft dabei mehrere Phasen, die als Haarzyklus bezeichnet werden.
Haarzyklus
Anagenphase
In dieser Wachstumsphase bildet sich eine neue Haarwurzel und die Produktion eines Haares beginnt. Die Anagenphase dauert ca. 3 Jahre (kann aber stark variieren).
Katagenphase
Übergangsphase, in der das Haarwachstum aufhört (etwa 3 Wochen).
Telogenphase
Mit dieser Endphase tritt das Haar in einen Ruhezustand ein, bis es nach ca. 3 Monaten ausfällt.
Trichogramm
Bei Verdacht auf Strukturelle Schäden der Haare oder zur Abklärung eines Haarausfalls wird ein Trichogramm angelegt. Dazu werden mit einer Pinzette 50 bis 100 Haare ausgezupft (nachdem 3 Tage lang nicht gewaschen und nur vorsichtig gekämmt wurde). Unter dem Mikroskop werden anschließend die Haarwurzeln beurteilt und den einzelnen Wachstumsphasen zugeordnet. Normalwerte: Anagenhaare 85%, Katagenhaare 1%, Telogenhaare 13%. Der Rest entfällt auf defekte Haare.
Körperbehaarung
Verschiedene Stellen des menschlichen Körpers tragen einen charakteristischen Haarbewuchs. Dazu zählen:
Die Behaarung ist die charakteristische Körperbedeckung aller Säugetierarten, auch wenn bei einigen Arten in bestimmten Lebensabschnitten kein Haar vorliegt.
Ein solches Haar ist ein natürliches Polymer. 90% Prozent seines Trockengewichtes sind Proteine (Eiweiße), die als Keratine bezeichnet werden. Unter normalen Bedingungen hat menschliches Haar einen Wasseranteil von 10%, der seine mechanischen Eigenschaften erheblich beeinflusst. Die Haarproteine werden durch Disulfidbrücken zusammengehalten. Diese Verbindungen sind sehr haltbar - in ägyptischen Gräbern wurde nahezu intaktes Haar gefunden. Die Veränderung des Zystein-Anteils führt zu einer Änderung der Steifigkeit des Haares.
Die Behaarung erfüllt mehrere Funktionen. Sie sorgt für eine Isolierung bei kaltem Wetter und bei einigen Arten für einen Schutz bei besonders heißem Wetter.
Die Behaarung besitzt meist Farbpigmente und bestimmt das Aussehen eines Tieres. Bei einigen Tieren passt sich die Farbgebung der Jahreszeit an - ist beispielsweise im Winter heller. (siehe auch Mimikry)
Das Haar des Eisbären ähnelt in seinem Aufbau einem Lichtwellenleiter und transportiert so das Sonnenlicht durch den wärmeisolierenden Pelz zur dunklen Hautoberfläche.
Die Behaarung von Tieren wird als Fell oder Pelz bezeichnet.
Siehe auchIgel (Stacheln sind auch Haare), Samenhaar (bei Pflanzen)
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