Aus armen anglonormannischen Verhältnissen stammend, studierte Robert vor 1190 die artes liberales am Domstift in Hereford und wurde in die Dienste des dortigen Bischofs aufgenommen. Er studierte wohl danach in ParisTheologie und war vielleicht im Jahr 1214 der erste Kanzler der Universität Oxford. 1225 erhielt er, der immer noch Diakon war, seine Klerikerpfründe, 1229/1230 kümmerte er sich um die theologische Ausbildung der englischen Franziskanermönche. 1235 wurde Robert Bischof in Lincoln. Seine Diözese betreute er, der sich mit den auf dem 4. Laterankonzil (1215) beschlossenen Kirchenreformen identifizierte, in Seelsorge und Verwaltung vorbildlich. Der ihm eigene reformerische Impetus brachte ihn, vor allem nach dem Konzil von Lyon (1245) in zunehmendem Gegensatz gegenüber dem Papsttum. So überreichte er Papst Innozenz IV. (1243-1254) im Jahr 1250 eine Denkschrift, worin er die päpstliche Benefizienvergabe kritisierte und diese für die Missstände in der englischen Kirche verantwortlich machte. Mit einem Fall von päpstlicher Pfründenvergabe (an den Neffen des römischen Bischofs) sogar an seiner eigenen Domkirche in Lincoln hatte Robert sich in seinem letzten Lebensjahr auseinander zu setzen. Nach seinem Tod in der Nacht vom 8. zum 9. Oktober1253 blieb die Heiligsprechung Roberts erfolglos.
Werke
Eine Vielzahl von Werken Robert Grossetestes ist auf uns gekommen. Robert galt als Meister der aristotelischenLogik, als Beobachter von Naturphänomenen (Optik, Klima, Form, Bewegung, Zeit), die er mit der Mathematik und Geometrie analysierte, als Übersetzer aus dem Griechischen (aristotelische Ethik, Schriften des Johannes von Damaskus und des Pseudo-Dionysius), als Metaphysiker (»Gott ist Licht«). Schriftkommentare, Predigten und ein allegorisches Gedicht über die Erlösung (Château d’Amour) runden das literarische Oeuvre des bedeutenden konservativen Kirchengelehrten ab.
Literatur
MCEVOY, J., Robert Grosseteste. Exegete and Philosopher, 1994
Robert Grosseteste, bearb. v. J. MCEVOY, in: Lexikon des Mittelalters, Bd.7, 1995, Nachdruck Stuttgart 1999, Sp.905ff
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