Gombrowicz stammt aus dem kleinpolnischen Landadel. Nach seinem Jurastudium emigriert er 1939, kurz vor dem Ausbruch des II. Weltkrieges , nach Buenos Aires, Argentinien. Er lebt von der Arbeit als Bankangestellter in der Banco Polacco, als seine eigentliche Lebensaufgabe betrachtet er jedoch das Schreiben. Nach dem Krieg kehrt er nach Europa, nicht aber nach Polen zurück. Dank eines Stipendiums der Ford-Foundation geht Gombrowicz 1963 für ein Jahr nach Berlin. Danach lässt er sich in Südfrankreich nieder, wo er 1969 an den Folgen seines Asthmas stirbt.
Werk
Bereits Gombrowicz' Frühwerk, das Erzählband Pamiętnik z okresu dojrzewania (dt. Memoiren aus der Epoche des Reifens) von 1933, wird von der polnischen Kritik gänzlich mißverstanden. Eines der Motive des 1938 folgenden Romans Ferdydurke ist daher die Abrechnung mit der Ignoranz der Kritiker (der intellektuellen Tanten, wie sie Gombrowicz nennt), die den Schriftsteller sein Leben lang begleitet. Seitdem ist Gombrowicz bemüht, die Leser und Kritiker über seine Absichten aufzuklären. Jede der drei zu Lebzeiten des Autors erschienenen Ausgaben von Trans-Atlantyk (1951 (Auszüge) und 1953 in Paris, 1957 in Polen) versieht Gombrowicz mit einem neuen Vorwort. Um das Verständnis seiner selbst und seines Werkes durchzusetzen beginnt er 1953 sein Dziennik (dt. Tagebuch) zu schreiben, das regelmäßig in der Pariser Zeitschrift Kultura erscheint. Jahre später wird es von den Literaturwissenschaftlern als sein bedeutendes Werk bezeichnet. In den 60-ger Jahren entstehen zwei weitere Romane, Pornografia (1960) (dt. Verführung) und Kosmos (1965) (dt. Indizien). Spätestens in dieser Zeit wird Gombrowicz' schriftstellerische Tätigkeit auch international anerkannt.
Die primären Rezeptionszentren für seinen Schaffen sind Deutschland und Frankreich. In Polen ist er bis heute umstritten.
Inhalt
Seinen Figuren, wie auch sich selbst, räumt Gombrowicz das Recht auf Individualität und geistige Freiheit ein, und zwar unabhängig von jeder Konvention. Jedes Individum berechtigt er zur lebenslangen «Unreife", die für ihn die Abwehr gegen die «reifen" Formen des Lebens (herrschende Ideologien, Religionen, Nationalismen, gesellschaftlichen Normen) und der Kunst (literarische und künstlerische Konventionen) symbolisiert. Mit diesem Programm spricht Gombrowicz Themen an, die Jean-Paul Sartre kurze Zeit später unter den Begriff des Existenzialismus' zusammenfaßt.
Obwohl Gombrowicz seit seiner Ausreise 1939 bis zu seinem Tod auf Emigration bleibt, setzt er sich dennoch unermüdlich mit der Problematik seines Heimatlandes auseinander. Als ein Pole sieht er ein, dass ausgerechnet die polnische Tradition der geistigen Entwicklung seines Heimatlandes im Wege steht. Mit einer Absage an das schwere romantische Erbe Polens ruft er seine Landesgenossen dazu auf, sich von dem alten Polentum zu befreien und zwar durch individuelle und nicht nur kollektive Handlungen. Von der Kritik wird dieses Motiv als ein Angriff gegen die polnische Tradition aufgefasst, und ist mitunter ein Grund für Gombrowicz' langjähriges Publikationsverbot in Polen.
Der Roman
Als Romancier knüpft Gombrowicz an die Tradition des komischen Romans an (im Sinne Rabelais, Cervantes, Fielding). Die von ihm behandelten existenziellen Probleme wirken deshalb unernst und lustig, was häufig mißverstanden wird. Auf diese Weise hebt Gombrowicz, die seiner Meinung nach kraftlose Kunst der Moderne und insbesondere des Romans auf, den er für steril, versnobt und unehrlich gegenüber der Realität hält.
Die Form und die «Unform"
Den Bruch gegen Konventionen und steife Formen vollzieht Gombrowicz in seinen Werken nicht nur inhaltlich, sondern überträgt ihn auch auf die Werkform und Werksprache. Er experimentiert mit historisch bewährten literarischen Gattungen, vermischt sie miteinander und übersetzt sie in seine persönliche Sprache. Die daraus resultierende Form ist eine «Unform", seine Romane werden zu «Antiromanen".
Werkliste
Erzählungen
Pamiętnik z okresu dojrzewania (Memoiren aus der Epoche des Reifens) (1933)
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