Das Gebiet der heutigen Republik Österreich ist bereits seit der Altsteinzeit von Menschen besiedelt. Eines der bekanntesten Relikte aus dieser Zeit ist die im Jahre 1908 im Zuge von Ausgrabungen in der Wachau entdeckte Venus von Willendorf. Dieses Steinkunstwerk, das rund 25.000 Jahre alt ist, zeigt eine Frau mit sehr großen Brüsten und wird deshalb gemeinhin als Fruchtbarkeitssymbol gedeutet.
Später, in der sogannten Hallstattzeit, lassen sich abermals viele Spuren menschlicher Kultur entdecken, z.B. die Ausgrabungen in Hallstatt oder das vermutliche Hügelgrab in Großmugl. Als Träger dieser Kultur nimmt man die halblegendären Illyrer an.
Später in der La Tène-Zeit wurde das Gebiet dann von den Kelten besiedelt, von denen ebenfalls noch einige Oppida (befestigte Höhensiedlungen) erhalten sind. Auch das erste bekannte Staatsgebilde auf heutigem österreichischem Boden, das Regnum Noricum aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., war keltischen Ursprungs.
Römisches Reich
Im Zuge der Sicherung der Donaugrenze, dem Limes durch Augustus wurde auch das Gebiet des heutigen Österreich südlich der Donau erobert und dem Römischen Imperium einverleibt. Dabei hatten drei römische Provinzen Anteil am heutigen Staatsgebiet:
Raetia, Noricum und Pannonien. Die Hauptstadt letzterer, Carnuntum, bildete hier zugleich die bedeutendste römische Ansiedlung.
Im Lauf der Völkerwanderung kam es zu einem Durchzug aller möglicher Völkerschaften. Die Donaugrenze wurde von den Römern etwa um 500 n. Chr. aufgegeben. In dieser Zeit erwarb sich der Heilige Severin einige Verdienste um die Aufrechterhaltung der sozialen Beziehungen. Im Osten hielten sich die Langobarden bis zu ihrem Zug nach Italien. Vom Westen her drangen die Baiern in den Alpenraum vor, während die Slawen sich im Südosten des Alpenraums etablierten. Mit dem Einfall der Awaren in den 560-er Jahren reißen für längere Zeit die Überlieferungen ab.
Im Zuge der Völkerwanderung kam es auch zur Entwicklung der Sprachen, die im europäischen Raum u.a. stark vom Lateinischen geprägt wurden. So entstand durch die Wanderungen der Germanen ein Nieder-, Mittel- und Oberdeutscher Sprachraum. Im Zuge der ersten germanischen Lautverschiebung um 200 v. Chr. bis etwa 500 n. Chr. befand sich die deutsche Sprache schon in ihrer Kinderstube. Die Baiern und Alemannen machten dabei die Entwicklungen mit, die zum Hochdeutschen führen sollten.
Die Mark im Osten
Schon zur Zeit Karl des Großen existierte im Frankenreich eine Grenzmark gegen die Awaren - diese wurde durch die Ungarneinfälle vernichtet. Nach den drei Schlachten von Pressburg im Sommer 907 wurde die Grenze des Ostfrankenreiches bis an die Enns zurückgenommen. Erst 955 mit der Schlacht auf dem Lechfeld wurden die Ungarn sesshaft und der kaum noch besiedelte Raum zwischen Enns und Leitha frei für weitere Kolonisation. In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts entstand so erneut eine dem Herzog von Bayern innerhalb des Heiligen Römischen Reiches unterstellte Markgrafschaft östlich der Enns, die marchia orientalis (Mark im Osten) genannt wurde. 976 wird Liutpold aus dem Geschlecht der Babenberger mit dieser Mark belehnt und 996 taucht bereits die urkundliche Ersterwähnung des Urnamens Österreich in der Form Ostarrichi auf. Daneben ist auch noch sehr lange die Form Osterland gebräuchlich - die Einwohner dieses Landes sind der Ostermann und die Osterfrau.
Die Babenberger trieben eine zielbewusste Rodungs- und Kolonisierungspolitik und errichten (in Zusammenarbeit mit anderen Geschlechtern, etwa den Kuenringern) eine gefestigte Landesherrschaft. Die Residenz befand sich anfangs in Pöchlarn, später in Melk.
Markgraf Leopold III. gelang es, sich ins Kaiserhaus einzusippen und wurde wegen seiner Klostergründungen (vor allem Klosterneuburg) heilig gesprochen.
Das Herzogtum Österreich im HRR Deutscher Nation
Im Zuge des Konfliktes zwischen den Staufern und den Welfen kam 1139 das Herzogtum Bayern an die Babenberger. Als Friedrich I. diesen Streit beenden wollte, gab er den Welfen das Herzogtum Bayern zurück - als "Trostpreis" wurde mit dem Privilegium Minus eine eigene Herzogswürde für Ostarrichi kreiert. Erster Herzog war Heinrich Jasomirgott, der auch 1146Wien zur Residenzstadt erhob. Mit der Georgenberger Handfeste1186 fiel der Besitz der Traungauer Grafen von Steyr an die Babenberger - die (eben danach benannte) Steiermark, die auch den zentralen Teil Oberösterreichs umfasste.
Mit Leopold VI. erreichte das hochmittelalterliche Österreich einen kulturellen Höhepunkt - unter ihm wurde auch die revolutionäre Kunst der Gotik in Österreich eingeführt.
Mit seinem Sohn Friedrich II. starb 1246 die männliche Linie der Babenberger aus; unter den vielen Nachfolgekandidaten konnte sich der König von Böhmen, Ottokar Přemysl durchsetzen, der 1256 von den Ständen ins Land gerufen worden war, um die Wirren zu beenden. Seine Politik war aber dennoch darauf ausgerichtet, den Adel zurückzudrängen und das städtische Bürgertum zu fördern, weswegen er den Wienern bis tief in die Habsburger-Zeit in guter Erinnerung blieb. Sein Griff nach der Kaisermacht wurde von Rudolf von Habsburg begegnet, der ihn 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld besiegte. Die Habsburger konnten sich daraufhin als Herzöge von Österreich und der Steiermark etablieren.
1335 konnten die Habsburger die Grafen von Görz in Kärnten und Krain beerben und 1363 fiel auch Tirol von Margarete Maultasch an Herzog Rudolf IV.. Dieser Rudolf IV. war der umtriebigste Herrscher des Spätmittelalters: er setzte vielerlei Maßnamen, die vor allem die Bedeutung der Stadt Wien heben sollten. Er ließ das Privilegium Maius fälschen, das Österreich zum Erzherzogtum erhob und ihm innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation eine Anzahl von Privilegien sicherte. Anerkannt wurde dies erst von Friedrich III., der selbst Habsburger war.
1379 wurde in Neuberg an der Mürz die habsburgische Herrschaft geteilt; fast das gesamte 15. Jahrhundert ist eine Phase wirrer Erbteilungen und Familienstreitigkeiten, die die politische und wirtschaftliche Bedeutung des Landes natürlich völlig untergruben. Dies wurde durch Friedrich V. († 1493) mit einem sehr einfachen Rezept beendet: er überlebt alle seine Gegner. Schon Albrecht II. war als Erbe der Luxemburger zum Römischen König gewählt worden - diese Position ging an Friedrich über, der 1452 sogar zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt wurde und sich fortan Friedrich III. nannte.
Der Aufstieg Österreichs zur Großmacht
Die glanzlose aber zähe Politik Friedrichs III. hinterließ eine gefestigte Herrschaft, deren Bedeutung durch einen überraschenden Coup schlagartig erhöht wurde: der Heirat (1477) seines Sohnes Maximilian mit Maria, der Erbin des burgundischen Länderkomplexes zwischen Deutschland (HRR) und Frankreich. In dieser Zeit entstand der berühmte Spruch: Bella gerant alii - tu felix austria nube (Kriege mögen andere führen - Du glückliches Österreich heirate). Da dessen Sohn Philipp der Schöne gleichfalls durch eine Heirat überraschend zum König von Spanien (mit seinen frisch eroberten Kolonien) werden konnte, standen die Habsburger kurz davor, nach der Weltmacht zu greifen. Diese wurde von Karl V. knapp aber spektakulär verfehlt.
Schon 1520 wurden die österreichischen Länder vom Kaiser an seinen Bruder Ferdinand I. übergeben, der die ersten Anfänge zentraler Verwaltungsstrukturen etablierte. 1526 nach der unglücklichen Schlacht von Mohács erbte Ferdinand nicht nur die Königreiche Ungarn und Böhmen (mit den Nebenländern Mähren, Schlesien und Lausitz), sondern auch die Bedrohung durch das Osmanische Reich, gegen das Ungarn vorher ein Schutzschild gewesen war.
Nachdem es schon seit dem späten 15. Jahrhundert zu Einfällen von türkischen Marodeuren gekommen war, wurde Wien 1529 von der regulären Streitmacht der Osmanen belagert - nur die Tatsache, dass sie zu spät im Jahr auftauchten, konnte die Stadt damals retten. In der Folge kam es zu einem fast 200-jährigen permanenten Kleinkrieg zwischen kaiserlichen und türkischen Truppen, der nur durch Phasen regulären Krieges unterbrochen wurde.
Auch die Religionsspaltung wurde damals zum Thema. In den österreichischen Ländern (mit Ausnahme Tirols) trat die Bevölkerung fast geschlossen zum Protestantismus über. Die Rekatholisierung setzte erst gegen 1600 ein, dafür aber mit umso größerer Heftigkeit und Gewalttätigkeit. In diesem Prozess taten sich die Jesuiten und der Kardinal Melchior Khlesl, der Kanzler von Kaiser Matthias hervor. Ein führender Betreiber dieser Politik war vor allem aber Ferdinand II., von dem der Ausspruch stammt, er wolle lieber eine Wüste regieren als ein Land voller Ketzer.
Durch diese Politik wurden die österreichischen Länder auch in den Dreißigjährigen Krieg verwickelt, bei dem es eine Zeit lang so aussah, als könnten die Habsburger das Heilige Römische Reich Deutscher Nation in eine absolute Monarchie verwandeln - am Ende dieses Krieges sahen sie sich jedoch auf die österreichischen und böhmischen Länder zurückgeworfen, so dass sie gezwungen waren, aus ihnen ein sinnvolles Staatsgebilde zu machen. Schon in den 1680er Jahren gab es ökonomische Theoretiker wie Philipp von Hörnigk oder Johann von Justi, die in diese Richtung drängten.
Dies ermöglichte nun ein beispielloses Aufblühen der Barockkultur, die eine spezifisch österreichische Ausformung entwickelte und das Land zutiefst prägte.
18. und frühes 19. Jahrhundert
Nach dem Aussterben der Hauptlinie der Habsburger 1699 kämpften die österreichischen Habsburger mit Ludwig XIV. um das Spanische Erbe. Er wurde vor allem von Joseph I. mit Verve und Erfolg geführt - nach seinem Tod brach jedoch alles zusammen wie ein Kartenhaus. Sein Bruder Karl war der letzte lebende Habsburger: er hätte ein Weltreich geerbt, was die anderen Mächte natürlich verhindern wollten. Immerhin kamen mit dem Frieden von Utrecht1713 aus der Erbmasse alle europäischen Nebenlande Spaniens (Belgien, Neapel, die Lombardei) an die Habsburger, deren Gebgiet auf diese Weise seine größte territoriale Ausdehnung erreichte.
Im selben Jahr wurde auch die Pragmatische Sanktion erlassen, das erste Gesetz, das für alle Länder der Habsburger-Monarchie gleichermaßen galt. Unter anderem sah es auch die weibliche Erbfolge vor, was sich als prophetisch herausstellte, da der 1740 verstorbene Karl VI. nur eine Tochter hinterließ: die 1719 geborene Maria Theresia. Da die Habsburger nun im Mannesstamm ausgestorben waren, wurde sie mit ihrem Ehemann Franz Stephan von Lothringen die Begründerin einer neuen Dynastie in dem Haus Habsburg-Lothringen.
Die Regierung Maria Theresias (1740-1780), vor allem aber ihres Sohnes Joseph II. (1780-1790) war geprägt von einer Reformpolitik, die Recht und Verwaltung auf eine modernere Grundlage stellen sollte. Den Reformen Josephs II. haftete allerdings ein überstürzter und gelegentlich auch schrullig-despotischer Charakter an, so dass vieles nach seinem Tod wieder zurückgenommen werden musste. Trotzdem gilt er als wichtiger Aufklärer und entscheidender Wegbereiter der bürgerlichen Gesellschaft.
Diese aufklärerischen Ansätze wurden nach dem Schock der Französischen Revolution schnell eingefroren: Josephs Neffe Franz II. trieb eine geradezu starrköpfige Reaktionspolitik, die auch vor allem mit dem Namen des Staatskanzlers Metternich verbunden ist. Diese politische Stagnation sollte die gesamte erste Hälfte des 19. Jahrhunderts andauern.
Nach der Französischen Revolution wurde Österreich auch in die Napoleonischen Kriege verwickelt. Die Kaiserkrönung Napoleons 1804 wurde von Franz II. mit der Ausrufung des Kaisertums Österreich beantwortet; Kaiser Franz II. (HRR) war nun als Franz I. auch Kaiser von Österreich. Auf Drängen des französischen Napoleon mußte er allerdings 1806 die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation niederlegen, das damit aufhörte zu existieren. Die napoleonischen Kriege konnten trotzdem erst 1815 mit dem Wiener Kongress beendet werden.
1815 trat das neue Kaisertum Österreich mit seinem vorher im HRR gelegenen Gebieten dem neu gegründeten Deutschen Bund bei.
Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die ersten Ansätze des Nationalismus, wobei die Nationalismen der verschiedenen Nationalitäten im Vielvölkerstaat Österreich vehement gegeneinander arbeiteten und so vom Kaiserhaus gegeneinander ausgespielt werden konnten. Diese Uneinigkeit der Nationalitäten rettete auch in der Revolution von 1848 das Kaisertum vor dem Auseinanderfallen.
Die demokratischen Errungenschaften wurden schnell wieder kassiert, doch kam auch der Neoabsolutismus des neuen Kaisers Franz Joseph nach den Niederlagen in Italien1859 an sein Ende. Die italienische Einigungsbewegung bildete einen Nationalstaat aus disparaten Länderfetzen und übte auf die Nationalitäten der Monarchie daher eine starke Anziehungskraft aus. Gelegentlich wird gesagt, Giuseppe Garibaldi habe an die österreichische Monarchie eine Lunte gelegt.
Unmittelbare Ergebnisse der Niederlagen in Italien waren Verfassungsexperimente: das Oktoberdiplom1859 und das Februarpatent1861. Die Niederlage von Königgrätz im deutsch-deutschen Krieg (Österreich gegen Preußen) führte zur Auflösung des Deutschen Bundes. Nachdem Preußen den Nordeutschen Bund unter Ausschluss Österreichs gegründet hatte, führte eine weitere Verfassungsreform zur Gründung der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie.
Am 8. Juni1867 wurde Kaiser Franz Josephs I. von Österreich in Budapest zusätzlich zum Apostolischen König von Ungarn gekrönt.
In diesem 19. Jahrhundert, in Zeiten wachsender Bevölkerungen, begann der (bisher von den Herrscherhäusern unterdrückte) Nationalismus seinen Siegeszug durch die Länder Europas und insbesondere der Habsburger Monarchie. Zur Abschwächung des ungarischen Nationalismus gedacht, verschärfte der Ausgleich von 1867 die Spannungen mehr als er sie kalmierte. Dieser Ausgleich schuf nun die Situation, dass die Ungarn in der Doppelmonarchie als zweites "Herrenvolk" neben die Deutschen traten. Die Polen in Galizien waren noch einigermaßen privilegiert, ansonsten fühlten sich jedoch die slawischen Nationalitäten (insbesondere die Tschechen) um ihre Gleichberechtigung geprellt. Vor allem in Böhmen und Mähren nahmen die Differenzen zu - der Mährische Ausgleich 1911 nahm dem Konflikt zwar einiges an Schärfe, konnte aber keine Wirkung mehr entfalten.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Differenzen zwischen den einzelnen Volksgruppen der Donaumonarchie bereits so stark, dass das Parlament (der Reichsrat) nicht mehr arbeitsfähig war. Aufgrund der dadurch hervorgerufenen Lähmung des Staates ging diese Periode als die Zeit des "Fortfrettens und Fortwurschtelns" (wienerische Ausdrücke: "mühsam weiterkommen") in die österreichische Geschichtsschreibung ein.
In dieser Zeit, vor allem um 1900 erlebte Österreich aber eine kulturelle Blütezeit, die unter anderem mit dem Namen Sigmund Freud verbunden war, dessen Psychoanalyse auf Wissenschaft und Kunst ungemein befruchtend gewirkt hatte.
Nach Ende des Krieges 1918 wurde die Dynastie der Habsburger nach 6 Jahrhunderten aus dem Lande gejagt und die Donaumonarchie zerfiel in eine Vielzahl von Staaten, unter anderem entstand der neue Staat "Deutsch-Österreich". Ursprünglich hatte dieser neue Staat alle deutschsprachigen Gebiete der Monarchie beansprucht, doch wurde das Staatsgebiet von den Siegermächten vorgegeben. Immerhin konnte das spätere Burgenland gewonnen werden. Da die Siegermächte nicht recht wussten wohin mit diesem Gebiet (und der Vorschlag einer Aufteilung zwischen der Tschechoslowakei und Jugoslawien nicht einmal von diesen Staaten selbst ernst genommen wurde) gab man es an Deutsch-Österreich - in der Hoffnung einen Keil zwischen zwei Staaten zu treiben, die an einer Revision der Friedensverträge potentiell interessiert waren. Für die Einwohner der Stadt Ödenburg (Sopron) kam es zu einer Volksabstimmung über ihre künftige Staatszugehörigkeit, die für Ungarn ausging. Die Volksabstimmungen in Südkärnten, das von Jugoslawien beansprucht wurde, ging dagegen eindeutig für Deutsch-Österreich aus.
Deutsch-Österreich verstand sich als ein Teil einer gesamtdeutschen Nation. Quer durch alle politischen Lager herrschte damals die Auffassung, dass dieser Reststaat - beraubt der ungarischen Agrar- und der böhmischen Industriegebiete - nicht alleine lebensfähig sei. Der Anschluss an das Deutsche Reich wurde allerdings durch den Vertrag von St. Germain verboten. Selbst der Name "Deutsch-Österreich" wurde von den Alliierten verboten und musste in "Republik Österreich" geändert werden. Die Verfassung vom September 1920 markiert den Beginn der ersten Republik Österreich und wurde (mit einer entscheidenden Novelle zur Stellung des Bundespräsidenten 1929) in 1955 (zweite Republik) in Österreich wieder eingeführt.
Die Wirtschaft des jungen Staates lag nach Kriegsende den Umständen (Kriegsfolgen, Reparationen, Gebietsverluste) entsprechend darnieder. Die damit zusammenhängende Hyperinflation konnte erst Anfang 1924 durch eine Währungsreform (Einführung des Schilling ab 1. Januar statt der Krone) beendet werde; Voraussetzung war eine Anleihe des Völkerbundes. Erst danach begann ein zaghafter wirtschaftlicher Aufschwung, der jedoch lediglich ein Zwischenhoch Mitte der 1920er Jahre darstellte und mit der Weltwirtschaftskrise1929 ein jähes Ende fand.
Mit den Unruhen der unmittelbaren Nachkriegszeit und den wirtschaftlichen Problemen ging eine immer schärfere politische Polarisierung einher: Hauptgegner waren einerseits der regierende christlichsoziale Bund (der Zentrumspartei im Deutschen Reich vergleichbar) und die in der Stadt Wien regierenden Sozialdemokraten.
Gegner dieser beiden waren wiederum die österreichischen Nationalsozialisten, die die Vereinigung der "Ostmark" mit dem "Reich" anstrebten und außerhalb Wiens eine große Anhängerschaft hatten.
Außerdem spielten paramilitärische Einheiten eine Rolle, wie die Heimwehr auf rechten Seite des politischen Spektrums (ohne klare Parteibindung) und der Republikanische Schutzbund auf der linken Seite. Die politischen Gegensätze in Österreich waren groß und eskalierten schließlich 1927. Im Burgenland, in Schattendorf wurden Schutzbundleute erschossen. Die Täterschaft konnte nicht einwandfrei festgestellt werden. Als ein Gericht die mutmaßlichen Täter daher freisprach, stürmte eine empörte Menge von Schutzbundsymphatisanten den Justizpalast und zündete ihn an. Der Schutzbund hatte bei dieser Demonstration Ordnerfunktion. Die Polizei löste die Demonstration mit Waffengewalt auf, dabei gab es dutzende Tote. Durch diese Ereignisse wurde die Sozialdemokratie entscheidend geschwächt.
Anfang der 30er Jahre überzogen dann Diktaturen die Staaten Europas. Auch Österreich blieb davon nicht verschont. Vor allem die Heimwehr vertrat faschistische Ideen nach dem Vorbild Italiens.
In 1933 schaltete der christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß das Parlament aus und begann mit der Errichtung einer Diktatur, eines autoritären Ständestaats nach faschistischem Vorbild. Er verbot alle Parteien, bis auf die Vaterländische Front und ließ politische Gegner verhaften. Auch die österreichischen Nationalsozialisten wurden verboten, wodurch die Selbstständigkeit Österreichs noch einmal bekräftigt wurde.
Bei einer Hausdurchsuchung in Linz kam es am 12. Februar1934 zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten, der Heimwehr bzw. dem Bundesheer, die sich zu einem Bürgerkrieg ausweiteten. Am Ende waren die Sozialdemokraten besiegt und es begann die Diktatur Dollfuß'.
Am 25. Juli1934 kam es zu einem nationalsozialistischen Putschversuch, der so genannte Juliputsch. 154 als Soldaten und Polizisten verkleidete österreichische SS-Leute stürmten das Bundeskanzleramt, BundeskanzlerEngelbert Dollfuß wurde angeschossen und starb kurze Zeit später. Eine zweite Gruppe der Putschisten besetzten die Rundfunkstudios der RAVAG und verbreiten die Falschnachricht, dass Dollfuß habe die Regierungsgeschäfte an seinen Nachfolger A. Rintelen übergeben. Dies war aber das Zeichen für einen nationalsozialistischen Aufstand in ganz Österreich, der allerdings nach wenigen Tagen von der Polizei und Bundesheer niedergeschlagen werden konnte.
Unterstützung bekam Schuschnigg von Mussolinis Italien, das Österreich wie auch Ungarn an sich binden wollte und so gegen das Deutsche Reich auszuspielen versuchte. Drohend marschierten italienische Truppen am Brenner auf, worauf der österreichische Diktator des Deutschen Reichs, Adolf Hitler, jeden Einfluss auf die Vorgänge in seinem Geburtsland energisch bestritt.
Schuschniggs Diktatur orientierte sich zwar an der Selbstständigkeit eines »freien und deutschen Österreichs", bekam aber immer mehr Gegner, zumal der italienische Diktator Benito Mussolini zunehmend in Abhängigkeit zum Deutschen Reich geriet und daher immer weniger in der Lage war, seine auf die Selbständigkeit Österreichs ausgerichtete Politik aufrechtzuerhalten. 1937 wurde die Achse Rom-Berlin geschmiedet. Die Machthaber in Österreich konnten dem inneren und äußeren politischen und wirtschaftlichen Druck immer weniger entgegensetzten. Die alten großdeutschen Ideen bekamen zusehends mehr an Gewicht. Viele Menschen erhofften sich eine wirtschaftlich bessere Zukunft, da das Land weiterhin unter hoher Arbeitslosigkeit in einer Wirtschaftskrise litt. So bekamen die (weiterhin illegalen) österreichischen Nationalsozialisten Zulauf und einen größeren Rückhalt bei den Bürgern.
"Anschluss"
Am 12. Februar1938 zitierte der österreichische Diktator des Deutschen Reichs Adolf Hitler den Diktator der Republik Österreich Kurt Schuschnigg zu einem Treffen auf den Obersalzberg in Bayern. Hitler drohte seinem Landsmann mit dem Einmarsch der reichsdeutschen Truppen, sollte er das Parteiverbot für die österreichischen Nationalsozialisten nicht wieder aufheben und ihnen die volle Agitationsfreiheit gewähren, sie an der Regierung beteiligen und ihnen das Innenministerium und damit die Kontrolle über die Polizei geben. Schuschnigg beugte sich der Drohung und glaubte, so die Selbstständigkeit Österreichs gesichert zu haben.
Als Schuschnigg jedoch erkannte, dass seine neuen Mitregenten ihm innerhalb weniger Wochen den Boden unter den Füßen wegzogen und dabei waren, die Macht zu übernehmen, setzte Schuschnigg für den 9. März1938 eine Volksabstimmung an: Die Frage lautete, ob das Volk ein "freies, unabhängiges, deutsches und christliches Österreich" wolle, oder nicht.
Mängel in der Wahlvorbereitung gaben jedoch Hitler einen Vorwand, die Abstimmung zu verhindern. In einem Ultimatum forderte er die Machtübergabe an die österreichischen Nationalsozialisten und drohte erneut mit dem Einmarsch reichsdeutscher Truppen in Österreich. Da der österreichische Präsident sich weigerte, den nationalsozialistischen Nachfolger zu ernennen, gab Hitler für den 12. März den Einmarschbefehl. Die Wehrmachtstruppen stießen auf keinerlei Widerstand, vielfach wurden sie von den Österreichern begrüßt. Die nachträgliche Volksabstimmung am 10. April über den Anschluss ergab eine über 99%ige Zustimmung. Da Hitler ein Österreicher war, sprachen die Menschen im DR ironischerweise auch von einem »Anschluß des Deutschen Reichs an Österreich".
Hitler ließ seinen Unterdrückungsapparat jetzt auch in seiner Heimat wüten. In den ersten Tagen nach der Machtübernahme ließ er durch seine Schergen etwa 72.000 Menschen verhaften, insbesondere in Wien, darunter viele Politiker und Intellektuelle der ersten Republik. Die Polizei, die jetzt Heinrich Himmler unterstellt war, unterband jeden nachhaltigen Widerstand. Am Brenner trafen sich schließlich deutsche und italienische Truppeneinheiten zu freundschaftlichen Zeremonien.
Die Westmächte England und Frankreich, die 1919 den Beitritt Deutschösterreichs zu einem föderalistischen Deutschen Reich und 1931 sogar die Zollunion verboten hatten, übersandten jetzt lediglich diplomatische Protestnoten. Die London Times schrieb dazu, schließlich habe sich Schottland vor 200 Jahren auch England angeschlossen.
Nun, da sich die Nazimacht auch über Österreich ergoß und im Zeichen von Morden und Selbstmorden und dem Ruin vieler Tausender geschah, was sonst friedlich und würdig geschehen wäre, wandten sie sich gleichmütig ab (aus Golo Mann: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, S. 875)
Am folgenden Tag wurden die Gesetze für den "Anschluss" an das damit zum "Großdeutschen Reich" mutierende Deutsche Reich auf dem Heldenplatz in Wien verkündet.
Damit war das Gebiet der ehemaligen Republik Österreich zu einer Provinz im Großdeutschen Reich geworden, das dessen nationalsozialistische Geschichte bis zum Zusammenbruch 1945 teilte.
Die Zweite Republik
Nach dem verlorenen zweiten Weltkrieg (Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai1945) war das Deutsche Reich von fremden Truppen besetzt und wurde von den Siegermächten in Besatzungszonen aufgeteilt. Dies betraf auch österreichisches Gebiet.
Bereits 1941 gab es sowjetische Pläne, nach Kriegsende wieder einen souveränen Staat Österreich zu schaffen, während sich die westlichen Alliierten erst ab 1943 über die zukünftige Rolle Österreichs Gedanken machten. Vor allem in Großbritannien gab es verschiedene Denkmodelle, die neben einem eigenen Staat auch einen föderalistischen Staat mit Bayern und eine Donaukonföderation, ähnlich der ehemaligen Donaumonarchie beinhalteten. [1]
Vor der offiziellen "Wiedererstehung der Republik Österreich" war mit Billigung der sowjetischen Besatzungsmacht am 27. April1945 in Wien eine provisorische Staatsregierung gebildet worden, die im Laufe des Jahres (nur) von den Westalliierten als Provisorium anerkannt wurde und neben ersten Aufbauleistungen die Einheit der »Donau- und Alpengaue", trotz Aufteilung in vier Besatzungszonen, für das künftige Staatsgebiet sichern half und die ersten Nationalratswahlen am 25. November1945 mithalf durchzuführen.
Die sowjetische Besatzungsmacht demontierte in ihrer Zone Industriekomplexe und vieles, was als "Deutsches Eigentum" deklariert war, wurde unter dem Namen USIA beschlagnahmt. In den westlichen Besatzungszonen der USA, Großbritanniens und Frankreichs wurde hingegen der sogen. Marshall-Plan aufgelegt. Nicht zuletzt deswegen kam es im Westen des Landes erstmals zu einer eigenständigen Industrieentwicklung.
Schließlich erlebte das Land 1955 seine zweite Geburtsstunde. Durch einen Staatsvertrag mit allen Besatzungsmächten bekam das Land seinen früheren Namen und seine Souveränität zurück. Als Gegenleistung dafür musste diese zweite Republik Österreich seine "immerwährende Neutralität" erklären und per Verfassungsgesetz festschreiben.
Mit dem Niedergang und Auflösung des Deutschen Reiches verbunden war auch die Vertreibung der Deutschen aus ihren angestammten Siedlungsgebieten und des Zuzugs auch in die neue Republik Österreich.
In weiterer Folge nahm die neue Republik Österreich eine parallele Entwicklung zu den anderen westeuropäischen Ländern.
Ab diesem Zeitpunkt begriffen sich die Österreicher auch als eigenständige Nation: nicht mehr als österreichische Deutsche oder als deutsche Österreicher, sondern schlicht als (deutschsprachige) Österreicher. Damit versuchten die Menschen das Trauma der »Nazi-Diktatur" besser verarbeiten und auch verdrängen zu können.
Dieses neue österreichische Nationalbewusstsein, das auf einer Abgrenzung zur neuen Bundesrepublik Deutschland beruhte, hatte zur Folge, dass sich Österreich jetzt als erstes Opfer der Nationalsozialisten sehen wollte (obwohl ein Österreicher mit Zustimmung seiner österreichischen Landsleute den Anschluss herbeigeführt hatte) und seine eigene Beteiligung an den Verbrechen des Dritten Reiches nicht aufarbeitete. Dieser »blinde Fleck" im Geschichtsbewusstsein fand im Bundespräsidentschaftswahlkampf1986 besonderen Ausdruck, als Kurt Waldheim seine Rolle in der reichsdeutschen Wehrmacht verschwieg. Trotz weltweiter Empörung gewann er die Präsidentenwahl im zweiten Wahlgang. Erst unter BundeskanzlerFranz Vranitzky gab es ein Bekenntnis zur Mitverantwortung der deutschen Österreicher an den Verbrechen des Nazi-Regimes.
Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regimes in den Ostblockländern, dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Öffnung der Grenzen zu Westeuropa in 1989 verlor das Land seinen Charakter als westlicher demokratischer Vorposten. Konsequenterweise trat Österreich daher 1995 der Europäischen Union bei, was lange Zeit aufgrund des Neutralitätsgesetzes für undenkbar galt, und unterschrieb in der Folge auch das Schengener Abkommen zur Grenzöffnung. Seitdem hat Österreich offene Grenzen zur Bundesrepublik Deutschland (Bayern) und zu Italien.
Die Regierungskoalition der bürgerlich-konservativen ÖVP mit der nationalliberalen FPÖ im Februar 2000 führte zum »Einfrieren der Beziehungen" (Sanktionen) der anderen EU-Länder (mit vorwiegend sozialistischen Regierungen) zu Österreich. Diese Politik hatte allerdings kaum realpolitische Auswirkungen auf europäischer Ebene, führte aber zu einer Stärkung der FPÖ-ÖVP-Koalition und zu einer größeren Ablehnung der EU in Österreich. Aufgrund der Empfehlung des von den EU-Ländern letztlich eingesetzten "Rat der Weisen" hoben die 14 EU-Länder im September 2000 diese »Sanktion" wieder auf.
Am 1. Jänner 2002 wurde auch in Österreich die neue EU-Währung Euro € eingeführt und löste die alte Währung (Schilling) ab.
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