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Geschichte Aserbaidschans

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Frühere Geschichte bis zum 20. Jahrhundert

[Bild extern:] Lage Aserbaidschans


Aserbaidschan ist seit frühester Zeit besiedelt und brachte bedeutende Kulturen hervor. Es gehörte zu verschiedenen Weltreichen und war unter dem Namen Albania bekannt.


Erste türkische Volksgruppen lassen sich im späteren Aserbaidschan seit dem 2. Jahrhundert nachweisen, als dort der frühhunnische Volksstamm der Az auftauchte. Dieser Volksstamm ist möglicherweise der Namensgeber des Gebietes, so dass Aserbaidschan Herrschaft der Az bedeutet. Eine andere Erklärung leite den Namen vom persischen Satz Land des Feuers ab, der sowohl auf die seit dem Altertum bekannten Petroleum-Vorkommen als auch auf den Zoroastrismus verweisen soll.


Im 3. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Hunnenreich des Attila, und bereits im 4. Jahrhundert lassen sich die Sabiren (ein alttürkisches Volk hunnischer Herkunft) in Aserbaidschan nachweisen - diese lagen in blutigen Stammeskriegen mit den benachbarten Chasaren und Kumanen.


Im Jahre 643 fielen die Araber in dieses Gebiet ein und führten es dem Islam zu - damit gehört Aserbaidschan zu den ältesten muslimischen Gebieten der Welt. Unter der Herrschaft des Kalifats kam die Provinz zu Wohlstand, der zu den den Plünderungszügen der Mongolen unter Dschingis Khan anhielt.


Im 9. Jahrhundert/10. Jahrhundert kamen dann die Volksstämme der Oghusen in dieses Gebiet und die Aserbaidschaner erhielten ihre heutige volkliche Prägung und wurden zum dem was sie heute sind: Süd-Türken. Aserbaidschan gehörte nun zum Seldschukenreich.


Im 12. Jahrhundert gehörte der Nordwesten des nachmaligen Aserbaidschan zum Königreich Georgien, während der Rest des Landes unter persischer Oberhoheit stand.


Im 13. Jahrhundert fielen die turko-mongolischen Horden des Dschingis Khan über Aserbaidschan her und es wurde nun dem mongolischen Weltreich eingegliedert. Nun ließen sich zahlreiche Mongolen in Aserbaidschan nieder, aber die mongolische Oberschicht war zu schwach, um sich zu behaupten - sie gingen in in der Folgezeit in den Aserbaidschanern auf.


Hulegu Ilchan, ein Enkel des großen Mongolenherrschers, begründete von Aserbaidschan aus, das berühmte Ilchanat. Dieses führte mit der benachbarten Goldenen Horde blutige Grenzkriege um das begehrte Georgien. Dabei waren die Ilchane mit der Nogaier-Horde verbündet, die formal zur Goldenen Horde gehörte.


Im 15. Jahrhundert wurde das Ilchanat durch den usbekischen Tatarenherrscher Timur zerschlagen und Aserbaidschan fiel mit dem übrigen Persien an diesen.


Nach dem Tode Timurs wurden auf aserbaidschanischen Gebiet zwei mächtige türkische Stammesförderationen gegründet: die "Weißen Hammel" und die "Schwarzen Hammel", die jedoch äußerst verfeindet waren.


Aserbaidschan geriet im Jahre 1514 an das benachbarte Osmanische Reich Selims und erst Abbas Schah I. konnte es im Jahre 1603 seinem Reich zurückgewinnen. Der lange und blutige Bruder-Krieg mit dem Osmanischen Reich geriet langsam auch zum Glaubens-Krieg: Wer von den jeweiligen Herrschern vertrat nun den "wahren Glauben"? War es der schiitische Schah Persiens oder Selim, der sunnitische Sultan des Osmanischen Reiches?


Im 16. und 17. Jahrhundert brachte die Dynastie der Safawiden dem Gebiet erneuten Reichtum.


Aufgrund seiner Lage an den Handelsrouten, die Europa mit Zentralasien und den Nahen Osten mit den Gebieten am Kaspischen Meer verbinden, war die Region zwischen den Russen, Persern und Ottomanen mehrere Jahrhunderte hindurch heiß umkämpft.


Im Jahre 1723 eroberte der russische Zar Peter der Große kurzfristig die Khanate von Baku und Derbent, welches sich in Daghestan befand.


Ab dem Jahre 1784 beherrschten die russischen Zaren bereits den Norden Aserbaidschans und im 6. Russisch-Türkischen Krieg (1804-1814) fielen die Khanate Gandscha (1804), Schirwan (1805), Karabach (1805), Scheki (1806), Kuba (1806) und Baku (1806) sowie das Khanat Talysch (1813) endgültig an Russland.


Als Folge des 7. Russisch-Persischen Krieges (1827/28) kamen noch die Khanate Nachitschevan (1828) und Jerewan (1828) hinzu. In den Friedensverträgen von Gülistan (1813) und Turkmenchay (10. Februar 1828), beendeten diese blutigen Grenzkriege um diese militärisch wie kulturell wichtige Landschaft: Im letztgenannten Vertrage wurde Aserbaidschan entlang der heutigen politischen Grenze zwischen Russland, dem Osmanischen Reich und Persien aufgeteilt.


In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts begann man mit der Ausbeutung der Erdölfelder.


Neuere Geschichte

[Bild extern:] Karte Aserbaidschans


Nach dem Zusammenbruch des Russischen Zarenreiches wurde im Jahr 1917 die kurzlebige "Republik Groß-Aserbaidschan" (aserbaidschanisch: Büyük Azärbaycan Cumhuriyäti) gegründet, die formal von 1918 bis 1920 bestand, aber deren wirklicher Herrschaftsbereich sich nur auf das nördliche Aserbaidschan beschränkte. (1918-20 waren britische Besatzungstruppen im südlichen Aserbaidschan, während türkische Truppen das nördliche verwalteten; die Türken wurden allerdings als "Befreier" angesehen, da das Endziel der Republik die Vereinigung mit der Türkei war.) Der Versuch, zusammen mit Georgien und Armenien eine Transkaukasische Republik zu begründen, schlug jedoch fehl.


Im Januar 1920 wurde Aserbaidschan de facto von den Alliierten als unabhängiges Land anerkannt. Diese Unabhängigkeit wurde jedoch durch die Rote Armee im April 1920 beendet. In Aserbeidschan entsteht eine Sowjetrepublik, die im Jahre 1922 mit Georgien und Armenien zur Transkaukasischen Föderativen Sowjetrepublik zwangsvereinigt und in die UdSSR integriert wird. Bergkarabach und Nachitschewan wurden als Autonomes Gebiet bzw. Autonome Republik der Hoheit Aserbaidschans unterstellt (1923).


1936 wurde Aserbaidschan "selbständige" Sowjetrepublik der UdSSR.


1988/89 begann die langsame Trennung Aserbaidschans von der Sowjetunion und der bewaffnete Kampf um Berg-Karabach. Der seit 1923 schwelende Konflikt in Bergkarabach eskaliert 1988, als der dortige Gebietssowjet den Transfer des Gebiets aus aserbaidschanischer in armenische Republikhoheit beantragt hat. 1989 verkündet der Oberste Sowjet in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku in Zusammenhang mit der Schwäche der UdSSR die Souveränität Aserbaidschans. Daraufhin kommt es zu einer Militärintervention russischer Truppen in Baku und anderen Teilen Aserbaidschans. Die sich anschließenden Kämpfe fordern viele Todesopfer. Ferner wird an der aserbaidschanisch-iranischen Grenze die Wiedervereinigung beider Landesteile verlangt.


Am 30. August 1991, nach dem gescheiterten Putschversuch in Moskau, rief Aserbaidschan die Unabhängigkeit aus und wurde Mitbegründer der GUS. Die kommunistische Partei löst sich auf und gründet mit der "Republikanischen Demokratischen Partei" ihre Nachfolgepartei.


1992 beginnt der offene Krieg mit Armenien um Berg-Karabach, den die Türkei offen mit Waffenlieferungen an Aserbaidschan unterstützt. Im Sommer treffen sich in Ankara die Vertreter Aserbaidschans mit den turkvölkischen Staatsvertretern Zentralasiens: Dort wird beschlossen, für alle turkvölkischen Republiken bis 2005 ein einheitliches Alphabet - nach Vorbilde des Türkeitürkischen - zu schaffen, daß dann die türkischen Minderheiten der übrigen GUS dieses bis spätetestens 2010 zu übernehmen hätten.


Am 30. Juni 1992 wird der ehemalige Geheimdienstler und KP-Chef Geidar Alijew zum Präsidenten gewählt und dieser benennt die kommunistische Staatspartei in "Neues Aserbaidschan" um. Alijew bemüht sich um gute Beziehungen zu Russland, der Türkei und den USA, aber auch um gute Nachbarschaft mit dem Iran.


Im Dezember 1992 tritt Aserbaidschan aus der GUS aus und nimmt einen Beobachterstatus ein. Mitte Dezember übernimmt Aserbaidschan das türkeitürkische Alphabet.


Im Jahre 1995 wird ein Verfassung angenommen. Sie konstituiert ein präsidentielles Regierungssystem. Mit mehreren Führungswechseln und Putschversuchen erweist sich die politische Lage in Aserbaidschan seit 1991 als instabil. Dies hängt insbesondere mit der Verwicklung des Landes in den Bergkarabach-Konflikt zusammen. Die wichtigsten Parteien sind: Nationale Unabhängigkeitspartei, Aserbaidschanische Volksfront, Müsavat (Gleichheitspartei), Bozkurt (graue Wölfe, türkischnationalistische Gruppierung).


2002 wird Ilham Alijew zu Nachfolger seines Vaters bestimmt und bei Wahlen 2003 überwiegend vom Volk bestätigt - nur ist der trunk- und spielsüchtige Sohn schuld, daß das einzige Spielkasino Aserbaidschans geschlossen wird: Er soll wohl allein in einer Nacht rund 350.000 Rubel durchgebracht haben!


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