In der deutschenSchulgrammatik wird das Genus (lat. 'Geschlecht', Plural: Genera) auch als grammatisches Geschlecht bezeichnet. Geschlecht ist hier nicht als 'biologisches Geschlecht' zu verstehen, sondern als Klassifizierungsbezeichnung. Wenn man also sagt, ein Wort weise ein bestimmtes Genus auf, heißt das, es gehört zu einer bestimmten Klasse von Wörtern, die sich grammatisch gleich verhalten.
In der Linguistik ist das Genus eine morphologische Kategorie vor allem im Bereich der Substantive. In einigen Sprachen sind auch Verben vom Genus abhängig, zum Beispiel in Russisch. Sprachen, die den Zusammenhang von Wörtern dadurch anzeigen, dass diese Wörter formal in Übereinstimmung gebracht werden (Kongruenz), können Substantive in Klassen einteilen, die auch als Genera bezeichnet werden. Wörter, die sich auf das Substantiv beziehen, müssen dann so flektiert werden, dass sie zum Genus des Substantivs passen (Genuskongruenz).
Beispiele
Hier ein Beispiel aus dem Italienischen und aus dem Deutschen (Übersetzung). Beide Sprachen zeigen Genuskongruenz.
Questa è una faccenda seria. 'Das ist eine ernsthafte Angelegenheit.'
Hier kongruieren questa, una und seria mit faccenda im Genus. Im Deutschen hingegen kongruieren nur eine und ernsthafte mit dem Substantiv Angelegenheit. Wird ein anderes Substantiv eingesetzt, das zu einem anderen Genus gehört, müssen die kongruierenden Wörter angepasst werden:
Questo è un problema serio. 'Das ist ein ernsthaftes Problem.'
problema gehört (trotz gleicher Endung wie faccenda) einem anderen Genus an. Genauso verhält es sich mit dem Unterschied von Angelegenheit und Problem.
Verwechslung von Genus und Sexus
In der europäischen Grammatiktradition werden die verschiedenen Genera irreführenderweise mit Termini wie Maskulinum, Femininum und Neutrum bezeichnet, die einen Zusammenhang zum biologischen Geschlecht (vgl. Sexus) nahe legen. Ein solcher Zusammenhang ist aber selbst im Bereich der Wörter, die belebte Wesen bezeichnen, keineswegs zwingend, denn das Mädchen ist weiblich, obwohl es im Neutrum steht; ein Gast, eine Geisel oder eine Person können männlich oder weiblich sein, obwohl das Substantiv immer im Maskulinum oder Femininum steht.
Durch die Verwechslung von Genus und Sexus wurde von einigen Vertretern der feministischen Bewegung neben einer sexus-neutralen Behandlung der Wörter auch eine genus-neutrale zur Bezeichnung von Menschen und deren Berufen in der deutschen Sprache gefordert: So soll zum Beispiel das Präsident gesagt werden. Die Nichtgleichberechtigung wird auf grammatische Kategorien übertragen.
Genus verbi
In der lateinischen Schulgrammatik wird die Unterscheidung von Aktiv und Passiv traditionell als Genus verbi (also: 'Geschlecht des Verbs') bezeichnet, heute wird diese Kategorie als Diathese bezeichnet.
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